Lokalsport

Vierteilung sorgt für Wohlwollen

VfL-Fußballer wählen Oliver Klingler, Claus Maier, Armin Meißner und Karl Magg als neue Führungsspitze

Was sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet hatte, ist seit Freitag Realität: Oliver Klingler, Claus Maier, Armin Meißner und Karl Magg sind im Rahmen der Mitgliederversammlung der VfL-Fußballer jeweils ohne Gegenstimme in ihre jeweilige Ämter gewählt worden, die sie nach eigener Aussage zu einem zusammenfassen wollen: Der Abteilungsleiterposten wird viergeteilt, was von den 54 Mitgliedern wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde.

Zustimmenden Applaus gab‘s im Rahmen der VfL-Fußballversammlung nicht nur einmal: Unter den Mitgliedern war Aufbruchsstimmung au
Zustimmenden Applaus gab‘s im Rahmen der VfL-Fußballversammlung nicht nur einmal: Unter den Mitgliedern war Aufbruchsstimmung auszumachen. Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Passender hätte der Name für die Örtlichkeit, an dem die VfL-Fußballer einen neuerlichen Neubeginn vollzogen, kaum sein können: Im „Panorama“ gaben die vier personifizierten Hoffnungsträger der Abteilung einen Ausblick auf das, was sie in Zukunft an der Jesinger Allee vorhaben. Die Botschaft von Oliver Klingler, der auf dem Papier seit Freitag offizieller Nachfolger von Fabian Preuss ist, und seinen drei Mitstreitern Claus Maier (Stellvertreter), Armin Meißner (Schriftührer) und Karl Magg (Kassier) ist dabei klar: Nur gemeinsam kann kurzfristig der Abstieg der Bezirksligamannschaft verhindert und langfristig wieder an alte Erfolge angeknüpft werden.

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Der in diesem Zusammenhang offiziell neu vorgestellte Spielertrainer redete dem Führungsquartett eindrucksvoll das Wort: Markus Schweizer, vor Jahresfrist bekanntlich mit seinem Zwillingsburger Michael vom TSV Weilheim zum VfL gewechselt, sorgte mit angekündigter „harter und ehrlicher Arbeit“ in der am heutigen Montag beginnenden Rückrundenvorbereitung für wohlwollendes Kopfnicken bei den 54 anwesenden Mitgliedern. Zumal Schweizer betonte, dass er auch im Falle eines Abstiegs in Kirchheim bleiben wolle. „Ich bin Polizist und gewohnt, Verantwortung zu übernehmen“, so der 29-Jährige.

Einer, der dies in der Vergangenheit sowohl als Spieler als auch als Funktionär zur Genüge getan hat, hielt daraufhin ein flammendes Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit: Werner Hund rechnete der Versammlung vor, dass die Halbwertzeit von Kirchheimer Trainern in den vergangenen vier Spielzeiten bei gerade mal einem halben Jahr gelegen habe. „Ich wünsche uns allen, dass sich das nun ändert, und wir den VfL wieder dahin bringen, wo er einmal war“, so Hund.

Vor, während und nach der knapp eineinhalbstündigen Versammlung herrschte allenthalben der Tenor, dass dies mit dem neuen Führungsquartett durchaus gelingen könne. Zumal viele Funktionäre, die sich bereits seit Längerem für den VfL engagieren, den Kurs der vier Neuen voll unterstützen.

Allen voran Christopher Andrä, der vor knapp zwei Jahren die Nachfolge des zurückgetretenen Aleks Kalic übernommen hatte und am Freitag endlich auch offiziell in dieses Amt gewählt wurde. „Wir sind nach wie vor die Nummer Eins im Jugendbereich in der Region“, verwies er auf 350 Kinder, die beim VfL vom Fußball-Kindergarten bis zur A-Jugend in 22 Mannschaften dem Ball nachjagen. In diesem Zusammenhang betonte Andrä die soziale Komponente der sportlichen Entwicklung, die dem Nachwuchs an der Jesinger Allee zuteil wird. „Dadurch schaffen wir Identifikation und können Spieler lange im Verein halten“, ist er sich sicher.

