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„Der Konkurrenzkampf dürfte größer werden“

Fußball Die Frauen der SGM Wendlingen/Ötlingen starten am Sonntag mit einem Heimspiel in die Landesligasaison.

Wendlingen. Fast auf den Tag ein Jahr ist es her: Caroline Müller und Franziska Claus sitzen bei herrlichem Sommer-Sonnenwetter am Rande der Sportanlage im Wendlinger Speck und machen in einer kurzen Trainingspause keinen Hehl aus ihrem größten Wunsch vor dem näher rückenden Rundenstart. „Die Saison zu Ende spielen“, kommt es von beiden Landesliga- kickerinnen der SGM Wendlingen/Ötlingen wie aus der Pistole geschossen.

Zwölf Monate später zeigt sich nicht nur das Wetter mit Kühle und Regen deutlich verändert, sondern auch die Bewertung der Sachlage. „Wir haben uns bisher intern überhaupt nicht mit einem möglicherweise erneut drohenden Abbruch beschäftigt“, beteuert Kapitänin Claus. Sie und alle anderen Spielerinnen hofften einfach nur, „dass alles gut geht“. Fokussieren statt spekulieren, trainieren statt theoretisieren. „Wir haben noch nicht alles verlernt“, meint Caroline Müller, was die gute Laune im gesamten Umfeld steigere.

Das Landesliga-Frauenteam des TSV Wendlingen und TSV Ötlingen teilt dabei grundsätzlich das Leid vieler anderer Mannschaften. Seit Ende November 2020 gab es nur ein halbes Dutzend Punktspiele - keine fundierte Basis, um Wettkampfhärte zu entwickeln und an Taktik oder Spielwitz zu arbeiten.

Der Trainer ist optimistisch

Dass Trainer Simon Heller (Foto: Markus Brändli) vor dem Liga-Auftakt am Wochenende im auf 13 Klubs reduzierten Feld (der SC Urbach hat zurückgezogen) trotzdem positiv klingende Töne anstimmt, hat weniger mit Zweckoptimismus zu tun, mehr mit Fakten. Der Wiedereinstieg der SGM II verschafft einen Gesamtfundus von über 40 Spielerinnen. Heller sieht nun unter anderem „eine höhere Leistungsdichte“, was Franziska Claus ähnlich bewertet. „Der Konkurrenzkampf dürfte größer werden“, vermutet die 29-Jährige.

Zur Erinnerung: Die SGM II war als amtierender Bezirkspokalsieger im Sommer 2020 wegen Personalmangels stillgelegt worden. „Dank aus der Jugend nachgerückten Spielerinnen sowie einigen Neuzugängen wurde die Wiederanmeldung möglich“, freut sich Heller. In einem ersten Schritt hat der Coach seit dem Trainingsauftakt Mitte Juli einen vorläufigen Landesliga-Kader mit 23 Kickerinnen gebildet, nun soll die Zielgröße 20 erreicht werden. Die „Zweite“ tritt dann mit einem gleich großen Kader in der Qualifikation zur Bezirksliga an.

In der Corona-Zwangspause wurde nicht nur die „Zweite“ wiederbelebt, sondern zudem der Laden in der „Ersten“ weitgehend zusammengehalten. Hannah Brüning (Studium in München) und Amina Löffel (ökologisches Jahr auf einer Alm) sind vorerst zwar keine Option mehr, weitere Abgänge gab es jedoch keine. Dem Vernehmen nach sei man noch an einer Verstärkung dran. Mit Laura Gerlinger und Fanny Schickinger meldeten sich zudem zwei Langzeitverletzte zurück - beide standen beim Trainingsauftakt vor sechs Wochen wieder auf dem Platz.

Nun rückt der Re-Start näher. „Wir haben vor allen Dingen die Atmosphäre bei den Spielen, auch bei den Fahrten zu Auswärtsspielen vermisst“, sagt Caroline Müller. Die Innenverteidigerin muss diesl allerdings wie die von den B-Juniorinnen aufgerückte Mailin Merkwitza verschieben. Bei einem Pressschlag in einem Training vor dem Landesliga-Auftakt gegen den TSV Langenbeutingen (Sonntag, 13 Uhr, Sportanlage Speck) riss bei Müller ein Band am rechten Knöchel, auch Merkwitza plagt eine Bänderverletzung, erlitten in einem Testspiel. Bis Mitte Oktober dürften beide ausfallen. „Verletzungen passieren leider, aber es sind nicht mehr wie zu Nicht-Coronazeiten“, bezweifelt Spielführerin Claus derweil einen Zusammenhang zwischen vermeintlich geringerer Trainingsintensität und höherem Verletzungsrisiko.

In Sachen sportlicher Zielsetzung behält sie den vorsichtigen Kurs des Vorjahres bei: „Wir machen uns keinen Druck und schauen, was kommt.“ Dabei darf es sicher gerne etwas mehr sein als Tabellenplatz sechs in der vergangenen Abbruchrunde. Reimund Elbe

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