Lokales

Wohnqualität und gute Nachbarschaft

Ein Flohmarkt läutet am Samstag den Reigen vielfältiger Aktivitäten im Quartier Rauner ein

Deutlich erkennbar sind derzeit die aktuellen baulichen Veränderungen vor allem im Bereich zwischen der Eichendorff- und der Neuffenstraße im Kirchheimer Wohngebiet Rauner. Noch lange nicht zu sehen ist dagegen, welche entscheidenden Veränderungen im gesamten Quartier langfristig angepackt werden sollen.

Menschen zusammenzuführen, die Haus an Haus leben, sich aber nicht gut kennen, ist Ziel des Quartiersprojekts „wir Rauner“. Der
Menschen zusammenzuführen, die Haus an Haus leben, sich aber nicht gut kennen, ist Ziel des Quartiersprojekts „wir Rauner“. Der erste Termin, den die Projekt-Verantwortlichen Barbara Decker, Christine Knauer-Dickhoff, Sarah Forstner und Simon Unrath (v.r.n.l.) organisieren, ist ein Flohmarkt.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Dass sich im gesamten Kirchheimer Wohngebiet Rauner schon viel getan hat und auch weiterhin tut, ist nicht zu übersehen. Es wurde umfassend saniert und modernisiert, in die Jahre gekommene und mit vertretbarem Aufwand nicht mehr haltbare Gebäudeeinheiten wurden abgerissen. Neu geplant und überbaut wird aber nicht nur dort, wo vorübergehende Lücken entstan­den. Es wird auch quartierübergreifend an einem Konzept gebastelt, das dem ganzen Stadtteil ein neues Selbstbewusstsein vermitteln und künftig zunehmend auch alte und neue Bewohner näher zusammenbringen soll.

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„wirRauner“ lautet die Firmierung des engagierten Quartierprojekts, das die Projektträger Kreisbau und die Keppler-Stiftung, die für das in diesem Stadtteil gelegene Seniorenzent­rum Sankt Hedwig zuständig ist, mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam schultern.

Ambitioniertes Ziel ist es, die in dieser Ecke der Stadt Wand an Wand und Haus an Haus lebenden Nachbarn, die sich oft gar nicht allzu gut kennen, zusammenzuführen. Unter dem gewählten Projektnamen „wirRauner“ soll sich langfristig eine verschworene Gemeinschaft unterschiedlichster Menschen bilden, die nicht nur zufällig nebeneinander wohnen und gemeinsam älter werden, sondern auch möglichst viele sie alle verbindenden Gemeinsamkeiten entdecken.

Im Idealfall könnten die hier bunt zusammengewürfelten Mieter und Eigentümer zu einer gut funktionierenden, kommunizierenden und interagierenden Einheit zusammenfinden, wie sie einst für gewachsene dörfliche Gemeinschaften typisch waren oder auch in Neubaugebieten unterschiedlichste Familien dank gemeinsamer Interessen und Lösungssuchen enger zusammenführen.

Mit der Quartiermanagerin Barbara Decker, Christine Knauer-Dickhoff als Ansprechpartnerin des im Rauner liegenden Seniorenzentrums Sankt Hedwig und Sarah Forstner als Ansprechpartnerin der Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen stehen gleich drei kompetente und kooperative Frauen bereit, ein entsprechendes Netz zu erarbeiten. Un­ter der behutsamen Federführung von Projektleiter Simon Unrath wollen sie sich einerseits um die Sorgen und Nöte der vielen unterschiedlichen Bewohner kümmern, andererseits aber auch ganz neue identitätsstiftende Angebote für die im neu zu entdeckenden Quartier Rauner lebenden Menschen schaffen.

Das ehrgeizige Projekt geht auf eine im Jahr 2008 durchgeführte Zukunftswerkstatt der Stadt Kirchheim zurück, bei der die in der Stadt liegenden stationären Pflegeeinrichtungen als wichtige Standorte und Impulsgeber für die jeweils umliegenden Stadtteile erkannt und als zukunftsorientierte Inseln im Dunstkreis der Sorge bereitenden demografischen Entwicklung definiert wurden. Auf dieser soliden Grundlage übernehmen die Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen in Kooperation mit dem Seniorenzentrum Sankt Hedwig die Verantwortung für die altersgerechte Entwicklung dieses Stadtbereichs.

Ein erster Termin gemeinschaftsbildender Begegnung steht mit einem Quartier-Flohmarkt am Samstag, 13.  April, fest im Kalender. Nach den ab 9 Uhr beginnenden Aufbauarbeiten soll von 10 bis 16 Uhr – verständlicherweise unter Ausschluss gewerblicher Anbieter – am Standort der künftigen Begegnungsstätte im und um den Rohbau vor allem den im Rauner wohnenden Menschen Gelegenheit gegeben werden, beim bunten Marktgeschehen mit möglichst vielen Nachbarn und Mitbewohnern in Kontakt zu kommen.

Besitzer nicht mehr benötigter Dinge und in der direkten Nachbarschaft wohnende Menschen zusammenzuführen, die Interesse an einem der angebotenen Schnäppchen haben könnten, ist der Grundgedanke dieser ersten quartierbezogenen Veranstaltung. Bereits bestehende Kontakte sollen dadurch gefestigt und zugleich unkompliziert neue Begegnungen ermöglicht werden.

Die vielfältigen nachbarschaftlichen Begegnungen im Vorfeld und im Verlauf dieses ersten Quartier-Flohmarkts könnten damit ein erster wichtiger Schritt sein auf dem langen Weg zu einem gut „funktionierenden“ Stadtteil, in dem sich die Menschen, die dort wohnen, arbeiten und einkaufen nicht nur wohlfühlen, sondern sich auch unkompliziert begegnen können, um eine intakte Nachbarschaft eines Miteinanders und Füreinanders zu genießen.

Die Qualität über Generationen hinweg gewachsener Wohnviertel und schon jahrzehntelang gut greifender Nachbarschaftsbeziehungen können natürlich nicht beliebig über Nacht geschaffen und „erfunden“ werden. Die Verantwortlichen des Quartierprojekts „wirRauner“ sind aber interessiert und hoch motiviert, gemeinsame Schritte in die richtige Richtung zu initiieren. Alle, die diese Idee einer funktionierenden Stadtteil-Gemeinschaft mittragen möchten, können sich in unterschiedlichsten Bereichen engagieren. Sie können damit nachhaltig dazu beitragen, dass der Rauner nicht länger ein nur durch seine geografische Lage und seine verwaltungstechnisch-bebauungsplanerische Definitionen festgelegtes Quartier sein muss. Es soll über die Jahre zu einem ganz speziellen Stück Kirchheim werden, mit dem man sich identifiziert und in dem man sich vor allem auch über alle Generations- und Nationalitätsgrenzen hinweg wohlfühlen kann.