Lokalsport

Imrich

Die Mehrheit der VfL-Mitglieder wähnt sie hinter sich, Kritik an der Informationspolitik weist sie zurück und ihre persönliche Zukunft macht sie nicht vom Ausgang der Abstimmung abhängig: Die VfL-Vorsitzende Doris Imrich bezieht Stellung vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung, bei der am Freitag über das Sportvereinszentrum entschieden wird.

Schon nervös wegen Freitag, Frau Imrich?
Nervös nicht direkt, man hat eher ein prickelndes Gefühl, weil man nicht weiß, wie die Abstimmung ausgehen wird.

Zur Abstimmung steht der Baubeschluss für das Sportvereinszentrum. Was bedeutet das im Detail?
Die Mitglieder müssen abstimmen, ob die Finanzierung passt, ob sie damit einverstanden sind, dass die Stadt mit einer Bürgschaft einsteigt und ob der Verein der Stadt das Erbbaurecht für den Grund und Boden, auf dem das Sportvereinszentrum entstehen soll, zurückgibt. Kniffligstes Thema ist sicherlich die Bürgschaft der Stadt, die nicht so hoch angesiedelt werden darf, dass die Stadt in Schwulitäten kommt.

Was passiert, wenn die Mitglieder sich gegen den Baubeschluss aussprechen. Haben Sie für den Fall einen Plan B in der Schublade?
Ehrlich gesagt, nein. In dem Fall würde alles beim Alten bleiben und wir machen weiter wie bisher. Ich werde allerdings jede Entscheidung akzeptieren, schließlich leben wir in einer Demokratie.

Machen Sie Ihre persönliche Zukunft beim VfL vom Ausgang der Abstimmung abhängig?
Nein. Allerdings würde ich das Thema Sportvereinszentrum in dem Fall kein zweites Mal forcieren, dafür hat das alles bisher zu viel Kraft gekostet. Aber das Ganze hängt auch nicht von meiner Person ab. Ich brauche das Sportvereinszentrum nicht für mich, ich brauch es für den Verein.

Herrscht bei dem Thema Ihrer Meinung nach vereinsintern Einigkeit oder ist der VfL gespalten?
Die Mehrheit unterstützt die Planungen für das Sportvereinszentrum, übrigens auch die Oberbürgermeisterin. Jeder im Verein weiß mittlerweile, dass wir etwas tun müssen, um in Zukunft als Verein zu überleben. Wir wissen aber auch, dass unsere Bedingungen dafür schlecht sind. Das Vereinsgebäude an der Jesinger Allee ist in einem schlechten Zustand und nicht zukunftsfähig. Jeder Cent, den man für eine Renovierung ausgeben würde, wäre verschwendet und nicht amortisierbar.

Dennoch wird im Zusammenhang mit der morgigen Versammlung Kritik an der Informationspolitik des Vereins laut. Haben Sie die Mitglieder über die Thematik ausreichend auf dem Laufenden gehalten?
Wir haben die Abteilungsleiter gebrieft, damit die die Informationen an ihre jeweiligen Mitglieder weitergeben, dazu stehen Planungsentwurf und Wirtschaftlichkeitsrechnung seit Längerem auf der VfL-Homepage. Außerdem steht meine Tür seit Beginn der Sportentwicklungsplanung immer für jeden offen, der Fragen hat. Wir hatten kurz überlegt, Info-Prospekte zu drucken, aber dafür fehlte einfach das Budget.

Offene Opposition droht morgen von den Sportkeglern, die sich als Opfer eines Sportvereinszentrums sehen. Zu Recht?
Die Vorgabe in den Planungen des WLSB ist klar: Sportkegeln macht in einem Sportvereinszentrum keinen Sinn, weil die Kosten für bewirtete Kegelbahnen nicht wieder reinzuholen sind, da es eine auslaufende Sportart ist. Es tut mir sehr leid für die Kegelabteilung, aber andere mussten schon auf ganz andere Sachen verzichten. Die Schwimmabteilung zum Beispiel auf das Hallenbad oder die Fußballer auf die Oberligamannschaft. Den Vorwurf, wir als Verein hätten uns nicht um einen neuen Pächter für die Kegelanlagen bemüht, stimmt übrigens nicht. Wir haben versucht, über Anzeigen Interessenten zu finden, aber erfolglos.

Kritiker bemängeln außerdem, dass in Sachen Wirtschaftlichkeitsrechnung keine unabhängigen Studien angestellt worden seien. . .
Die Firma, die für uns die Berechnungen vorgenommen hat, arbeitet eng mit dem WLSB zusammen und hat schon sehr viele vergleichbare Projekte begleitet, verfügt also über hohe Erfahrungswerte, denen wir vertrauen. Die Kosten dafür hat übrigens nicht der Verein, sondern der WLSB übernommen. Eine Unternehmensberatung in der Größenordnung kostet schnell mal einen fünfstelligen Betrag, da hätten wir uns weitere Studien gar nicht leis­ten können.

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