Lokalsport

Lockerheit ist Trumpf

Alex Schaf winkt bei Hallen-DM der erste große Titel

„Alles, was jetzt noch kommt, ist eine Zugabe“ – der aktuell schnellste deutsche Hallensprinter Alex Schaf kann seine Topform bei der Hallen-DM in Leipzig am Samstag vergolden. Dem Kirchheimer Sprinter im Dress des VfB Stuttgart winkt über 60 Meter der erste große Titel seiner Karriere.

Ab durch die Mitte: Alex Schaf ist einer der Topfavoriten auf DM-Gold über 60 Meter. Foto: Ralf Görlitz
Ab durch die Mitte: Alex Schaf ist einer der Topfavoriten auf DM-Gold über 60 Meter. Foto: Ralf Görlitz

Kirchheim. Einen Tag Urlaub hat er für kommenden Montag bereits eingereicht. Nicht etwa, weil Alex Schaf so vermessen wäre, an DM-Gold und eine durchfeierte Nacht zu glauben. Der 26-jährige Sprinter will nach dem Höhepunkt der Hallensaison in Leipzig einfach mal einen Tag abschalten. Zumal es am Sonntag erst gegen Abend mit dem Auto wieder auf die knapp 500 Kilometer lange Heimfahrt nach Kirchheim geht – Schaf will nach seinem Rennen am Samstag noch seine VfB-Trainingskollegen Raphael Müller und Dennis Schwarze anfeuern, die erst am zweiten DM-Tag über 200 und 400 Meter ran müssen und wie er im Auto von Trainer Micky Corucle den Leipzig-Trip antreten. „Bis wir da zu Hause sind, ist es bestimmt schon Mitternacht“, glaubt Schaf, „da will ich am nächsten Tag nicht unbedingt um fünf aufstehen.“

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In aller Herrgottsfrühe auf der Matte zu stehen, ist Schaf gewohnt. Als Berufssoldat schiebt er täglich Dienst in der Kaserne Bad Cannstatt, trainiert wird in der Mittagspause und nach Feierabend. Unter diesen Voraussetzungen mal eben die schnellste 60-Meter-Zeit der Hallensaison hinzulegen und die WM-Norm zu knacken, ist mehr als nur bemerkenswert. Seine 6,59 Sekunden von Sindelfingen vor zwei Wochen haben auch den DLV wieder auf Schaf aufmerksam gemacht. Der gebürtige Ukrainer ist ohne Unterstützung von Verbandsseite auf dem besten Weg zurück in den Bundeskader und die Fördergruppe der Bundeswehr, in der er sich wieder ausschließlich auf seinen Sport konzentrieren könnte.

Auch wenn Verband und Verteidigungsministerium darüber erst Ende des Jahres entscheiden wollen, wäre der Titel bei der Hallen-DM neben großer Genugtuung ein schlagendes Argument zu Schafs Gunsten, zumal er dann auch definitiv bei der WM im polnischen Sopot übernächste Woche dabei und heißer Anwärter auf Nationalmannschaftseinsätze in der Freiluftsaison wäre.

Ob das alles so kommt, wird am Samstag (Finale um 19 Uhr) in weniger als sieben Sekunden entschieden. Entsprechend realistisch geht Schaf die Sache auch an. „Ein kleiner Fehler kann über 60 Meter schon alles entscheiden“, sagt er, der betont locker nach Leipzig fährt. „Ich habe mein Ziel erreicht, verletzungsfrei zu bleiben. Alles, was jetzt noch kommt, ist eine Zugabe.“

Zu genau weiß Schaf, dass die Konkurrenz auf der schnellen Leipziger Bahn immer gut für einen Konter ist. Der Wattenscheider Christian Blum ist mit 6,63 Sekunden heuer bereits zwei Mal nur um eine Hundertstel an der Norm für die Hallen-WM vorbeigeschrammt. Daneben zählt auch Blums Vereinskollege Julian Reus als Hallenbester der Vorsaison (6,56) zu den Favoriten. „Darum lehne ich mich nicht aus dem Fenster und sage, dass ich gewinne“, so Schaf.

Wenn doch, wäre es neben dem ersten großen Titel seiner Karriere übrigens auch für seinen Verein ein schon beinahe historischer Triumph: Seit Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum vor 13 Jahren hat kein VfB-Athlet mehr einen Titel bei Hallenmeisterschaften geholt.