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Sicher und stressfrei im StadtverkehrInfo

Die Initiative „UR:BAN“ mit Büro in Kirchheim wurde für ihre Forschungen ausgezeichnet

Spurwechselassistent und Abstandsregler haben mittlerweile viele moderne Autos. Und auch von Autos, die keinen Fahrer brauchen, hat man schon gehört. Doch dass Kirchheim bei der Entwicklung solcher Technologien eine Rolle spielt, hätte vermutlich niemand gedacht.

Kirchheim. Man sieht zwar bis jetzt noch keine führerlosen Autos um den Alleenring brausen, doch ein Büro in der Hülenbergstraße ist mit dafür verantwortlich, dass dies durchaus bald Realität sein könnte. Hier arbeitet Walter Scholl, Leiter der Initiative „UR:BAN“, die gestern von der Kampagne „Deutschland – Land der Ideen“ für ihre Forschungen im Bereich der intelligenten Verkehrstechnologien ausgezeichnet wurde. Sein Büro ist für die Planung und Moderation zuständig.

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„UR:BAN“ steht für „Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement“ und wird von 31 Universitäten, Firmen, Städten und Instituten betrieben, deren Forschungsarbeit von Kirchheim aus koordiniert wird. Finanziell getragen wird die Initiative vom Ministerium für Wirtschaft und Energie und den beteiligten Firmen.

Das Ziel ist, den Fahrer dabei zu unterstützen, sich möglichst sicher, stressfrei und wirtschaftlich im Stadtverkehr zu bewegen. Gerade im urbanen Verkehr sei es laut Walter Scholl nötig, etwas für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu tun, denn mehr als zwei Drittel aller Unfälle mit Personenschaden passieren dort.

Realisiert werden soll dies durch die Entwicklungen in den drei Hauptprojekten von „UR:BAN“: „Kognitive Assistenz“, „Vernetztes Verkehrssystem“ und „Mensch im Verkehr“.

„Kognitive Assistenz“ beschreibt Technologien im Auto, die vor allem der Sicherheit dienen. Zur Kollisionsvermeidung wird die Umgebung des Fahrzeugs durch einen Sensor erfasst, sodass frühzeitig auf Hindernisse aufmerksam gemacht werden kann. Die Devise lautet: informieren, warnen, eingreifen – erst wenn der Fahrer nicht auf die Warnung des Autos reagiert, dass zum Beispiel weiter vorn ein Kind über die Straße läuft, bremst es selbst. Neu ist daran vor allem, dass die intelligenten Autos nicht nur versuchen, Unfälle zu verhindern: Falls eine Kollision nicht mehr zu vermeiden ist, wird der Schaden zumindest so gering wie möglich gehalten. Eine Herausforderung ist hier, dass die Basis für das heutige Verkehrsrecht aus den 60er-Jahren stammt, in denen sogar die heute selbstverständlichen mobilen Navigationsgeräte noch fast Science-Fiction waren. Wie soll man Unfallschuld bewerten, wenn ein intelligentes Auto im Spiel war? „Das sind Grauzonen, die man bei der Forschung gleich mit untersuchen muss“, sagt Walter Scholl.

Die zweite Säule von „UR:BAN“, „Vernetztes Verkehrssystem“ beschäftigt sich mit der Bewegung des Fahrzeugs in der Stadt. Beispielsweise soll das Auto in der Lage sein, die für sich beste Strecke durch die Stadt zu finden. Hier spielt die Antriebsart eine wichtige Rolle: Für benzinbetriebene Fahrzeuge wird eine Strecke mit möglichst wenigen Stopps ermittelt, bei Elektroautos soll sie kurz sein. Ziel ist weniger Energieverbrauch und eine Entzerrung des Verkehrs. Und auch diese Strecke kann optimiert werden. Walter Scholl kennt das allgegenwärtige Problem der urbanen Autofahrer: „Manchmal fährt man von Ampel zu Ampel und die werden gerade alle rot.“ Umgangen werden könnte dies mit einer Verbindung des Fahrzeugs zum Lichtanlagennetz. Wenn das Auto weiß, wann die Ampeln rot werden, dann kann es seine Geschwindigkeit den Ampelschaltphasen anpassen. So kann unnötiges Stoppen oder zu schnelles Fahren verhindert werden.

Auch sinnlose Wartezeit an einer roten Ampel, wenn man nachts der einzige Verkehrsteilnehmer weit und breit ist, muss nicht sein. Die Lösung, die „UR:BAN“ bereitstellt, ist „intelligente Infrastruktur“. Das sind Ampelanlagen, die wissen, wo grünes Licht am nötigsten wäre – nicht nur nachts, sondern auch tagsüber, um Stau zu verhindern.

Beim Projekt „Mensch im Verkehr“ wird geforscht, wie der Mensch da­rauf reagiert, was ihm die Maschine vermittelt. „Da blinkt was, da hupt was, da wackelt was am Gaspedal“ – laut Walter Scholl kann zu viel Hilfe vom Auto den Fahrer überfrachten.

Und er muss es ja wissen – seit 1986 ist er in diesem Bereich tätig. Die Initiative „UR:BAN“ ist nicht sein erstes Projekt mit dem Thema Verkehrstechnologie. „Es ist schon erstaunlich, wie schnell daraus Produkte werden“, antwortet er auf die Frage, ob die Forschungen von „UR:BAN“ denn bald dem Verbraucher nutzen werden. Auch bei seinen früheren Projekten seien plötzlich Dinge möglich geworden, die damals für unmöglich gehalten worden waren.

 

Weitere Infos gibt es auf www.urban-online.org im Internet.