Lokalsport

Überfällig

Es ist ein Thema, vor dem kein Verein die Augen verschließen sollte. Die Sportvereine haben ein Problem. Vielleicht nicht schon heute, aber irgendwann. Die Prognosen des Statistischen Bundesamtes und des DOSB für die kommenden Jahrzehnte jedenfalls sind alarmierend. Vor allem den traditionellen Ballsportarten droht auf lange Sicht ein massiver Mitgliederverlust. Die demografische Entwicklung im Land ist nur eine Ursache dafür. Ein verändertes Freizeitverhalten und die wachsende Zahl an Alternativen macht es den Vereinen zunehmend schwer, Jugendliche dauerhaft an sich zu binden. Damit einher geht der Verlust von Qualität im Spielbetrieb: Weniger Talente, weniger Mannschaften, weniger Klasse. Was den Handballsport um die Teck derzeit schwächt, ist kein akuter Infekt, es sind die ersten Symptome einer chronischen Krankheit.

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Niederklassigen Sport anzubieten, ist kein Vergehen. Trotzdem bleibt Erfolgshunger der Motor in jedem Wettkampfsport. Wer seinen wenigen Talenten keine Perspektive bieten will, riskiert viel. Er läuft Gefahr, gerade diejenigen zu verlieren, die sich mit ihrem Verein und ihrem Sport am stärksten identifizieren. Als sportliches Aushängeschild, aber auch als Jugendtrainer oder Vereinsfunktionär. Das sollten all jene bedenken, die sich aus Angst vor Traditionsverlust seit Jahren neuen Strukturen verweigern.

Der neuerliche Vorstoß, die Kräfte im Handballsport unter der Teck zu bündeln, ist nicht nur ein richtiger Schritt, sondern nach zwei Jahrzehnten ergebnisloser Diskussion auch ein längst überfälliger. Die Kritik, er komme zur Unzeit, wirkt deshalb kraftlos. Nachdem die Saison gerade erst begonnen hat und sich alle vier Teckvereine in der Bezirksliga als Gegner gegenüberstehen, mag die Diskussion über Sinn und Zweck einer künftigen Spielgemeinschaft den Burgfrieden stören. Doch wer ans Ziel kommen will, muss langfristig planen, Fristen beachten und mühsame Überzeugungsarbeit leisten. Die Spieler zu gewinnen, reicht alleine nicht aus. Ohne die führenden Köpfe in den Vereinen geht es nicht.Bernd Köble