Lokalsport

Frühe Entscheidung in der T-Frage

Ende Januar soll feststehen, ob Frenkie Ignjatovic Basketballtrainer in Kirchheim bleibt

Drei Siege innerhalb von acht Tagen, Tabellenplatz drei vor Weihnachten, ein Kollektiv, das funktioniert. Frohes neues Jahr ist für Kirchheims Basketballer diesmal mehr als nur ein frommer Wunsch. Zum wahren Glück fehlt nur noch eine Unterschrift des Trainers.

Frühe Entscheidung in der T-Frage

Kirchheim. Ohne Basketball läuft bei Frenkie Ignjatovic selbst an den Weihnachtstagen nichts. Heilig­abend griff er mal wieder selbst zum Ball. Ein Spielchen am Nachmittag mit alten Freunden, Fachsimpeln hinterher beim Bier, so will es die Tradition in seinem Heimatclub, der BG Ober-Ramstadt. Danach endlich Zeit für die Familie und fürs eigene Geschäft, das ausnahmsweise nichts mit Basketball zu tun hat. Kirchheims Headcoach verdient sein Geld – wenn man so will – auf der Straße: Als Fuhrunternehmer im Hauptberuf ebenso wie als Berufspendler in Sachen Basketball.

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Zwischen Steuerberaterterminen und Familienprogramm wird er in diesen Tagen auch den einen oder anderen Gedanken an seine Zukunft verschwenden. Ende Januar hat er sich persönlich als Frist gesetzt. Bis dahin soll Klarheit herrschen, ob Kirchheims Trainer auch in der neuen Saison Ignjatovic heißt. Ungewohnt früh für eine solche Entscheidung und dennoch erscheint sie logisch, denn Team und Trainer haben früher als sonst für klare Verhältnisse gesorgt. Die Knights sind dritte Kraft in der Pro A hinter den beiden Topclubs aus München und Würzburg. Mit einer stabilen Mannschaft, die genügend Qualität hat, damit Platz drei auch am Saisonende niemand mehr als Sensation verkaufen müsste. Nach bereits neun Siegen sind die Kirchheimer kurz vor der Halbzeit nur noch einen Platz vom erklärten Saisonziel entfernt. Mehr Erfolg war nie in Kirchheim.

Grund genug auch für die Clubführung, die Pokerkarten stecken zu lassen. In der Gesellschafterversammlung ist man sich längst einig, dass man den Trainer halten will. Mehr noch: „Wir würden ihm gerne einen Zweijahresvertrag vorlegen“, sagt Stefan Schmauder. Im Frühjahr steht den Knights wohl eine Zäsur ins Haus. Da soll möglichst wenig dem Zufall überlassen bleiben. Vier der ersten Fünf auf dem Feld stehen längst ihm dritten Lebensjahrzehnt. Schlüsselspieler wie Cedric Brooks oder Ryan DeMichael haben in den vergangenen Monaten zudem alles getan, um auch bei anderen Clubs Begehrlichkeiten zu wecken. Vor allem DeMichael hat dafür gesorgt, dass seine Aktien sich derzeit auf Rekordhoch bewegen: Nach einer Wahnsinnssaison bisher erwartet der Noch-Amerikaner in Kürze seinen deutschen Pass. Klar, dass dies den Marktwert weiter steigert.

Der Basketball-Sommer 2011 könnte also ein heißer werden. ­Ignjatovic selbst spielt mit offenen Karten. Dass er sich in Kirchheim wohlfühlt, hat er stets beteuert. Dass ihn ein möglicher Neuanfang reizen würde, ebenso. Die Mannschaft trägt seine Handschrift, was läge da näher, als den behutsamen Umbau in seine Hände zu legen? Wären da nicht die 200 Kilometer, die auch im neuen Jahr zwischen Ober-Ramstadt und der Teckstadt liegen. Alle Versuche, ihn zu einem Umzug zu bewegen, sind bisher gescheitert. Im Städtchen bei Darmstadt hat der gebürtige Serbe seinen Lebensmittelpunkt. Sein zweites berufliches Standbein und einen elfjährigen Sohn, der dort zur Schule geht. Kein Geheimnis ist auch, dass ihn die Hessen gerne langfristig als Landestrainer verpflichten würden.

Der Januar wird also spannend. Bereits am Donnerstag dieser Woche beginnt nach zehntägiger Spielpause das Training. Eine Pause, die nötig war, um zahlreiche Blessuren zu kurieren, irgendwie aber doch zum falschen Zeitpunkt kam. Erst der Dusel-Sieg gegen Freiburg, dann die Befreiung gegen Heidelberg und zuletzt gegen Jena das vielleicht beste Saisonspiel überhaupt. Jetzt, da es läuft, wäre er gerne im Spielfluss geblieben, gesteht Frenkie Ignjatovic ein. Er weiß aber auch: „Einige Spieler kamen vor Weihnachten auf dem Zahnfleisch daher.“ Am 3. Januar geht‘s weiter, mit einem Testspiel gegen Ehingen, dem aktuellen Tabellenführer der Südgruppe in der Pro B. Schon einen Tag später lockt der FC Bayern als Gegner. Ob man der Einladung des Tabellenführers folgt oder schon früh den Fokus auf den nächsten Ligakampf am 8. Januar in Hannover richtet, ist die erste, aber längst nicht wichtigste Entscheidung, die Kirchheims Coach im Januar zu treffen hat.