Lokalsport

Preuss als VfL-Boss zurückgetreten

Abteilungsleiter der Kirchheimer Fußballer zieht Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt

Offiziell will er den Weg für einen Neustart freimachen, hinter den Kulissen ist der Druck am Ende wohl zu groß geworden: Fabian Preuß ist als Abteilungsleiter der VfL-Fußballer zurückgetreten. Seinen Posten übernimmt kommisarisch die Vereinsvorsitzende Doris Imrich, die sich am Montag mit den leitenden Funktionären zusammensetzen will. Ob ein Nachfolger für Preuss mit am Tisch sitzen wird, ist ebenso unklar wie der Termin für die überfällige Mitgliederversammlung.

Der Ex-Abteilungsleiter und sein potenzieller Nachfolger: Während Fabian Preuß (links) sein Amt als oberster Funktionär der VfL-
Der Ex-Abteilungsleiter und sein potenzieller Nachfolger: Während Fabian Preuß (links) sein Amt als oberster Funktionär der VfL-Fußballer aufgegeben hat, wird der bisherige A-Jugend-Trainer Oliver Klingler (rechts) bereits als sein Erbe gehandelt. Fotos: Deniz Calagan/Genio Silviani

Kirchheim. Überraschend für die einen, überfällig für die anderen – so wie er während seiner 27-monatigen Amtszeit polarisiert hat, sorgt Fabian Preuss auch mit seinem Rücktritt als Abteilungsleiter der VfL-Fußballer für ein geteiltes Echo. Die Vereinsvorsitzende Doris Imrich, die den Posten vorerst komissarisch übernimmt, sieht‘s jedenfalls mit gemischten Gefühlen. „Wenn wir ihn vor zwei Jahren nicht gehabt hätten, würde es heute keine Fußballabteilung mehr geben. Andererseits sind Fehler passiert, aus denen er nun glaubt, die Konsequenzen ziehen zu müssen.“ Welche Fehler konkret gemacht wurden, bleibt offen. Imrich betont jedoch, dass Preuss sich stets an die Vorgaben des Vereins gehalten habe, vor allem in finanzieller Hinsicht.

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Preuss selbst erklärt seinen Rücktritt mit persönlichen Gründen. „Im letzten halben Jahr ist so viel aus dem Ruder gelaufen. Dafür kann und wollte ich keine Verantwortung mehr übernehmen.“ Die anhaltende Kritik und die von der Abteilung produzierten Negativschlagzeilen haben Kirchheims führenden Fußballfunktionär offenbar zermürbt. „Irgendwann ist man mit seiner Kraft am Ende, wenn man immer nur allein ehrenamtlich den Buhmann spielen muss.“

Dabei hatte es zuletzt einen Hoffnungsschimmer an der Jesinger Allee gegeben. Auf Initiative von A-Jugendtrainer Oliver Klingler hat sich bereits im September eine Gruppe ehemaliger VfL-Recken und Sympathisanten zusammengesetzt, um Wege aus der Krise zu diskutieren – ohne Fabian Preuß, aber mit dessen Wissen, wie Klingler betont. „Er war informiert und hat uns viel Erfolg gewünscht“, sagt der 38-Jährige, der über 20 potenzielle Helfer zusammengetrommelt haben will. Darunter, neben Vereinsurgesteinen wie Claus Maier, Uwe Köber und Andy Kleinhansel, auch Kirchheimer Geschäftsleute wie Andreas Banzhaf und Hans-Peter Birkenmaier. „Allen liegt der VfL am Herzen“, betont Klingler, der sich gemeinsam mit seinem Team und dem übrig gebliebenen Führungspersonal kommenden Montag an einen Tisch mit Doris Imrich setzen wird. „Wir wollen erörtern, was denkbar und realistisch ist“, sagt die Vereinsvorsitzende, die sich noch zurückhaltend gibt. „Reden kann man viel. Wir brauchen jetzt Leute, die anpacken“, so Imrich.

Ob und mit wie vielen Personen Oliver Klinglers Schattenkabinett tatsächlich anpacken wird, hängt auch von einem Nachfolger für Preuss ab. Nicht wenige favorisieren den umtriebigen Jugendcoach selbst, der sich jedoch noch ziert. „Ich bin U 19-Trainer, will einen guten Unterbau für den Aktivenbereich“, betont Klingler, der jedoch auch weiß, dass es ohne entsprechendes Führungspersonal im schlimmsten Fall bald keinen Unterbau mehr geben könnte.

Klarheit in allen Funktionärsfragen soll die längst überfällige Mitgliederversammlung bringen, die laut Imrich auf jeden Fall noch in diesem Jahr stattfinden wird. Das Kalkül ist klar: Bevor sich nicht entsprechendes Personal gefunden hat, will der Verein kein Risiko eingehen. Bei aller gebotenen Eile hegen die Verantwortlichen dabei den gleichen Wunsch. „Wir müssen in Ruhe die Faktenlage checken und dann entscheiden, was die Fußballabteilung leisten kann“, sagt Imrich. Und Oliver Klingler ergänzt. „Wir wollen in ruhigere Fahrwasser, unabhängig davon, wer neuer Abteilungsleiter wird.“

Kommentar: Ende mit Schrecken

Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende: Dass Fabian Preuss nach 27 Monaten als Abteilungsleiter der VfL-Fußballer zurückgetreten ist, war am Ende unausweichlich. Zu sehr haftet dem promovierten Juristen der Makel zweier Abstiege in Folge sowie der Verschleiß von fünf Trainern binnen zwei Jahren an. Ob die sportliche Talfahrt der ersten Mannschaft auch unter einem anderen Abteilungsleiter vonstatten gegangen wäre, sei dahingestellt. Fest steht, dass dem VfL seit dem Oberliga-Aus vor drei Jahren der Spagat zwischen sportlichem Anspruch und finanzieller Wirklichkeit partout nicht mehr gelingen wollte, zumal es an der Jesinger Allee seit Jahren an Manpower hinter den Kulissen fehlt. Doch zeigt das Beispiel des umtriebigen Oliver Klingler, dass es in und um Kirchheim noch sehr wohl willige Helfer gibt, denen etwas am VfL-Fußball liegt. Wie sonst ist zu erklären, dass der 38-Jährige in nur wenigen Wochen das geschafft hat, was Preuss zuvor in zwei Jahren nicht gelang: Eine Mannschaft hinter der Mannschaft auf die Beine zu stellen, die im Sinne der Sache an einem Strang ziehen will. Ob Klingler und sein Team ihren Worten nun auch Taten folgen lassen und den Karren aus dem Dreck ziehen, bleibt abzuwarten. Zumal außer Lippenbekenntnissen bislang noch niemand wirklich Farbe bekannt hat. Dies war bei aller berechtigten Kritik der größte Verdienst von Fabian Preuss. Der Mann hat in einer Zeit Verantwortung übernommen, als es sonst keiner tat. Dass er damit die Abteilung vor zwei Jahren vor der drohenden Auflösung bewahrt hat, kann jedoch nicht kaschieren, dass er den Job des Abteilungsleiters komplett unterschätzt hat. Respekt gebührt seiner Einsicht, dass mit dem Rücktritt ein Schrecken ohne Ende für den VfL vielleicht doch noch verhindert werden kann.PETER EIDEMÜLLER