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Eskalation mit Ansage

Gewalt Die Krawallnacht in Stuttgart beschäftigt viele. Die Polizei wappnet sich, denn Ausschreitungen dieser Art sollen künftig früher verhindert werden. Von Barbara Gosson

Polizisten werden so geschult, dass sie Situationen entschärfen können. Archivfoto: Markus Brändli
Polizisten werden so geschult, dass sie Situationen entschärfen können. Archivfoto: Markus Brändli

Nach der Krawallnacht von Stuttgart fragen sich alle, wie es so weit kommen konnte und wie solche Geschehnisse in Zukunft verhindert werden können. Wären solche Ausschreitungen auch im Kreis vorstellbar?

Gundram Lottmann ist Kreisvorsitzender und stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Er sagt, dass sich diese Entwicklung leider abgezeichnet habe. „Die Ursachen hierfür sind vielfältig, aber sicherlich haben auch die aktuellen Diskussionen, wie das Antidiskriminierungsgesetz in Berlin, die ,Satire‘ in der Taz und die Äußerungen der SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Esken zu Rassismusvorwürfen gegen die Polizei, das Klima angeheizt.“

Bereits in den vergangenen vier Wochen habe es mehrere Ereignisse gegeben, die auf eine veränderte Stimmungslage hindeuteten. So sei eine Streife in einen Hinterhalt gelockt und sofort von mehreren Personen angegangen worden, und es wurde nach einer Demonstration von rund 500 Personen das zentrale Innenstadtrevier in Stuttgart angegriffen mit Schmährufen wie „Stuttgart hasst die Polizei“.

Auch aus dem Kreis gebe es eine Vielzahl von Beispielen von Angriffen auf Polizeibeamte. „Rudelbildungen sind an der Tagesordnung und werden auch bewusst eingesetzt. Während einer die Polizei provoziert, stehen andere in der Nähe und warten nur darauf, mit dem Handy Videosequenzen zu filmen, die sie sofort in die sozialen Medien verbreiten können. Ein Einschreiten der Polizei wird dann als vermeintliche Polizeigewalt dargestellt, um sich selber als Opfer darzustellen“, sagt Lottmann.

Er ist der Meinung, dass sowohl der Lockdown als auch die Lage in den USA zu dieser Gewaltspirale beigetragen haben. Aber nicht ausschließlich. „Wenn man die Täter näher betrachtet stellt man fest, dass diese ausschließlich männlich sind, Alkohol eine große Rolle gespielt hat und das Bildungsniveau unterdurchschnittlich ausgeprägt ist“, analysiert Lottmann.

Die Polizei werde in der Aus- und Fortbildung auf solche Gewaltsituationen vorbereitet und sensibilisiert. Hierzu finden auch spezielle Deeskalationstrainings statt. Ein Schwerpunkt in diesem Training ist die Bearbeitung destruktiver Bindungsmuster sowie der besonderen Dynamik von Gewaltbeziehungen.

Die Pressestelle der Polizei in Reutlingen nennt weitere markante Beispiele von Übergriffen auf Polizisten in den vergangenen Jahren. Erst am 12. Juni war die Polizei in Kirchheim aus einer Gruppe von 15 Personen heraus angegangen worden, als einem 25-Jährigen ein Platzverweis erteilt werden sollte. Im Juli 2016 sollte im Kirchheimer Freibad Hausverbot gegen einen Jugendlichen durchgesetzt werden. Als die Polizei ihn gegen seinen Widerstand aus dem Bad bringen wollte, solidarisierten sich 30 umstehende Badegäste mit ihm, was einen größeren Polizeieinsatz nach sich zog.

Was können die Polizisten tun? „Korrektes Auftreten, rechtssicheres und konsequentes Einschreiten, situative Handlungskompetenz, aber auch die bei Bedarf notwendigen Zugriffs- und Abwehrtechniken sind bereits Gegenstand der Ausbildung. Gewalt gegen Polizeibeamte ist ein Schwerpunkt des Einsatztrainings,“ so die Antwort der Pressestelle.

Wie sieht es von Gewalt durch Polizisten im Jahr 2019 im Kreis Esslingen aus?: „Eine entsprechende Recherche ergab für den Landkreis Esslingen keinen Fall der Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte. Gleiches gilt im Übrigen für den gesamten Zuständigkeitsbereich des PP Reutlingen“, vermeldet die Pressestelle.

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