Lokalsport

Mission Medaille

DLV-Staffel um Tobias Unger kämpft bei EM in Helsinki um Podiumsplatz

Als Europas schnellstes Quartett zur EM nach Helsinki gereist, will die deutsche 4 x 100-Meter-Staffel den Bronzeerfolg von vor zwei Jahren in Barcelona bestätigen und wenn möglich toppen. Die genaue Besetzung für den Vorlauf (Samstag ab 10.20 Uhr) und das Finale (Sonntag um 17.25 Uhr) soll heute bekannt gegeben werden. Tobias Unger darf sich berechtigte Hoffnungen auf einen Startplatz machen.

Tobias UngerLeichtathletikWeinheimFotograf: Simon Hofmann
Tobias UngerLeichtathletikWeinheimFotograf: Simon Hofmann

Helsinki. Ronald Stein und Jogi Löw trennte dieser Tage weit weniger als die rund 1 000 Kilometer zwischen Helsinki und Warschau. Die beiden Nationaltrainer haben viel gemeinsam, machten sie doch beide bis zuletzt ein regelrechtes Staatsgeheimnis um ihre jeweilige EM-Aufstellung. Während Löw seit Beginn der Fußball-EM regelmäßig aus 23 Kickern die elf besten aussieben musste, hat es Stein verhältnismäßig leicht: Der für Deutschlands Sprinter verantwortliche Dortmunder muss aus einem fünfköpfigen Kader die seiner Meinung nach vier Schnellsten auswählen, die morgen im Vorlauf und – je nach Abschneiden – am Sonntag im Finale über 4 x 100 Meter auf Zeitenjagd gehen. Bekannt geben will er die Formation im Lauf des Freitags.

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Dass Tobias Unger Teil des Quartetts sein wird, davon ist auszugehen. Der 32-jährige Kirchheimer ist Kraft seiner Erfahrung nicht aus der deutschen Mannschaft wegzudenken, war er doch an allen Staffelerfolgen in der jüngeren Vergangenheit beteiligt: Platz sechs bei der WM 2007, Platz fünf bei Olympia 2008 und Platz drei bei der EM 2010 – Unger ist neben dem Wattenscheider Alexander Kosenkow, der bei den drei genannten Erfolgen ebenfalls dabei war und deshalb genauso gesetzt sein dürfte, die Konstante im deutschen Quartett.

Die beiden demnach noch offenen Plätze kann Ronald Stein entweder mit Martin Keller (LAZ Leipzig), Julian Reus (TV Wattenscheid) oder Lukas Jakubczyk (SSC Berlin) besetzen. An Letzterem dürfte seit seinem Titelgewinn über 100 Meter bei den deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen kein Weg vorbeiführen. Und Reus‘ Aussichten auf einen Staffelstartplatz sind nach seinem Vorstoß ins EM-Halbfinale am Mittwoch deut­lich besser als die von Keller, der diese Saison (noch) nicht über eine Zeit von 10,43 Sekunden hinausgekommen ist.

Offen ist vor dem Vorlauf, der am Samstag gegen 10.20 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt und jeweils live auf ZDF und Eurosport übertragen wird, auch noch die Reihenfolge der Läufer. Die soll nach dem Abschlusstraining am heutigen Freitag festgelegt werden. Tobias Unger war in den vergangenen Jahren stets an Position eins gelaufen, was der Durchschlagskraft der deutschen Staffel nie geschadet hat. Auch beim letzten Rennen vor der EM Ende Mai in Weinheim war der Kirchheimer als Startläufer angetreten. Unger, Martin Keller, Alexander Kosenkow und der mittlerweile verletzte Alex-Platini Menga brannten bei der Kurpfalzgala mit 38,41 Sekunden die aktuell schnellste Zeit in ganz Europa auf die Bahn – von einer Medaille zu träumen ist also durchaus erlaubt.

So sieht‘s auch der Trainer von Tobias Unger, der seinem Schützling und den DLV-Mitstreitern am Wochenende allerdings nicht vor dem Fernseher die Daumen drücken kann: Micky Corucle begleitet den VfL-Leichtathletiknachwuchs zu Wettkämpfen, ist von den Erfolgsaussichten der EM-Staffel aber überzeugt. „Ich hoffe, dass sie den deutschen Rekord angreifen können. Dann ist ein Platz auf dem Podium möglich.“

Die deutsche 4 x 100-Meter-Bestzeit, aufgestellt von einer DDR-Auswahl am 9. Juli 1982, steht bei 38,29 Sekunden. Ob diese Marke knapp 30 Jahre später fallen wird, können Fans am Sonntag auf ARD oder Eurosport verfolgen. Das Staffelfinale ist auf 17.25 Uhr angesetzt.