Lokales

Schluss mit der ewigen Flickschusterei

Der Marktplatz braucht einerseits schnelle Hilfe, andererseits eine langfristige Perspektive​

Risse, Löcher, Unebenheiten: Stolperfallen aller Art machen Fußgängern das Leben schwer auf dem Kirchheimer Marktplatz. Die Schäden sind so groß, dass die Verwaltung die Verkehrssicherheit gefährdet sieht. Doch eine Sanierung des Belags ist nur das eine. Die entscheidende Frage lautet: Wie kann der Marktplatz attraktiver werden?

Der Marktplatz lädt nicht gerade zum Verweilen ein.

Der Marktplatz lädt nicht gerade zum Verweilen ein.

Irene Strifler

Anzeige

Kirchheim. Bereits im März hatte der Frost dem Platz so zugesetzt, dass er umgehend provisorisch ausgebessert werden musste. Am schlimmsten betroffen ist der Innenbereich. Geschäftskreisleiter Martin Zimmert erläuterte im Technischen Ausschuss des Kirchheimer Gemeinderates die Planung, diesen Bereich jetzt mit Walzasphalt zu sanieren. Die Asphaltfläche soll durch eine Oberflächenbehandlung, „Grinding“ genannt, aufgehellt und griffiger werden. Die Kosten dafür betragen 52 000 Euro. Wollte man auch die Randbereiche sanieren, die mit bereits reichlich schadhaften Granitplatten belegt sind, beliefe sich der Gesamtaufwand auf 550 000 Euro. Die Verwaltung schlug deshalb vor, lieber mittelfristig für eine komplette Neugestaltung des Platzes Mittel vorzusehen.

Neue Ideen für den Marktplatz beschäftigen schon seit Längerem Verwaltung und Ratsrund. „Wenn kein Markt ist, fristet der Platz ein ruhiges Dasein“, beschrieb Bürgermeister Günter Riemer die gähnende Leere auf dem Platz mit recht freundlichen Worten. Auch zur Außenbewirtung wird der von Fachwerkhäusern umgebene Platz im Herzen der City nicht genutzt. Für den Bürgermeister ist klar: Um eine akute Ausbesserung der gröbsten Schäden kommt die Stadt nicht umhin. Umgehend müsste jedoch die Planung für längerfristige Änderungen anlaufen.

Diese Einschätzung teilte das Gremium weitgehend. „Unsere Einflussmöglichkeiten sind begrenzt, denn die Gebäude sind alle in privater Hand“, gab CDU-Fraktionssprecher Dr. Thilo Rose zu bedenken und stellte die Frage: „Wie können wir die Eigentümer animieren, dass dort etwas passiert?“ „Bevor wir eine halbe Million investieren, müssen wir nachdenken“, mahnte SPD-Frakti­onschef Walter Aeugle und erinnerte an die 80er-Jahre. 1986 wurde der Platz, der bis dato noch als Abstellraum für Blechkarossen diente, neu gestaltet. Ideen wie der Bau einer Markthalle oder die Schaffung eines grünen Platanendaches geisterten durch die Köpfe. Karl-Heinz Schöllkopf von den Grünen regte daher an, die historische Diskussion für die jüngeren Räte aufzubereiten. Ferner forderte er zunächst eine Zieldefinition, um nicht Geld für letztlich unnötige Maßnahmen auszugeben.

Bei allen Planungen spielen die Bedürfnisse der Marktbeschicker beim Anliefern, Aufbauen und Abbauen eine große Rolle. Als sachkundige Bürgerin für Wirtschaftsfragen ergriff Bettina Schmauder das Wort: City Ring und BDS stimmten ebenfalls überein, zuerst die Planung vo­ranzutreiben, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. Im Übrigen zeige die jetzige Situation, dass nicht zwangsweise die Eigentümer gefragt seien: „Um den Brunnen gibt es auch jetzt schon Leben, denn da kann man sitzen“, argumentierte Schmauder. CIK-Vertreter Hans Kiefer regte daher eine Art „Möblierung“ zur Belebung des Platzes an. Albert Kahle (FDP/KiBü) stieß sich am Material: Walzasphalt werde den Platz im Sommer zum Brutofen machen, warnte er.

Bürgermeister Günter Riemer warb vehement dafür, auf Bänke und andere Zwischenlösungen zu verzichten und das übergeordnete Ziel zu verfolgen, dem Platz innerhalb der nächsten Jahre zu entscheidend mehr Aufenthaltsqualität zu verhelfen. Die nötige Ruhe dafür verschaffe auf die Schnelle ein belastbarer Belag für die marode Innenfläche. „Strukturelle Veränderungen brauchen Mut zur Entscheidung“, deutete Riemer an, dass sich eine Marktplatzneugestaltung nicht aus dem Ärmel schütteln lässt. Ein Dach, aber keine geschlossene Halle, sei nur eine von vielen Varianten, die der Verwaltung vorschwebten. Bei solch einem Vorhaben biete sich an, mit Anwohnern und Ideengebern direkt auf dem Marktplatz in einen Dialog einzusteigen. Ein weiteres Argument für eine baldige große Sanierung nannte Zimmert: Er wies darauf hin, dass sich die ewige Flickschusterei jährlich zu vierstelligen Euro-Beträgen summiere.

Einstimmig machte der Ausschuss den Weg dafür frei, dass im Juli der Mittelbereich des Platzes einen tragfähigen Asphaltbelag erhält.