Kirchheim

Bach und die ViolineInfo

Bernhard Moosbauer beleuchtet die Rolle des Instruments für den Komponisten

Bernhard Moosbauer hat ein Buch über Johann Sebastian Bach geschrieben. Foto: Carsten Riedl
Bernhard Moosbauer hat ein Buch über Johann Sebastian Bach geschrieben. Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Nachdem der aus Kirchheim stammende Musikhistoriker und Barockviolinist Bernhard Moosbauer bereits im Jahr 2010 im Bärenreiter-Verlag eine von Kritik und Publikum gleichermaßen wohlwollend

aufgenommene Monografie zu Vivaldis Jahreszeitenkonzerten vorgelegt hatte, erschien nun im selben Verlag eine Einführung zu Bachs Werken für Violine solo – Kompositionen, die fraglos zum Faszinierendsten, aber auch zum Komplexesten gehören, was die Violinliteratur zu bieten hat. Auch diese Publikation zeichnet sich durch eine fundierte Kenntnis der Materie und eine beispielhafte Aufbereitung und Darstellung des Themas aus.

In einem kurzen Abriss gibt Moosbauer zunächst einen Einblick in die Formenwelt des solistischen Musizierens und behandelt die Protagonisten des solistischen Violinspiels der Zeit vor Bach, um dann auf mögliche Impulsgeber für Bachs Werke einzugehen. Dabei leuchtet er auch das biografische Umfeld aus und zeigt auf, dass die Violine in Bachs Ausbildung eine lange unterschätzte Rolle spielte und die Werke nicht bezugsfrei und monolithisch im Raum stehen. Die häufig gestellten Fragen nach dem Zweck und dem Adressaten der Werke lassen sich zwar nicht klären, aber Moosbauer bietet einige bedenkenswerte Hypothesen. Neben dem Freund Johann Georg Pisendel kommt dabei nicht zuletzt auch Bach selbst ins Spiel. Mit dem Zyklus schafft Bach modellhafte Werke enzyklopädischen Charakters, indem er beispielsweise das ganze Spektrum der Formen, Schreibweisen und Stile berücksichtigt.

Wie schon in der Publikation zu Vivaldi legt Moosbauer neben den historischen Voraussetzungen der Kompositionen Wert auf die nähere Betrachtung der Stücke auf Basis kompositorischer Grundlagen. Die kenntnisreiche Herausarbeitung typischer Merkmale, Strukturelemente und werkübergreifender Zusammenhänge hilft nicht nur zum Verständnis der teils hochartifiziellen Musik, sondern bietet dem Interpreten vielerlei Information und Anregung bei der Erarbeitung der Werke. Moosbauers Verdienst ist es, auch komplizierte Sachverhalte bei der Betrachtung der Werke selbst für nicht professionelle Spieler verständlich darzustellen und zugleich die notwendige Präzision zu bewahren. Dem Autor gelingt es durch seinen sprachlich einnehmenden Stil, den Leser auch in komplexen Sachverhalten bei der Lektüre zu halten.

Wie schon die Werkeinführung zu Vivaldi schließt auch diese Monografie eine von Spezialisten wie Liebhabern als schmerzlich empfundene Lücke in der Literatur zu bedeutenden Meisterwerken der klassischen Musik. Schade nur, dass die Verbreitung des Buches dem Verlag kein besonderes Anliegen zu sein scheint. Denn wie ist es sonst zu erklären, dass es bei den einschlägigen Großhändlern nicht im Sortiment gelistet ist?

 

Das Buch „Johann Sebastian Bach. Sonaten und Partiten für Violine solo“ von Bernhard Moosbauer ist im Verlag Bärenreiter erschienen. Es umfasst 209 Seiten und kostet 21,95 Euro; ISBN 9783761822203.

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