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War‘s das?

Kirchheims Basketballer können für die Pro A planen – Wildcard als letzte formale Hürde

Alles deutet darauf hin, dass die Knights auch in der kommenden Saison zweitklassig bleiben werden. Nur die BBL könnte den Kirchheimern noch einen Strich durch die Rechnung machen. Doch danach sieht es momentan nicht aus.

Kirchheim Knights - HeidelbergKnights Fans

Kirchheimer Knights-Fans.  Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Knights-Pressesprecher Christoph Schmidt war der Erste, der davon erfuhr. Als um 11 Uhr am Dienstag in der Geschäftsstelle das Telefon klingelte, war die wochenlange Hängepartie aus Kirchheimer Sicht beendet. Es wird neben Leverkusen keinen zweiten Aufsteiger aus der Pro B geben, so die Nachricht von DJL-Geschäftsführer Nicolas Grundmann. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Knights haben als zweiter Absteiger einen Platz in der Pro A so gut wie sicher.

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Das einzige Szenario, das den Kirchheimer Klassenerhalt noch in Gefahr bringen könnte, gilt als äußerst unwahrscheinlich: Würde das BBL-Schiedsgericht Aufsteiger Düsseldorf auch in zweiter Instanz das Startrecht für die erste Liga verweigern und sich die Klubs der BBL gleichzeitig gegen die Vergabe einer Wildcard aussprechen, wären sowohl Düsseldorf, als auch Absteiger Ludwigsburg in der kommenden Saison in der Pro A vertreten und Kirchheim aus dem Rennen. Doch damit rechnet auch unter Experten niemand, obwohl dies zum jetzigen Zeitpunkt keiner offen sagt. Den Termin für die mündliche Verhandlung im Fall Düsseldorf will die BBL noch diese Woche bekannt geben.

Dass es im Falle des – nicht unwahrscheinlichen – Düsseldorfer Nichtaufstiegs ein Wildcard-Verfahren geben wird, gilt ebenso als ausgemacht wie die Tatsache, dass Ludwigsburg davon Gebrauch machen wird. Die Viertelmillion Euro, die dafür hinzublättern wäre, sind die Neckar-Riesen jedenfalls fest entschlossen, in den Klassenerhalt zu investieren. Ein anderer Bewerber ist nicht in Sicht. „Wir warten sehnsüchtig auf eine Entscheidung im Fall Düsseldorf“, sagt Pressesprecher Björn-Lars Blank. Ein Wildcard-Verzicht ist in der Barockstadt jedenfalls kein Thema. „Trotz des sportlichen Misserfolgs haben wir zuletzt solide gewirtschaftet“, sagt Blank. „Jetzt wollen wir endlich Gewissheit.“

Auch ein anderes Thema, das die Kirchheimer Hoffnungen zuletzt dämpfte, ist vom Tisch: Zu einer Reduzierung der BBL auf 16 Mannschaften wird es zumindest in der Saison 2013/2014 nicht kommen. „Nachdem Vechta als Aufsteiger feststeht, werden wir auf jeden Fall mit 17 Teams an den Start gehen“, bestätigt BBL-Pressesprecher Dirk Kaiser. Für Kirchheim heißt das: Es kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Trotzdem bleibt Knights-Sportchef Karl-Wilhelm Lenger nach eigenen Worten „verhalten optimistisch“. Er habe in diesem Sport schon zu viel erlebt, übt sich Lenger in Zurückhaltung. Eine verspätete Nichtabstiegs-Party wird es unter der Teck ohnehin nicht geben. Der kritische Blick in den Spiegel überlagert die Freude über den nachträglichen Klassenerhalt. Die Saison war aus sportlicher Sicht ein Misserfolg. Daran lässt sich auch im Nachhinein nicht rütteln. Lenger drückt es so aus: „Wir sind mit zwei blauen Augen davongekommen.“ Hinzu kommt die Tatsache, dass der Basketballsport mal wieder den Beweis führt, dass es auch ohne sportliche Logik geht. „Im vergangenen Jahr wurden wir Vizemeister und sind nicht aufgestiegen, diesmal werden wir Vorletzter, aber steigen nicht ab. Den Fans ist das schwer zu vermitteln“, gesteht Knights-Sprecher Christoph Schmidt. Coach Frenkie Ignjatovic macht dagegen seine eigene Rechnung auf: „Wenn wir in der Pro A bleiben, ist das nicht mehr als der gerechte Ausgleich für den verbauten Aufstieg im vergangenen Jahr.“

Bester Schutz vor einer ähnlichen Zitterpartie in der neuen Saison ist eine kluge und zügige Kader-Planung. Die soll nun forciert werden. Mit einem halben Dutzend deutscher Kandidaten wird derzeit verhandelt. Mit Nachwuchskräften aus der Pro B aber auch mit gestandenen Pro-A-Spielern. Vorwiegend für die großen Positionen drei bis fünf. Die fehlende Gewissheit über die künftige Spielklasse hat nicht nur Personalentscheidungen, sondern auch Gespräche mit Sponsoren blockiert. „Eingeschränkt handlungsfähig“ sei man bisher gewesen, sagt Karl-Wilhelm Lenger. „Wir hoffen, dass jetzt Bewegung in die Sache kommt.“

Radi Tomasevic und Sebastian Adeberg – so sieht zur Stunde der Kirchheimer Kader für die kommende Saison aus. Das erscheint dürftig, wenn man bedenkt, dass die Wechselbörse in der Pro A bereits seit Wochen boomt. Die Probleme sind die alten geblieben: Beim Buhlen um schlagkräftiges Personal sitzen die Kirchheimer nicht in der ersten Reihe. Seit in der BBL eine verschärfte Ausländerregel gilt, sind die Gehälter deutscher Spieler sprunghaft gestiegen. Aus wirtschaftlicher Sicht eine Entwicklung, die Lenger als „besorgniserregend“ bezeichnet.

Andere sehen darin ihre Chance. Ob berechtigt oder nicht, hängt davon ab, ob sie auf einen Klub stoßen, der sich verantwortungsvoller Nachwuchsarbeit nicht nur auf dem Papier verpflichtet fühlt. Jüngstes Beispiel: Stefan Ilzhöfer, der das Angebot der Ludwigsburger Neckar-Riesen ausschlug und nun für ein besseres Salär zu den Frankfurt Skyliners wechselt. Der 19-jährige Junioren-Nationalspieler aus Kirchheim wäre laut Lenger auch in seiner Heimatstadt ein gern gesehener Kandidat gewesen. Bei den Skyliners stimmte offensichtlich das Gesamtpaket, auch wenn in Frankfurt der steinige Weg in die erste Liga zunächst über die Pro B führt.