Lokales

Verein hat viele Spuren hinterlassen

Vor 150 Jahren wurde der Verschönerungsverein Kirchheim gegründet

Seit 150 Jahren gibt es den Kirchheimer Verschönerungsverein. Dieses Jubiläum wurde im Alten Gemeindehaus gebührend gefeiert. Darüber hinaus wurde im Doschler ein Jubiläumsstein enthüllt.

Wolfgang Znaimer (Dritter von rechts), Friedrich Heinzelmann (Zweiter von rechts) und Susanne Gölz enthüllten an der Trösterbrün
Wolfgang Znaimer (Dritter von rechts), Friedrich Heinzelmann (Zweiter von rechts) und Susanne Gölz enthüllten an der Trösterbrünnelesanlage den Jubiläumsstein. Die Rathausturmbläser sorgten für die musikalische Umrahmung.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Im Jahr 1864 fand im Kirchheimer Rathaus die Gründungsversammlung des Verschönerungsvereins statt. Vorsitzender war damals Oberamtmann Carl Idler. Nur wenige Meter entfernt vom Gründungsort feierten 150 Jahre später mehr als 120 Mitglieder und Ehrengäste mit einem Festakt im Alten Gemeindehaus das Jubiläum des Verschönerungsvereins. Viele Ehrengäste machten die Bedeutung des Vereins deutlich, der sich für den Erhalt von kulturellen Schätzen, Kleindenkmalen und Bauwerken einsetzt.

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Dr. Christoph Miller, Vorstandsmitglied des Verschönerungsvereins, moderierte den Festakt. Wie familiäre Biografie und Vereinsgeschichte miteinander verwoben sind, zeigte Miller anhand seines Großvaters auf: Dr. Albert Hölzle, ebenfalls ein engagiertes Vereinsmitglied, hatte in den 1930er Jahren als erster Bürger das Fachwerk seines Hauses freigelegt und damit den Ruf Kirchheims als Fachwerkstadt begründet.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker würdigte die Bedeutung des Verschönerungsvereins. Die Mitglieder würden sich durch Heimatverbundenheit und Geschichtsbewusstsein auszeichnen und „ihre Anliegen mit Herzblut verfolgen“. Als sichtbare Zeichen, die der Verein im Stadtbild hinterlassen hat, nannte sie zum Beispiel die Zähringersteele, den Alemannenstein am Ziegelwasen, die Aussichtsplattform am Würstlesberg und die Gestaltung des Marktbrunnens anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums. Als Geschenk der Stadt übergab die Oberbürgermeisterin an den Vereinsvorsitzenden Fritz Heinzelmann einen Scheck für die vielfältig geleistete Arbeit der Vereinsmitglieder.

Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Schwäbischen Albvereins, erinnerte daran, dass ohne den Verschönerungsverein ein bedeutendes Wahrzeichen des Landkreises Esslingen, die Burg Teck, mit ihrem markanten Turm nicht existieren würde. 1886 errichteten Mitglieder des Vereins zunächst ein gemauertes Gebäude als Schutzhalle für die Wanderer. 1889 konnte der Turm fertiggestellt werden, dem im Laufe der Zeit weitere Anbauten folgten. 1954 wechselte die Burg den Besitzer: Der Schwäbische Albverein erwarb sie vom Verschönerungsverein, der ab diesem Zeitpunkt seine Aktivitäten auf Kirchheim konzentrierte.

Erhard Bruckmann, der Vorsitzende des Verschönerungsvereins Stuttgart, hob anschließend die Verbundenheit mit dem Kirchheimer Verein hervor. Dies machte er am früheren Kirchheimer Vereinsvorsitzenden Hubert Häußler fest: Er war Forstamtsleiter in Kirchheim und Vorsitzender von 1951 bis 1958. Nach seinem Wechsel nach Stuttgart als Landesforstmeister übernahm er von 1960 bis 1980 den Vorsitz des Stuttgarter Verschönerungsvereins. Gemeinsames Anliegen der beiden Vereine sei der Einsatz für den Denkmalschutz, den Wegebau, für die Parkpflege und den Erhalt von Grünanlagen im innerstädtischen Bereich.

Auf die Vereinsgeschichte ging schließlich Fritz Heinzelmann in seinem Jubiläumsvortrag mit dem Titel „Erfüllte und unerfüllte Wünsche des Verschönerungsvereins“ ein. In der Anfangszeit nach der Gründung hätten sich die Mitglieder des Vereins um die Wanderwege am Albtrauf und Albrand sowie um den Erhalt und die Erschließung von Burgruinen gekümmert. „Diese machen heute das Markenzeichen unserer heimatlichen Kulturlandschaft aus, die es zu bewahren gilt.“ Die Schaffenskraft des Vereins zeige sich exemplarisch an der Aussichtsplatte auf dem Würstlesberg, die einen fantastischen Blick auf Kirchheim und die Schwäbische Alb biete. Um es den Bürgern zu ermöglichen, den Aussichtspunkt zu Fuß innerhalb von 30 Minuten zu erreichen, „erbettelte der Verschönerungsverein in jahrelangen Aktionen die Geldmittel für eine Steintreppe.“ Diese trage deshalb im Volksmund den Namen „Betteltreppe“.

Heinzelmann erwähnte die gute Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Verein bei diesem Projekt. Außerdem lobte er das Engagement der Oberbürgermeisterin, als es darum ging, die Vereinsarbeit ab 2008 neu zu beleben. Am Ende brachte Heinzelmann noch einen unerfüllten Wunsch zum Ausdruck: „Schwer enttäuscht hat mich 2013 die Entscheidung des Ortschafts- und Gemeinderats, die Fachwerkfassade des Jesinger Rathauses aus dem Jahr 1577 nicht für die Nachwelt zu erhalten. Es gibt in Kirchheim nur noch ganz wenige Fachwerkfassaden, die älter sind.“ Wie man in Kirchheim mit dem heimatlichen Fachwerk-Erbe auch positiv umgehen kann, zeige sich am Beispiel der alten Bruckmühle, für deren Erhalt sich der Verschönerungsverein 2011 stark gemacht habe und die jetzt renoviert werde und für das Stadtbild erhalten bleibe. Die Förderung der Freilegung und der Erhalt der Fachwerkfassaden werde auch in Zukunft eine ureigenste Aufgabe des Verschönerungsvereins bleiben, betonte Heinzelmann.

In seinem Vortrag mit dem Titel „Quellen des Lebens – Brunnen in Kirchheims Vergangenheit“ ging das Vereinsmitglied Winfried Müller auf die Geschichte der Wasserversorgung und der Brunnen in Kirchheim ein. Anlass war die Stiftung der Jubiläumstafel am Trösterbrünnele, die von der Steinmetzfirma Harald Fischer aus Holzmaden fachmännisch aufgestellt und im Rahmen einer Feier des Verschönerungsvereins in den Besitz der Stadt Kirchheim übergeben worden war.

Ein Orchester der Kirchheimer Musikschule unter der Leitung von Takashi Otsuka umrahmte den Festakt im Alten Gemeindehaus mit Mozarts kleiner Nachtmusik und einer Sonate von Georg Philipp Telemann. Die jungen Musikschüler meisterten bravourös selbst die schwierigsten Passagen der Sonate. Einen weiteren Höhepunkt bildeten die Volkstänze des Trachtenvereins unter der Leitung von Egon Ebner: Mit ihren Polka- und Walzertänzen erhielten die Mitglieder des Trachtenvereins viel Applaus.