Lokales

Kress will Ende des „Wettrüstens“

AOK fühlt sich übergangen und fordert Kooperation der Kliniken im Landkreis Esslingen

In einem Schreiben an Landrat Heinz Eininger fordert der Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils, Dieter Kress, ein mit allen Krankenhäusern im Kreis abgestimmtes Gesamtkonzept der medizinischen Versorgung. Nur so seien die Häuser mittel- und langfristig wirtschaftlich und finanzierbar.

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Richard Umstadt

Kreis Esslingen. Die AOK Neckar-Fils fühlt sich als größter Finanzier der Krankenhäuser im Kreis und als „Partner der Kliniken“ in der neuerlichen Krankenhausstrukturdiskussion übergangen. In seinem Schreiben an Landrat Heinz Eininger und Esslingens Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger erachtet es AOK-Geschäftsführer Dieter Kress „als zwingend notwendig“, dass Krankenhäuser mit ihren Leistungsangeboten verstärkt mit anderen Häusern kooperieren. „Kooperation und Spezialisierung sind die Wege der Zukunft“, so Kress. Nur dadurch könnten mittel- und langfristig die Defizite der Kreiskliniken, aber auch die des Klinikums Esslingen auf ein verantwortbares Maß zurückgeschraubt werden.

In diesem Zusammenhang kritisiert Dieter Kress das „ruinöse Wettrüsten“ der Kreiskliniken und der Esslinger Klinik in den vergangenen Jahren. Als „strukturpolitisch falsch und unternehmerisch zu kurz gesprungen“ bewertet Kress die von der Kreisklinikverwaltung und dem Kreis vorgestellten Szenarien. Diese würden sich ausschließlich auf das medizinische Leistungsspektrum der Kreiskliniken zu beschränken, ohne die gesamte Kliniklandschaft im Kreis Esslingen einzubeziehen, so seine Kritik.

Angesichts des sich weiter verschärfenden Wettbewerbs im Krankenhausbereich hält Kress es daher für ein Gebot der Stunde, dass sich Landrat Heinz Eininger und Oberbürgermeister Dr. Zieger zusammensetzen und „jetzt dafür sorgen“, dass im Landkreis Esslingen zukunftsfähige Krankenhausstrukturen entstehen. Dies gehe nur im Rahmen eines Gesamtkonzepts unter Einbindung aller Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken, dem Klinikum Esslingen, der Filderklinik und auch der geriatrischen Reha-Klinik in Esslingen-Kennenburg. Der AOK-Geschäftsführer erklärte sich bereit, an zukunftsfähigen Krankenhaustrukturen partnerschaftlich mitzuwirken.

Dieses Angebot griff Landrat Heinz Eininger in seinem Antwortschreiben auf und lud Dieter Kress gemeinsam mit den Fraktionsvorsitzenden des Kreistags zu einem Gedankenaustausch am kommenden Montag ins Landratsamt ein. Darüber hinaus wies Eininger den AOK-Geschäftsführer auf die Bemühungen der Kreisklinikenleitung seit 2006 hin, mit dem Klinikum Esslingen zu kooperieren. So bestehe im onkologischen Bereich und in der kinderärztlichen Versorgung eine Zusammenarbeit. Allerdings sei es zu seinem Bedauern bislang nicht gelungen, unternehmerisch zusammenzugehen. Auch könne der Landkreis über andere Krankenhausträger nicht disponieren. Deshalb ist für den Landrat klar, dass die Kreiskliniken ihre Hausaufgaben alleine machen und die Strukturfragen lösen müssen.

Nicht einverstanden war der Landrat mit dem von Kress verwendeten Begriff des „Wettrüstens“. Nicht das „Wettrüsten“ sei für die negativen Betriebsergebnisse verantwortlich, sondern die nicht auskömmliche Investitionsfinanzierung.