Lokalsport

„Egal, wer gewinnt, wir können eine große Party feiern“

Das TV-bekannte Ehepaar Mermi-Schmelz aus Kirchheim sitzt heute beim Spiel der Deutschen im Stadion

Während ganz Fußball-Deutschland dem heutigen Auftaktmatch von Jogis Jungs gegen Portugal entgegenfiebert, sind zwei Ex-Kirchheimer live im Stadion in Salvador dabei. ­Thommy Schmelz (43) und Kathrin Schmelz-Mermi (46), die seit knapp sieben Jahren in Brasilien zu Hause sind, erleben die WM hautnah mit.

Daumen hoch: Kathrin Mermi-Schmelz und Ehemann Thommy freuen sich über Tickets für das WM-Spiel Deutschland gegen Portugal
Daumen hoch: Kathrin Mermi-Schmelz und Ehemann Thommy freuen sich über Tickets für das WM-Spiel Deutschland gegen Portugal

Canavieiras. Wer sie bei der heutigen Liveübertragung des DFB-Auftaktmatches gegen Ronaldo & Co. nicht zufällig unter den Zuschauern erspäht, muss einfach morgen Abend noch mal den Fernseher einschalten. Ab 20.15 Uhr sind Thommy Schmelz und Kathrin Schmelz-Mermi in einem Brasilien-Special der Vox-Dokusoap „Goodbye Deutschland“ zu sehen. Just diese Sendung hat dem Ehepaar aus dem Schwabenland auch zu nationaler Bekanntheit verholfen, seit sie gemeinsam mit Kathrin Schmelz-Mermis Tochter Jessi Kirchheim 2007 den Rücken kehrten und in Cana­vieiras an der brasilianischen Atlantikküste, rund 1 300 Kilometer nordöstlich von Rio, ihre Zelte aufschlugen. Zuvor haben die beiden gemeinsam neun Jahre lang die „Brücke“ in der Vorderen Straße in Jesingen betrieben, die Thommy Schmelz 1996 übernommen hatte.

Anzeige

Rund 10 000 Kilometer fern der Heimat haben sich die beiden eine neue Existenz aufgebaut, die eigene Strandbar mit angeschlossenem Restaurant und Gäste-Suite mit Meerblick locken nicht nur Einheimische, sondern auch Feriengäste aus der ganzen Welt an. Gerade jetzt, während der WM, ist der „Canavieiras Praia Club“ rappelvoll, wenn jedes Spiel am Fernseher verfolgt wird. „Jeder ist im WM-Fieber, alle Brasilianer wünschen sich den Titel“, weiß Kathrin Mermi-Schmelz um die Begeisterung rund um die Seleção. Nicht nur, dass einige Geschäfte während der Brasilien-Spiele geschlossen haben, auch die Schulferien wurden extra der WM angepasst und von zwei auf vier Wochen verlängert. „Den Stoff müssen die Schüler dann in zusätzlichen Stunden nach der WM nacharbeiten“, so Schmelz-Mermi, deren Tochter davon jedoch nicht mehr lange betroffen ist: Die 19-jährige Jessi macht heuer ihren Abschluss.

Ihr ganz persönliches WM-Highlight erlebt das Paar, wenn es heute ins 300 Kilometer entfernte Salvador zum ersten Spiel der Deutschen gegen Portugal geht. Die Tickets kamen Anfang vergangener Woche per Post. „Jetzt müssen wir noch rechtzeitig ankommen“, lacht die 46-Jährige vor der Abreise. Das öffentliche Training der DFB-Elf am Montag vergangener Woche hatten die beiden noch schweren Herzens verpasst. „Da das Quartier der Deutschen nur 70 Kilometer von uns weg ist, war klar, dass wir da hin müssen“, erzählt die gebürtige Wolfsburgerin.

Per Boot und Taxi machten sie sich mit einigen Gästen ihrer Anlage auf den Weg nach Santo Andre, wo sie zu ihrem Entsetzen jedoch nur noch die Abfahrt der DFB-Kicker erlebten. „Die hatten das Training vorverlegt, schade. Aber ein schöner Ausflug war‘s trotzdem“, nimmt‘s Kathrin Mermi-Schmelz nicht ganz so gelassen wie ihr Mann Tommy. „Ich wollte doch schon immer einen Elfer gegen Manuel Neuer schießen“, schmunzelt der 43-Jährige, der in seiner Jugend in Frickenhausen kickte, wo seine Mama heute noch lebt.

Dass viele ihrer neuen Landsleute der WM alles andere als gelassen gegenüberstehen, können die beiden Auswanderer verstehen. „Die Unzufriedenheit ist entstanden durch das Unverständnis, dass Millionen für die WM ausgegeben worden sind, aber wichtige Dinge wie Gesundheitswesen und Bildung auf der Strecke bleiben“, weiß Kathrin Mermi-Schmelz, die gleichzeitig überzeugt ist, dass die „Fußballverrücktheit der Brasilianer siegen wird und wir eine unvergessliche WM feiern werden.“

Und wer gewinnt die am Ende? „In unserer Brust schlagen zwei Fußballherzen“, lacht sie, „wir hoffen auf das Traumfinale Brasilien gegen Deutschland und egal, wer dann gewinnt, wir können so oder so eine große WM-Party feiern.“

Zum letzten Mal in Deutschland war die Familie Mermi-Schmelz vor drei Jahren, als sie im Rahmen eines „Goodbye Deutschland“-Specials mit den Betreibern der „Traube“ in Wendlingen das Restaurant tauschten. Obwohl sie in regelmäßigem Kontakt mit Freunden und Familie in der Teckregion stehen, werden sie in absehbarer Zeit nicht ins Ländle zurückkehren. Umgekehrt freuen sich die Auswanderer über jeden Besuch. Kontakt und Infos unter www.mermi-schmelz.com; www.novavida-turismo.com, info@novavida-turismo.com.