Andrä war übrigens eines von sieben Mitgliedern, das sich bei der Entlastung von Fabian Preuss enthielt. Der privat verhinderte Ex-Abteilungsleiter bedauerte in seinem von VfL-Chefin Doris Imrich vorgetragenen Bericht, dass er die Talfahrt in den vergangenen beiden Jahren nicht hatte stoppen können. Die Gründe für den Doppelabstieg der ersten Mannschaft seien laut Preuss vielfältig gewesen. Dabei gab er eigene Fehler zu, monierte aber auch internes Störfeuer gegen seine Person, das schließlich zu seinem Rücktritt im Oktober geführt habe. „Haltet stets zusammen, dann wird es wieder aufwärts gehen. Aber erwartet keine Wunder“, gab Preuss seinen Nachfolgern mit auf den Weg.

Dass es allerdings eines solchen bedarf, um die erste Mannschaft noch vor dem Abstieg zu retten, war auch den kühnsten Optimisten am Freitag klar. Neu-Coach Schweizer rechnete vor, dass von den ausstehenden 13 Bezirksligaspielen mindestens acht, wenn nicht gar zehn gewonnen werden müssten, um das rettende Ufer zu erreichen. „Für uns gibt‘s nur eins, und das ist der Relegationsplatz“, betonte Oliver Klingler, der für dieses Ziel all jene in die Pflicht nahm, die dem Verein im Vorfeld Hilfe versprochen hatten. „Ich hoffe, dass alle jetzt auch mitanpacken, die zugesagt haben“, so der 38-Jährige, dem Claus Maier nur beipflichten konnte: „Wir muntern jeden zur Unterstützung auf. Oft reichen nur Kleinigkeiten, um erfolgreich zu sein.“

Kommentar: Wieder Perspektive

Nachhaltigkeit – dass kaum ein anderer Begriff im Rahmen der Mitgliederversammlung der VfL-Fußballer so häufig genannt worden ist, zeigt, dass die zweitgrößte Abteilung im Verein verstanden hat. Sowohl das neue Führungsquartett als auch die Basis haben erkannt, dass der freie sportliche Fall nur dann gestoppt werden kann, wenn auf Funktionärsebene wieder Kontinuität herrscht. Ob die am Freitag tatsächlich ins Amt gewählt wurde, kann freilich erst die Zukunft zeigen. Doch machen weder die vier neuen Taktgeber noch ihre vielen fleißigen Helferlein den Eindruck, als wäre ihr Engagement an der Jesinger Allee kurzfristig angelegt. Dafür schlägt in jedem, der Klingler & Co seine Dienste angeboten hat, bereits zu lange zu viel blaues Blut. Kaum zufällig haben in der schwersten sportlichen Krise viele von denen ihre Hand dem VfL ausgestreckt, die die goldenen Zeiten des Kirchheimer Fußballs miterlebt haben. Allen voran Ex-Spieler Claus Maier, an dessen Zusage letzten Endes auch die Bereitschaft von Oliver Klingler abhing, Verantwortung zu übernehmen. Dass sie sich die im Ehrenamt erfahreneren Armin Meißner und Karl Magg mit ins Boot geholt haben, ist sinnvoll und konsequent. Schließlich wurden Klingler und Maier am Freitag nicht müde zu betonen, dass man den Karren nur als Team wieder aus dem Dreck ziehen könne, und deshalb als große Familie auftreten müsse. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Noch lange nicht, denn vom Zusammenhalt innerhalb der neu beschworenen VfL-Familie wird letztendlich auch die Zukunft des größten Sorgenkinds abhängen. Die erste Mannschaft in der Bezirksliga zu halten, ist trotz aller Beteuerungen, dass ein Abstieg kein Beinbruch wäre, das oberste Ziel aller Verantwortlichen. Dafür hängt die Zukunft der beim VfL auf hohem Niveau ausgebildeten Jugend zu stark von der Perspektive ab. Sportlich mag es die momentan zwar noch nicht geben, dafür seit Freitag aber wenigstens wieder auf Funkti­onärsebene. PETER EIDEMÜLLER