Lokalsport

Länderspiele sammeln für einen Profivertrag

Soeben kehrte Junioren-Nationalspieler Sven Mende von der U 17-Weltmeister aus Mexiko zurück

U 17-Junioren Team Nationalspieler Sven Mende Trikotnummer: 16Geboren am: 18.01.1994 Verein: VfB Stuttgart Position: Mittelfeld
U 17-Junioren Team Nationalspieler Sven Mende Trikotnummer: 16Geboren am: 18.01.1994 Verein: VfB Stuttgart Position: Mittelfeld Erstes Länderspiel: 04.09.2010 in Stadthagen gegen Aserbaidschan, Dritter Platz bei U17 WM in Mexiko, zu hause im Garten

Er gilt als eines der größten deutschen Fußball-Talente des Jahrgangs 1994. Soeben ist der Jebenhausener Sven Mende von der U 17-Weltmeisterschaft und einem eineinhalbwöchigen Mexiko-Urlaub zurückgekehrt.

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Thomas Pfeiffer

Göppingen. Es war stressig und zuweilen nervig: Über drei Stunden wartete Sven Mende am Flughafen von Mexiko City auf den Anschlussflieger. Gesamte Rückflugzeit 14 Stunden – es gibt Angenehmeres. Als er am Abend daheim in Jebenhausen ankam, war er müde und gereizt. Anderntags ging die Belas­tung weiter: morgens Schule, nachmittags Treff mit einem Journalisten. Zum Essen kam er kaum.

Sven Mende, 20-facher Juniorennationalspieler, U 17-Vizeeuropameister und frischgebackener WM-Dritter in Mexiko, ist in diesen Tagen viel beschäftigt. Andrerseits: Er will es so. Sein Ziel ist es, an der Cotta-Schule in Stuttgart in zwei Jahren das Fachabitur hinzulegen – und Fußball-Profi werden, „möglichst bei einem Bundesligisten“. Einen Spielerberater hat er mit Ex-Nationalspieler Karlheinz Förster bereits gefunden.

Jener kickte in den Siebziger- und Achtigerjahren neun Jahre lang für den VfB Stuttgart als Manndecker – genauso viele VfB-Jahre hat inzwischen auch der 17-jährige Sven Mende auf dem Buckel. Mit sechs hatten ihn die Wasen-Späher bei den Bambini-Kickern des TV Jebenhausen einst entdeckt und in die F 1-Jugend gesteckt, danach durchlief das Jungtalent sämtliche VfB-Nachwuchsmannschaften, war zwischendurch nur eine Saison weg (als E-Junior beim SC Geislingen). Am 14. August startet die A-Junioren-Bundesliga in ihre neue Saison, und Mende, vor Kurzem in den VfB-U 19-Kader aufgerückt, wird mit seiner Mannschaft ambitioniert an den Start gehen. „Ich will einen Stammplatz und möglichst mit dem VfB Südmeister werden“, umreißt er seine Ziele. Der zentrale Mittelfeldmann mit Offensivdrang („in der Defensive habe ich meine Stärken“) zählt zum jüngeren Jahrgang, will aber unbedingt den Durchbruch schaffen. Und ins Rampenlicht des Profigeschäfts.

So wie im vergangenen Jahr. Da klopfte nämlich der FC Bayern bei ihm an. Doch Mende gab dem bajuwarischen Liebeswerben nicht nach: Jebenhausen, VfB und Cotta-Schule stehen ihm nun mal näher als das 190 Kilometer entfernte München, wo seine Schwester Mareika Mende (26) bis vor zwei Jahren spielte und den Sprung in die Nationalmannschaft schaffte, bis sie sich wegen einer hartnäckigen Sprunggelenksverletzung vom Leistungssport verabschieden musste.

Vier Wochen war Sven Mende zuletzt in Mexiko. Welche persönlichen Eindrücke er von der U 17-Weltmeisterschaft mit nach Hause brachte? „Diese WM hat mich sportlich und menschlich weitergebracht. Platz drei nach dem 4:3-Sieg über Brasilien war ein überragender Erfolg“, sagt Mende, „zudem war dies das beste Spiel unserer Mannschaft“. Er selbst hatte gegen die spielstarken Südamerikaner freilich nicht auflaufen dürfen: DFB-Trainer Steffen Freund schickte die alternative Formation mit Mendes Positions-Rivalen Robin Yalcin auf den Rasen. Eine Enttäuschung für den Jebenhausener, der während des Turnieres ohnehin viel Pech hatte: Im zweiten Vorrundenspiel gegen Panama (2:0) gehörte er zur Startformation – und musste mit einem geschwollenen Fuß in der 84. Spielminute ausgewechselt werden. Diese Mittelfußprellung, die Schmerzen verursachte, und Montezumas Rache warfen Mende während des Turniers zurück – seine Nationalmannschaftseinsätze im weiteren Turnierverlauf beschränkten sich meist auf Einwechslungen. Trotzdem lässt der 17-Jährige auf den DFB-Trainer, der sein Vater sein könnte, nichts kommen: „Steffen Freund versteht sich sehr gut mit uns jungen Spielern. Mir hat er gesagt, dass ich der Spieler mit der besten fußballerischen Entwicklung in den letzten Monaten gewesen sei.“ So was baut auf.

Mexiko, das hieß für das VfB-Talent im DFB-Dress nicht nur Trainieren und Kicken unter erschwerten Bedingungen („die Höhenluft machte uns ebenso zu schaffen wie die Temperaturen bis zu 40 Grad“), sondern es hieß auch Leben gewissermaßen im Hochsicherheitstrakt: Ausgang hatte die U 17-Nationalmannschaft in den vom DFB für die verschiedenen Spielrunden angemieteten Hotels immer nur dann, wenn offizielle Leibwächter um den Weg waren. „Nicht mal auf den Hotelparkplatz konnten wir ohne Securitykräfte gehen“, sagt Mende. Aus Furcht vor Überfällen oder allzu aufdringlichen Fans setzten die Mexikaner auf die Deutschen auch noch Uniformierte an – zu Spielen oder PR-Terminen begleitete den DFB-Mannschaftsbus stets eine Polizeieskorte.

Unterm Strich möchte Sven Mende das Erlebnis Mexiko jedoch nicht missen: Nach der Europameisterschaft in Serbien, wo „sein“ U 17-Team nach einer 2:5-Niederlage gegen Holland im Mai die Silbermedaille gewann, erlebte er mit der WM 2011 binnen eines Vierteljahres schon das zweite aufregende Groß­event. Auch wenn‘s zum heimlich anvisierten WM-(Überrraschungs-)Gold nicht reichte, war der Jungnationalspieler aus Jebenhausen während seines Übersee-Aufenthalts nie frustriert. Der Grund dafür hieß Paloma, die Mexikanerin und seine Freundin seit der Deutschland-Zeit als Austauschschülerin ist. „Ich habe sie in Mexiko wieder getroffen und noch anderthalb Wochen Urlaub im Hause ihrer Eltern gemacht“, sagt Sven Mende. So kam er als einziger DFB-Akteur an einem Mittwoch verspätet zurück aus Mexiko – und musste am Donnerstagmorgen schon wieder zur Schule.