Kirchheimer Umland

Gefoltert und eingesperrt

Amnesty International bittet um Unterstützung

Amnesty International kämpft weltweit gegen Menschenrechtsverletzungen. Helfen kann jeder, indem er freundliche Briefe schreibt.

Kirchheim. Die Kirchheimer Gruppe von Amnesty International (ai) zeigt jeden Monat drei Fälle von Menschenrechtsverletzungen auf. Aktuell geht es um jeweils einen Fall in Südafrika, Aserbaidschan und Indonesien.

Seit 2008 nimmt die Müttersterblichkeit in der Gemeinde Mkhondo in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga zu. Daten belegen, dass fast 25 Prozent der vermeidbaren Todesfälle von Schwangeren und Frauen nach der Entbindung im Zusammenhang mit zu spätem Zugang zu vorgeburtlichen Gesundheitsleistungen stehen. Einiges konnte Amnesty International dort schon erreichen. So bietet die Amsterdam Clinic in Mkhondo beispielsweise nicht mehr nur an zwei, sondern an sieben Tagen die Woche Schwangerschaftsfürsorge an. Um die Müttersterblichkeit dauerhaft zu senken, muss jedoch viel mehr unternommen werden.

Die beiden 22-jährigen Aktivisten Bayram Mammadov und Giyas Ibrahimov aus Aserbaidschan befinden sich seit dem 10. Mai wegen angeblichen Drogenbesitzes in Haft. Die Festnahme erfolgte nachdem Bayram Mammadov ein Foto bei Facebook gepostet hatte, das ein Graffiti zeigt. Er und Ibrahimov hatten es auf die Statue von Heydar Aliyev gemalt, dem ehemaligen Präsidenten Aserbaidschans und Vater des aktuellen Präsidenten. Die Polizei befragte die Aktivisten nur zu dem Graffiti, nicht zu Drogen. Nachdem die beiden Männer sich weigerten, ein „Geständnis“ zu unterzeichnen und sich öffentlich zu entschuldigen, wurden sie gefoltert. Es gab Schläge und es wurde Vergewaltigung angedroht. Am 20. Mai dieses Jahres ist Bayram Mammadov in den Hungerstreik getreten, weil die Behörden sich weigern, die Foltervorwürfe zu untersuchen. Giyas Ibrahimov und Bayram Mammadov sind gewaltlose politische Gefangene, die wegen konstruierter Anklagen festgenommen wurden. Die Anklagen wurden im Zusammenhang mit ihrem politischen Protest erhoben.

Johan Teterissa, ein Grundschullehrer und politischer Aktivist aus der indonesischen Provinz der Molukken, leistet derzeit eine 15-jährige Haftstrafe auf der Insel Nusakambangan in Zentral-Java ab. Er wurde 2007 festgenommen, nachdem er gemeinsam mit 22 weiteren politischen Aktivisten an einer friedlichen Demonstration teilgenommen hatte. Die Protestveranstaltung fand vor den Augen des damaligen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono statt, der einer Feier anlässlich des Nationalen Familientags beiwohnte. Dabei führten unter der Leitung Johan Teterissas mehrere Aktivisten einen traditionellen Kriegstanz auf und hoben am Ende die verbotene „Benang-Raja“-Flagge, die für die Unabhängigkeit der Südmolukken steht. Teterissa wurde während seiner Festnahme, in Haft und bei seinen Verhören von Polizeikräften gefoltert. Gegen die Aktivisten wurde Anklage wegen „Rebellion“ erhoben. Johan Teterissa hat gesundheitliche Probleme, die nicht angemessen behandelt werden.Eine UN-Arbeitsgruppe bezeichnete die Haft von Johan Teterissa als willkürlich und vertritt die Auffassung, das Verfahren von Johan Teterissa sei unfair gewesen.

In allen drei Fällen bittet ai um höflich formulierte Briefe an die entsprechenden Stellen. Die Kam­pagne appelliert seit Jahren gegen das Vergessen. Die bereits vorformulierten Briefe können im Weltladen in der Dettinger Straße abgeholt werden.ai

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