Lokalsport

„Mein Schlaf ist mir heilig“

Sportler in der Region freuen sich zwar auf Olympia, klagen aber über zeitversetzte TV-Übertragung

Mit der Eröffnungsfeier heute Nacht beginnen offiziell die Olympischen Spiele in Rio. Auch Sportler in der Region fiebern dem Event entgegen.

Kirchheim. Vorfreude auf die größte Sportveranstaltung der Welt? „Auf jeden Fall“, sagt Clarissa Preuß. Die Mannschaftskapitänin der Dettinger Regionalligavolleyballerinnen sieht den Reiz von Olympia darin, dass „man Topleistungen der Athleten“ zu sehen bekommt. Die 34-Jährige fiebert vor allem den Beachvolleyballwettbewerben entgegen – auch, weil sie die deutsche Starterin Britta Büthe, die mit Karla Borger im Sand der Copacabana baggert, aus gemeinsamen Zeiten vor acht Jahren beim MTV Stuttgart kennt.

Obwohl vielseitig am olympischen Geschehen interessiert, freut sich Andreas Rieke besonders auf die Wettkämpfe der Schnellfeuerpistolenschützen. Kein Wunder: der 45-Jährige nimmt in dieser Disziplin selbst seit Jahren erfolgreich für den TSV Ötlingen Maß, ist darüber hinaus aber auch als Wasserballer beim VfL Kirchheim und ambitionierter Mountainbiker unterwegs. „Momentan mache ich eine 16-tägige Alpenquerung mit dem Ziel Monaco. Darum werde ich mir auch die Eröffnungsfeier nicht anschauen. Ansonsten nehme ich mir alles auf, das mich interessiert.“

Die zeitversetzte TV-Übertragung zu nachtschlafender Stunde macht auch Simon Paul einen Strich durchs Olympiainteresse. „Vor vier Jahren war ich noch Student, da konnte ich alles anschauen“, sagt der Drittligaturner des VfL Kirchheim, „aber jetzt um zwei Uhr nachts aufstehen, um Olympia zu gucken, ist wegen des Jobs nicht drin.“ Der 26-Jährige, als Assistenzarzt am Kirchheimer Krankenhaus in der Chirurgie beschäftigt, rechnet ohnehin nicht damit, dass die deutschen Turner in Rio etwas reißen können. „Die Amerikaner und Asiaten sind einfach zu stark.“

Schwierigkeiten, die für ihn inte­ressantesten Wettbewerbe vorm Fernseher zu verfolgen, wird auch Frank Kiedaisch haben. „Eben weil das meiste nachts übertragen wird“, klagt der Abteilungsleiter der VfL-Ringer, „aber irgendwie wird‘s schon gehen.“ Neben möglichst allen Ballsportarten will der 42-Jährige auch Tennis, Golf, Rugby, Leichtathletik und Springreiten anschauen. „Nur Synchronschwimmen muss nicht sein“, lacht er, dessen Fokus ohnehin auf den Ringerwettbewerben liegt. „Frank Stäbler aus Musberg kann um eine Medaillen mitringen“, ist er sicher.

Dass die Deutschen in „seiner“ Sportart weit kommen können, glaubt auch Timo Schafhitzel. Der langjährige VfL-Handballer traut dem amtierenden Europameister in Rio den Halbfinaleinzug zu. „Es wird aber schwer, in der K.o.-Runde ist vieles tagesformabhängig“, weiß der 34-Jährige, der sich freut, dass die olympischen Handballpartien weitestgehend nachmittags übertragen werden. „Ansonsten kann man sicher auch mal länger aufbleiben“, sagt er, der auch der Leichtathletik und dem Dressurreiten entgegenfiebert – Letzteres vor allem wegen Kommentator-Legende Carsten Sostmeier. „Der macht das klasse, das ist einfach faszinierend“, sagt Schafhitzel.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wird Aline Müske die Spiele verfolgen. Die Karatekämpferin des VfL bedauert, dass „ihre“ Disziplin erst 2020 in Tokio ins Olympiarampenlicht rückt. „Trotzdem verfolge ich das Geschehen in Rio so gut es geht. Vor allem Judo, Ringen und Fechten interessieren mich“, sagt die 27-Jährige, die auch dem Taekwondo, selbst erst seit 2000 olympisch, nicht abgeneigt ist. Nur eines wird Müske sicher nicht tun: Heute Nacht um ein  Uhr vor dem Fernseher sitzen, um die Eröffnungsfeier in Rio anzuschauen. „Ich stecke mitten in meiner Studiumabschlussarbeit. Mein Schlaf ist mir heilig“, lacht sie.

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