Lokalsport

„Größter VfL-Erfolg aller Zeiten“

Tischtennis-Chef Axel Schorradt über die Oberliga-Rückkehr

Aufstieg in die baden-württembergische Oberliga: Die kleine VfL-Tischtennisabteilung feiert einen großen Erfolg. Abteilungsleiter Axel Schorradt nimmt Stellung.

Axel Schorradt
Axel Schorradt

Gratulation zu Meisterschaft und Aufstieg. Hat euer Rivale TG Donzdorf schon gratuliert?

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Schorradt: Bisher nicht. Das war aber auch nicht zu erwarten.

Steigbügelhalter zum VfL-Triumph war das Donzdorfer Nur-Unentschieden in Altshausen. Wie überraschend war dieser Punktverlust?

Schorradt: Er kam sehr überraschend. Vor dem Spieltag hatte ich den Titel gedanklich schon abgeschrieben, weil Mannschaften wie die TTF Altshausen, für die es um nichts mehr geht, zum Saisonschluss üblicherweise auf ihre Spitzenspieler aus Kostengründen verzichten. Doch Altshausen hat seine Stars Petr Ocko und Frantisek Blanar spielen lassen. Das ist dem Verein hoch anzurechnen.

Das heißt, dass der VfL ein Dankschreiben nach Altshausen versenden muss?

Schorradt: Nein, aber die TTF-Spieler Karl Dachs und Wolfgang Jagst bekommen demnächst einen warmen Händedruck (lacht). Beides sind alte Seniorenkumpels von mir, die ich von vielen Turnieren gut kenne.

Wann gibt‘s die Aufstiegsfeier?

Schorradt: Irgendwann im Sommer werden wir ein Grillfest veranstalten. Allerdings im kleinen Kreis, privat und mit den Familien. Der genaue Termin steht noch nicht.

Abteilungshistorisch betrachtet: Wie hoch schätzen Sie den Oberliga-Aufstieg 2016 ein?

Schorradt: Das ist der größte VfL-Erfolg aller Zeiten. Um das Jahr 2000 ist die erste Mannschaft zwar schon einmal in die Oberliga aufgestiegen, aber das war mit zwei eingekauften Spielern. Momcilo Bojic war einer davon, der Chinese Zhu Xiaoyong (heutiger Assistent von DTTB-Bundestrainer Jörg Roßkopf/Anm. d. Red.) der andere. Die damalige Mannschaft hat richtig Geld gekostet. Heutzutage spielen reine Amateure im Team, der Großteil sind Eigengewächse, und außer Fahrtkosten bezahlt die Abteilung nichts. Das macht den aktuellen Aufstieg wertvoller.

Kommende Oberliga-Gegner sind vermutlich TTC Singen/Hohentwiel, TTC Gnadental, Ex-Bundesligist SV Plüderhausen, SV Weil am Rhein, TB Untertürkheim und eventuell TSV Wendlingen, der in der Regionalliga Südwest in die Abstiegs-Relegation muss. Wie weit liegen Oberliga und Verbandsliga leistungsmäßig auseinander?

Schorradt: Die beiden Spielklassen liegen gewaltig auseinander. Man kann es so sagen: Die Nummer 1 und 2 einer Verbandsliga-Mannschaft haben in etwa die Leistungsstärke, die die Nummer 3 und 4 eines Oberliga-Teams hat. Ohne einen starken Spitzenspieler von außen hat ein Oberliga-Aufsteiger praktisch keine Chance auf den Klassenerhalt.

Das heißt, auch der VfL muss sich verstärken, will er nicht zum Kanonenfutter verkommen.

Schorradt: Wir überlegen derzeit in viele Richtungen. Allerdings ist ein Spieler-Modell, bei dem ein Ausländer für 10 000 bis 15 000 Euro Saisongage ausschließlich zu den Spielen anreist und am nächsten Tag zurück in die Heimat fährt, für uns nicht denkbar. Wir bevorzugen andere Lösungen. Wie die Finanzierung eines starken Neuzugangs aussehen kann, müssen wir mit unseren Sponsoren abklären.

Noch unklar ist auch, ob Spieler Michael Klyeisen demnächst ein Auslandspraktikum antritt und damit in der Hinrunde ausfällt und ob Trainer Matthias Landfried weitermacht.

Schorradt: Bei Michael ist noch keine Entscheidung gefallen. Ebenso steht noch das Gespräch mit dem Trainer aus.