Lokales

Steuerungsrechner legt S-Bahn lahm

Zugausfall zur Hauptverkehrszeit ärgert Pendler

S-Bahn-Pendler hatten gestern Grund zum Ärger: Wer in Kirchheim pünktlich um 7.51 Uhr die Fahrt gen Stuttgart antreten wollte, brauchte viel Geduld.

Kirchheim. Ausgerechnet zu Zeiten des Hauptverkehrsaufkommens warteten die Massen vergebens: Der ersehnte Zug der Baureihe ET 423, also nicht der neusten Baureihe, wies einen Fehler im „Steuerungsrechner“ auf, wie eine Bahn-Pressesprecherin erläuterte. „Das ist sozusagen das Gehirn des Zuges“, erklärte sie weiter, weswegen eine Weiterfahrt unmöglich war. Bis ein Ersatzfahrzeug beschafft werden konnte, verging viel Zeit: Selbst der Zug um 8.21 trat seine Fahrt nicht pünktlich an, sondern mit geraumer Verspätung.

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Die Bahn-Sprecherin räumte ein, dass der frühe Vormittag der ungünstigste Zeitpunkt für einen Zugausfall sei: Pendler kamen reihenweise zu spät zur Arbeit, Schüler verpassten die erste Stunde. Von einem generellen Verspätungsproblem auf der S 1-Strecke zwischen Kirchheim und Herrenberg wusste die Bahnsprecherin allerdings nichts zu berichten.

Eine Blitzumfrage des Teckboten via Facebook ergab, dass regelmäßige S-Bahn-Nutzer immer wieder Grund zum Ärger haben und sich teilweise mit einem dicken Fell schützen. „Kann passieren, oder?“ meint eine Pendlerin gelassen, die auch vom gestrigen Zugausfall betroffen war. Eine Studentin, die ebenfalls auf den ausgefallenen Zug wartete, erzählt, bei wichtigen Uni-Terminen immer eine Bahn früher als eigentlich nötig zu nehmen. Das Preis-Leistungsverhältnis stimme einfach nicht mehr, bedauert sie. Wartezeiten am Abend zuvor hatte eine andere Passagierin in Kauf nehmen müssen. Sie jedoch äußert gewisses Verständnis, lag doch der Grund in einem Notarzt-Einsatz. „Natürlich habe ich mich geärgert, aber wem will ich dafür einen Vorwurf machen?“, fragt sie.

Des öfteren „Verspätungen und Ausfälle“ hat dagegen ein anderer Pendler mit gewissem Ärger registriert. Kein Wunder: Er musste am Montag in Plochingen auf der Heimfahrt umsteigen und benötigte auf

„Dampfzüge fuhren pünktlicher“

diese Weise 1,5 Stunden Fahrzeit von Stuttgart bis Kirchheim. „Ein fast alltägliches Übel“ bemerkt ein anderer ÖPNV-Nutzer, und ein weiterer scheint in schöner Regelmäßigkeit „jeden Donnerstag“ zur Abendzeit von Verspätungen betroffen zu sein. „Das häuft sich in letzter Zeit. Unakzeptabel.“, lautet ein anderer Kommentar. Und einer, der offenbar schon eine lange Tradition des Zugfahrens hinter sich hat, bemerkt lakonisch: „Als die DB noch keine AG war, und noch Dampfzüge fuhren, waren diese pünktlicher!“