Lokalsport

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Noch ruht der Trainingsbetrieb, doch die Planungen für die neue Spielzeit laufen bei Kirchheims Basketballern auf Hochtouren. Knights-Trainer Frenkie Ignjatovic hat inzwischen seinen Frieden mit einer nervenaufreibenden Saison ­geschlossen. Wie, das verrät im Interview.

Das Saisonende liegt nun einige Wochen zurück. Wie geht es Ihnen?
Ignjatovic: Deutlich besser als während der beendeten Saison. Ich konnte ein paar Wochen entspannen, habe viel Zeit mit der Familie verbracht und neue Kräfte gesammelt. Die Hoffnung, Pro A zu spielen, motiviert mich jetzt zusätzlich. Die Planungen gingen zwar in beide Richtungen, aber die Fans haben es verdient, dass wir in der Pro A bleiben.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesem Jahr und was kann sich, in Anbetracht der Strukturen in Kirchheim, ändern?
Ignjatovic: Ich dachte, ich hätte schon alles erlebt, was der Basketball zu bieten hat. Die letzte Saison hat aber das Gegenteil bewiesen. Wir haben die Saison in vielen Gesprächen aufgearbeitet und Fehler von allen Seiten beleuchtet. Die gleichen Fehler werden wir nicht mehr machen.In den letzten Monaten und Jahren hat sich einiges getan. Besonders die Infrastruktur bei den Knights hat sich weiterentwickelt. Ich bin stolz, ein Teil dieses Prozesses zu sein. Wir sind hier auf einem guten Weg. Im Moment ist die vordringliche Aufgabe, eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen. Die Knights und unsere Fans mussten feststellen, dass die Erfolge der Vorjahre nicht selbstverständlich waren.

Lange stand nicht fest, in welcher Liga die Knights in der neuen Saison antreten werden. Völlig entschieden ist es immer noch nicht, wenngleich alles für eine Pro-A-Teilnahme spricht. Wie beurteilen Sie die Situation?
Ignjatovic: Die Ungewissheit erschwert die Verpflichtung von Spielern. Die wollen wissen, in welcher Liga sie spielen. Deshalb warten und hoffen alle auf die definitive Entscheidung. Wir haben bereits erste Try-Outs durchgeführt. Da waren einige interessante Jungs dabei. Wir werden aber sicher noch weitere Spieler testen.

Sebastian Adeberg hat seinen Vertrag verlängert. Zusammen mit Kapitän Tomasevic bildet er bislang den Kern des Teams. Wie geht es nun weiter?
Ignjatovic: Sebastian und Radi sind wichtig fürs Team. Sie bringen mit ihrer Erfahrung und Einstellung die nötige Stabilität und sind langjährige Identifikationsfiguren. Von ihnen kann man auch in der Zukunft viel erwarten. Zu den Try-Outs waren bisher 15 Spieler da. Es wurden viele Gespräche geführt, und wir werden in nächster Zeit die eine oder andere Verpflichtung vermelden können. Wir versuchen, hungrige deutsche Spieler für die Pro A zu finden, die sich bei uns weiterentwickeln wollen. Gestandene deutsche Spieler sind für Kirchheim nicht bezahlbar.

Sie gehen nun in Ihre sechste Saison als Trainer der Knights. Was hat sich für Sie im Laufe der Zeit verändert? Wie haben Sie sich verändert?
Ignjatovic: Als Person habe ich mich eher wenig verändert. Meine Motivation ist weiterhin groß, und ich fühle mich verpflichtet, die Knights wieder auf den Platz zu führen, auf den sie gehören – besonders nach der letzten Saison. Nach tollen Spielzeiten und der Vizemeisterschaft sind wir nun wieder in der Realität angekommen. Das heißt in erster Linie, mit konsequenter Arbeit und hartem Kampf sich in der Liga zu behaupten, sich weiterzuentwickeln und den Klassenerhalt zu schaffen. Andere Ziele sind im kommenden Jahr unrealistisch. Wir müssen wieder zu unseren Stärken finden, die Identifikation mit Mannschaft und Fans, das Wir-Gefühl, und dass wir alle an einem Strang ziehen. Ich hoffe jedoch, dass mir in Zukunft solche Wechselbäder der Gefühle erspart bleiben.

Ihr Sohn hat mit seiner Mannschaft den dritten Platz bei den Meisterschaften „Deutscher Jugendpokal 2013“ erreicht. Hat der Sohn das Talent des Vaters geerbt?
Ignjatovic: Mein Sohn ist wie ich mit dem Basketballvirus infiziert. Er spielt mit unglaublicher Begeisterung in einem tollen und sympathischen Team, das gerade als jüngerer Jahrgang die NBBL-Quali überzeugend gewonnen hat. Was daraus in Zukunft wird, muss man abwarten. Als Vater sehe ich das ganz entspannt.

Radi Tomasevic hat vor Kurzem geheiratet. Können wir nun mit einem gelasseneren Kapitän auf dem Spielfeld rechnen?
Ignjatovic: Radi ist wie ich in der sechsten Saison bei den Knights. Diejenigen, die ihn von früher kennen, wissen, dass er viel ruhiger geworden ist und inzwischen in Kirchheim mit seiner kleinen Familie „angekommen“ ist. Dennoch steht Radi natürlich nach wie vor für Emotionen. Das gehört bei ihm einfach dazu. Spieler wie er, mit so viel Talent und Herz und seiner Einstellung, wird man in Zukunft immer schwerer finden.

Die vergangenen Jahre waren für die Knights-Fans eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Was ist das Besondere an Kirchheim und seinen Fans?
Ignjatovic: Ich spüre jeden Tag eine besondere Verbundenheit mit den Fans und ich bin dankbar für diese Unterstützung auch in dieser schweren Saison. Als in Göttingen der sportliche Abstieg zur Gewissheit wurde, gab es von den mitgereisten Fans „Standing ovations.“ Das war unglaublich und bedeutet mir sehr viel. Ich werde das nie vergessen. Hätten wir so gespielt, wie uns die Zuschauer unterstützt haben, dann hätten wir die Play-offs erreicht. Ich kann nur hoffen, dass es diesen Zusammenhalt und diese Unterstützung auch in Zukunft geben wird und die Zuschauerzahlen stabil bleiben. Wir werden alles dafür tun, um nächstes Jahr tollen Basketball in der Sporthalle Stadtmitte zu zeigen. cs

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