Lokalsport

Die Kalt-Warm-Duscher

Kirchheims Basketballer bleiben in der Pro A eine unberechenbare Größe

Wechselbäder härten bekanntlich ab. Bleiben die Knights ihrer Linie treu, dann dürften Kirchheims Basketball-Fans erkältungsfrei durch den Winter kommen.

von links nach rechts Bryan Timothy Smithson (VfL Kirchheim Knights), Frenkie Ignjatovic (Trainer/VfL Kirchheim Knights) , Max R
von links nach rechts Bryan Timothy Smithson (VfL Kirchheim Knights), Frenkie Ignjatovic (Trainer/VfL Kirchheim Knights) , Max Rockmann (VfL Kirchheim Knights), EmotionenMLP Academics Heidelberg vs. VfL Kirchheim Knights, Basketball, 2. Basketball Bundesliga/Pro A, 12.01.2014 Foto: Eibner

Kirchheim. Ob es in Kirchheim Menschen gibt, die mit Basketball-Wetten den großen Reibach machen? Könnte sein. Schließlich lässt sich heutzutage so ziemlich auf alles setzen, was mindestens zwei Beine hat und mit anderen im Wettstreit steht. An der Zocker-Börse jedenfalls ließe sich mit den Knights in dieser Saison prächtig Quote machen. Vorausgesetzt der Mut reicht aus, den gesunden Menschenverstand für einen Moment in den Schlafmodus zu dimmen. Die Kirchheimer, schon zum Hinrundenschluss inoffizieller Herbstmeister in der Kategorie „Wer hätte das gedacht?“, machen im neuen Jahr einfach dort weiter, wo sie aufgehört haben. Ganz nach dem Motto: Gräme dich nicht, am Ende läuft sowieso alles anders.

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Den Sieg am Sonntag in Heidelberg jedenfalls hatten ungefähr so viele auf der Rechnung wie den erschreckend schwachen Heimauftritt zuvor gegen den Aufsteiger aus Leverkusen. Das Auf und Ab seit Wochen hat eine Konstante: Der Schnitt stimmt, gemessen an den eigenen Ansprüchen in dieser Saison. Das erste Etappenziel ist folglich erreicht, auch wenn Coach Frenkie Ignjatovic inzwischen nicht mehr von zehn Siegen spricht, die angeblich zum Klassenerhalt in der Pro A reichen sollen. Schließlich weiß er seit vergangener Saison: Sie reichen nicht. Dass seine Mannschaft 2014 in Sachen Nichtabstieg durch ist, bezweifelt seit Sonntagabend dennoch niemand mehr ernsthaft.

Ob das Schlimmste überstanden ist oder erst noch kommt, hängt vom Glück ab. Besser gesagt, vom Verletzungspech, das vor Weihnachten schon mal sachte an die Tür klopfte. „Wenn wir von Ausfällen verschont bleiben, das habe ich immer gesagt, sind wir ein Kandidat für die Play offs“, betont Ignjatovic. „Wenn nicht, dann spielen wir gegen den Abstieg.“ Die langwierige Fußverletzung von Spielmacher Bryan Smithson und die übliche Erkältungswelle vor dem Jahreswechsel haben gezeigt: Der Kirchheimer Kader ist dünn. Die Finanzdecke leider auch. Das Aufbegehren des Trainers, der nach dem Spiel gegen Leverkusen Schritte gegen den Personalnotstand forderte, blieb deshalb ohne Folgen. „Mehr ist dieses Jahr nicht drin“, zieht Sportchef Karl-Wilhelm Lenger eine klare Linie und behauptet: „Unser Kader ist so stark, dass wir unbeschadet durch die Saison kommen werden.“

Unerwartete Siege wie der gegen Heidelberg sind daher besonders wertvoll, auch wenn von spielerischem Glanz gegen dezimierte Uni-Städter wenig zu sehen war. Die mussten mit Nico Adamczak schließlich auf einen ihrer Besten verzichten. Immerhin: Es reichte, um den nach zwei Niederlagen verunsicherten Favoriten zu ungewohnt zahlreichen Fehlern zu zwingen. Trotz schlechterer Wurfquote und verlorenem Rebound-Vergleich hat es am Ende gereicht, weil sich die Heidelberger mit 15 Turnovers fast doppelt so viele Ballverluste leisteten wie die Gäste aus Kirchheim. „Wir haben vorne und hinten solide gestanden und waren diesmal als Team einfach besser“, sagt Sebastian Adeberg, der sich nicht nur wegen seines vorentscheidenden Korblegers in der Schlussminute als Matchwinner feiern lassen durfte. Dem erfahrenen Forward, der zuletzt mit Grippesymptomen schwächelte, merkte man den Extra-Schuss Motivation gegen seinen Heimatverein an. „Klar ist man besonders heiß, wenn alte Freunde und die Familie auf der Tribüne sitzen“, gesteht er. Dass nach einer 17-Punkte-Führung der alte Schlendrian zurück kehrte, konnte aber auch er nicht verhindern.

Alles erklärbar, meint sein Coach, der nach dem Leverkusen-Spiel alle Vorwürfe konterte, wonach die Mannschaft vor allem gegen schwächere Gegner die nötige Einstellung vermissen lasse. „Wenn dir im Training ständig drei oder vier Leute fehlen, stärkt das nicht das Selbstvertrauen im Spiel“, meint Ignjatovic und stellt fest: „Unser alter Rhythmus kehrt langsam zurück.“ Die wichtigste Frage vor dem Schlagerspiel am Freitag gegen Crailsheim wird sein: Wann ist Bryan Smithson wieder ganz der Alte? Im Spiel gegen Leverkusen noch fitgespritzt, merkte man dem Spielmacher sein Handicap deutlich an. Die Folge: Gegen Bayer-Guard Tony Watson, der vier seiner fünf Dreier völlig unbedrängt versenken durfte und damit den Kirchheimer Untergang einläutete, war Smithson einige Male nicht auf dem Posten. Was Ähnliches am Freitag gegen Crailsheims Shooting Star Carlos Medlock bedeuten könnte, der beim furiosen Sieg am Samstag gegen Jena 39 Punkte erzielte, mag man sich in Kirchheim lieber nicht ausmalen. Beide sind Linkshänder, beide sind ähnliche Spielertypen und beide können ein Spiel entscheiden, wenn man ihnen Platz lässt. Zu Smithson gibt es dennoch kaum Alternativen. Der 28-Jährige ist auch unter Schmerzen einer der defensivstärksten Spieler im Kirchheimer Team.

Zugegeben: Für einen Sieg gegen Crailsheim standen die Chancen selten schlechter. Die Mannschaft der Stunde in der Pro A ist klarer Favorit. Einen würdigeren Anlass für ein kleines Jubiläum könnte es aus Kirchheimer Sicht trotzdem kaum geben. Für Frenkie Ignjatovic wäre es der 100. Pflichtspielsieg in seinen sechs Jahren als Kirchheimer Trainer.