Lokalsport

Auftakt mit Paukenschlag

Basketball-Landesliga: Dezimierter VfL schlägt Aufstiegsfavorit TSV Eriskirch mit 84:60

Ohne vier und ohne Coach Kukiqi sorgten die Landesliga-Basketballer des VfL Kirchheim beim Aufstiegsfavoriten TSV Eriskirch für eine Überraschung: Mit einem 84:60 sammelten die Kirchheimer die ersten beiden Punkte ein.

Testspiel VfL Kirchheim - TuS StuttgartDesmond Strickland
Testspiel VfL Kirchheim - TuS StuttgartDesmond Strickland

Friedrichshafen. So schnell wird aus Depression Euphorie. Völlig geknickt, dass er wegen seiner schweren Erkältung das Team nicht zum Saisonauftakt nach Eriskirch bei Friedrichshafen begleiten konnte, und gleichzeitig ernüchtert durch gleich vier hochkarätige Ausfälle hatte Neu-Coach Bekim Kukiqi noch am Freitag völlig verständlich geklagt: „Jetzt arbeiten wir seit Juni auf diesen Tag hin, und dann so etwas.“ Diese Stimmung kippte schlagartig am Samstagabend gegen acht ins Gegenteil: Da rief Interimscoach Shkelzen Bekteshi an und kündete vom 84:60-Sieg. Kukiqi: „Ich lag erst völlig schlapp im Bett und hing plötzlich fast an der Decke vor Freude…“

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Damit hatte wirklich kaum jemand rechnen können. Ohne Coach, ohne Bekteshi (Rückenprobleme), ohne Constantin Munz (Muskelfaserriss), ohne Marsel Sibinovic (Urlaub) und ohne Simon Zimmermann (Fußprobleme) fehlten vier der ersten sechs. Und dann nimmt diese vermeintliche Rumpftruppe den Ligafavoriten von der ersten bis zur

letzten Minute dermaßen auseinander, dass die Liga aufhorchen dürfte.

Es begann mit einem 10:0 nach vier Minuten. Jonathan Gritschke traf, dann zweimal Desmond Strickland per Dreier, anschließend Center Akant Sengül (20). Der letztjährige Tabellendritte Eriskirch fühlte sich völlig überrumpelt. Bekteshi: „Vielleicht haben die uns unterschätzt, als sie uns gesehen haben. Die sind alle groß, wir fast alle klein…“ Die Gastgeber erholten sich in den nächsten fünf Minuten, kamen auf 16:17 heran. Doch dann schnappte die Defensiv-Falle des VfL erneut zu, und auf der anderen Seite konnten die Kirchheimer nur durch Fouls gestoppt werden: Acht Freiwürfe ohne Fehlversuch führten zum 25:16.

Spielentscheidend war dann allerdings erst der nächste kleine Lauf. Nach dem 29:23 (15.) trafen Jan Reichmuth – der vom Guard bis zum Center alles spielt – und Chris Reza zwei Dreier, Sengül lochte unter dem Korb ein zum 37:23. Das veranlasste TSV-Coach Franco Spitale eine Auszeit zu verlangen. Bekteshi wies die Schiedsrichter darauf hin, dass Eriskirch bereits zwei genommen hatte: Technisches Foul gegen die TSV-Bank, 38:23 durch Strickland. Vielleicht hatte das dem Favoriten endgültig den Zahn gezogen, ein echtes Aufbäumen gab es anschließend nicht mehr. Toll war es dennoch, wie alle Kirchheimer zum souveränen Sieg beitrugen. Bekteshi: „Egal, wer reinkam, alles hat funktioniert.“ Gelegentlich spielte der VfL sogar mit fünf „Kleinen“, mit Jan Reichmuth auf der Center-Position und Marco Wanzke (beide 1,86 Meter) als Power Forward: Es funktionierte.

Klar, dass nun die Euphorie groß ist. Dennoch ist allen klar, dass noch 15 Spiele vor dem Team liegen. Jetzt geht es erst einmal darum, die Verletzten wieder aufs Feld zu bringen. Und den Gegner am kommenden Samstag, den VfL Nagold (67:87 gegen Konstanz) ernst zu nehmen.

VfL Kirchheim: Abele (4), Eberle (14), Gritschke (15/2), Parlapanis, Reichmuth (5/1), Reza (7/1), Sengül (6), Strickland (26/4), Tussetschläger (4), M.Wanzke (3)