Lokalsport

Zwischen Stolz und Depression

Basketball-Oberliga: VfL hält gegen Tabellenführer TV Marbach lange mit und verliert trotzdem

Wenn der Tabellenletzte gegen den Spitzenreiter am Sieg schnuppert und am Ende 51:61 verliert, kann er stolz sein. Traurig waren die Kirchheimer Oberliga-Basketballer nach der Niederlage gegen den TV Marbach trotzdem.

Besser als erwartet schlugen sich Kirchheims Oberliga-Basketballer (Charalampos Kiriakidis, Bildmitte) gegen den Spitzenreiter a
Besser als erwartet schlugen sich Kirchheims Oberliga-Basketballer (Charalampos Kiriakidis, Bildmitte) gegen den Spitzenreiter aus Marbach. Die 14. Saisonniederlage ließ sich allerdings nicht vermeiden. Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Die aus VfL-Sicht schlechten Voraussetzungen waren vor der Partie noch schlechter geworden. Kapitän und Center Dominik Eberle fehlte wegen seines Thailand-Trips ohnehin schon, da sagte der nächste Center ab: Marsel Sibinovic erläuterte Coach Pasko Tomic über Handy, warum er das komplette Wochenende in Biberach für seine Prüfungen lernen musste. Der dritte der vier Center, Constantin Munz, kam direkt von einem tollen NBBL-Einsatz (13 Punkte in 18 Minuten) und war nicht in der Lage, wieder runterzukommen: Nach neun Minuten schickte ihn Tomic aus disziplinarischen Gründen unter die Dusche. So blieb mit Cveti Bozic ein einziger Center übrig.

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Alles war also bereit für ein deprimierendes Desaster gegen den Tabellenführer aus Marbach. Doch das Gegenteil geschah: Die verbliebenen neun Aufrechten lieferten dem designierten Regionalliga-Aufsteiger einen harten Kampf, den Tomic so kommentierte: „Das war eine phänomenale Leistung, ein enormer Kampf des ganzen Teams um jeden Ball. Wir müssen alle stolz sein, auf so einem Niveau spielen zu können.“ Am erfolgreichsten dabei ausgerechnet Bozic, der mit 21 Punkten seine Saisonbestleistung aufstellte.

Dass es am Ende erneut nicht reichte, führte zum erwähnten Mischmasch aus Stolz und Depression. Aber dieses Team ist das gewohnt, seit es Ende September zum Himmelfahrtskommando Oberliga aufgebrochen war. Tomic: „Dass diese Jungs nach über fünf Monaten Frust immer noch so eine riesige Moral in sich tragen, ist bewundernswert.“

Tatsächlich stand dieses Spiel 37 Minuten lang auf des Messers Schneide. Die auf beiden Seiten knallharte Defensivarbeit dominierte, kaum Körbe waren zu bewundern. Nach dem ersten Viertel stand es 11:11, zur Pause 24:29. Als sich Marbach Mitte des dritten Viertels, auch durch viele Freiwürfe (insgesamt 31; VfL: 10), abzusetzen drohte (37:28, 27.), hatte Michael Schlipf etwas dagegen: Seine zwei Dreier brachten den VfL zurück, und wenn anschließend außer dem Fernwurf von Chris Schraml, der diesmal nicht so effektiv von außen war, noch ein weiterer der mehreren gut herausgespielten Versuche aus dem Dreipunkteland durch die Reuse gefallen wäre, dann, so Tomic, „wäre das Spiel anders gelaufen“.

So führte der VfL vor den letzten zehn Minuten „nur“ 43:41, drei Minuten vor Schluss war nach einem Dreier von Jonathan Gritschke zum 51:53 immer noch alles möglich. Doch Marbachs Topscorer Oesterle machte die entscheidenden sechs Punkte zum 51:58 (40.), Kirchheim gelang offensiv nichts mehr. Der letzte Dreier des TV war nur noch Statistik. Tomic: „Da entscheiden eben Kleinigkeiten, auch die Erfahrung. Da fehlt es uns. Aber wir sind stolz, dass es gegen eine so starke Mannschaft nur Kleinigkeiten sind.“ut

VfL Kirchheim: M. Beck, C. Bozic (21), Gritschke (9/1), Kiriakidis (4), C. Munz (2), Reichmuth (5/1), Reza, Schlipf (7/2), Schraml (3/1), M. Wanzke