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Geistliches WortWunderbare Zeit

Ein Wochenende liegt vor uns, ein Wochenende Zeit: Samstag, Sonntag, vielleicht sogar ein verlängertes Wochenende, verlängert durch die Faschingstage oder die Faschingsferien. Was haben Sie vor mit dieser Zeit? Auch ich stelle mir die Frage, was ich mit dieser Zeit machen will. Ob ich sie vollstopfe oder bewusst frei halte. Denn sie ist voller Chancen und kostbar: als Zeit für Begegnungen, Zeit für mich und Zeit für Gott. Wird es eine erfüllte Zeit? Wird sie ausreichen oder wieder einmal viel zu kurz sein? Es gibt eine inspirierende Erzählung des christlichen Denkers Lothar Zenetti, in der er ein neutestamentliches Wunder Jesu neu im Blick auf die Zeit denkt. Sie heißt: „Die wunderbare Zeitvermehrung“. Ihre Botschaft ist: Die Zeit gehört nicht uns, sie ist „von-Gott-geschenkte“ Zeit, die ich mit anderen teilen darf.

Und Jesus sah eine große Menge Volkes, die Menschen taten ihm leid, und er redete zu ihnen von der unwiderstehlichen Liebe Gottes. Als es dann Abend wurde, sagten seine Jünger: „Herr, schicke diese Leute fort, es ist schon spät, sie haben keine Zeit. Gebt ihr ihnen doch von eurer Zeit!“ Wir haben selber keine, fanden sie, und was wir haben, wie soll das reichen für so viele?

Doch war da einer unter ihnen, der hatte wohl noch fünf Termine frei, mehr nicht, zur Not, dazu zwei Viertelstunden. Und Jesus nahm, mit einem Lächeln, die fünf Termine, die sie hatten, die beiden Viertelstunden in die Hand. Er blickte auf zum Himmel, sprach das Dankgebet und Lob, dann ließ er austeilen die kostbare Zeit durch seine Jünger an die vielen Menschen.

Und siehe da: Es reichte nun das Wenige für alle. Am Ende füllten sie sogar zwölf Tage voll mit dem, was übrig war an Zeit, das war nicht wenig. Es wird berichtet, dass sie staunten. Denn möglich ist, das sahen sie, Unmögliches bei ihm.

Ich fühle mich von der Erzählung angesprochen. Denn auch ich empfinde Zeit mehr und mehr als von Gott geschenkte Zeit. Als Möglichkeit, die Gott mir gibt. Ich muss in diese Zeit nicht alles reinpacken, was es reinzupacken gibt oder rausholen, was rauszuholen ist. Nein, ich darf sie als Geschenk Gottes entgegennehmen. Und weil sie nicht mir gehört, lege ich sie wieder in Jesu Hand, verbunden mit der Bitte: „Gib, dass diese Zeit gelingt, dass diese Zeit erfüllte Zeit ist.“ Jesus kann meiner Zeit Sinn geben. Er nimmt meine Zeit, wenn ich sie ihm hinlege, blickt auf zum Himmel, dankt Gott dafür und lädt mich dann ein, von dieser Zeit wieder abzugeben: „Gib du ihnen doch von deiner Zeit!“ Und indem ich seinem Ruf folge und von meiner Zeit und von mir abgebe, erlebe ich, dass genug da ist, dass das vermeintlich Wenige reicht. Für mich, für andere, für Gott. Ich darf austeilen, verschenken und empfangen. Und ich erlebe die Wahrheit seiner Worte: „Gib ihnen von deiner Zeit - es ist genug da!“

Eckhard Schlatter Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Weilheim

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