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Naturschützer warnen vor weiterer Versiegelung

Hungerberg Die Nabu-Gruppen Teck, Dettingen und Jesingen sprechen sich gegen ein Gewerbegebiet aus.

Dettingen. Die Nabu-Gruppen Teck, Dettingen und Jesingen beschäftigen sich vor dem Bürgerentscheid intensiv mit dem Hungerberg als Vorhaltestandort für ein Gewerbegebiet. Die Umwandlung wurde im Dettinger Gemeinderat mit nur einer Stimme mehr beschlossen. „Ein solches Großprojekt sollte voraussetzen, dass es von einer Mehrheit in der Bevölkerung unterstützt wird“, betonen die Naturschützer. Nach deren Ansicht hätte zu diesem Zeitpunkt die Bevölkerung mit einbezogen werden müssen, um ein klares Meinungsbild zu erhalten. „So hätte viel Unruhe innerhalb der Bevölkerung vermieden werden können“, ist der Nabu sicher.

Die Erschließung eines Industriegebiets bedeute einen enormen Eingriff in die Natur- und Kulturlandschaft mit weitreichenden Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Zweck der von den Kommunen in Auftrag gegebenen Gutachten sei es nun nicht, Pro-jekte zu verhindern, sondern aufzuzeigen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um Projekte zu verwirklichen. Die vorgeschlagenen Ausgleichsmaßnahmen seien von Umweltverbänden und Landwirten scharf kritisiert worden. „Die Zerstörung wertvoller Naturflächen bedeutet einen weiteren Rückgang der Biodiversität“, so die Naturschützer. Betroffen seien unter anderem die Feldlerchen, deren Bestände in den vergangenen Jahrzehnten dras­tisch eingebrochen seien. „Mit dem Verlust dieses Lebensraums werden auch die Feldlerchen verschwinden“, heißt es seitens des Nabu. Die Versiegelung landwirtschaftlicher Fläche bedeute die Verlagerung der Nahrungsmittelproduktion, was globale Auswirkungen habe, denn Nahrungsmittel, die nicht hier produziert werden, müsste man importieren, was entsprechend negative Auswirkungen auf Klima und Umwelt habe. Die klimatologischen Gutachten seien eindeutig, sie würden durch die Bebauung des Hungerbergs eine Beeinträchtigung der Kaltluftströme und damit einer wichtigen Abkühlungsfunktion für das Stadtgebiet bescheinigen. Der Landschaftsplan für Kirchheim prognostiziere eine höhere Wärmebelastung im Siedlungsbereich und einen Anstieg der durchschnittlichen Jahrestemperaturen innerorts um zwei bis drei Grad. „Die Bebauung des Hungerbergs ist aus klimatologischer Sicht nicht vertretbar“, betonen die Nabu-Gruppen. Das Aufstellen von Trinkwasserbrunnen sei Augenwischerei, aber keine glaubhafte Klimapolitik. Es werde vermehrt Starkregenereignisse geben. Wo das Wasser bislang von Wiesen und Äckern aufgenommen und dem Grundwasser zugeführt wurde, müssten die Wassermassen bei einer Versiegelung der Flächen größtenteils oberflächlich abfließen. Hochwasser werde so auch hier möglich. Die Nabu-Gruppen weisen darauf hin, dass enorme Investitionen notwendig seien, um entsprechende Hochwasserschutzmaßnahmen zu treffen.

Dass in unmittelbarer Nähe zum angedachten Gewerbegebiet die ersten Wohnsiedlungen beginnen, bleibe völlig unbeachtet. Dabei sei unklar, welche Unternehmen sich ansiedeln. Daten und Fakten würden nicht geliefert. Welche Unternehmen einen Zuschlag erhalten, könnten ausschließlich die Kommunen entscheiden. „Die Sicherung des Wohlstands hier ist nicht abhängig von der Bebauung des Hungerbergs“, betonen die Nabu-Gruppen. Es gelte, eine Balance zu finden, um für die Bevölkerung ein gesundes und lebenswertes Umfeld zu bewahren und die Auswirkungen der Klimaerwärmung möglichst gering zu halten. Dies könne nur gelingen, wenn die noch vorhandenen Natur- und Kulturflächen erhalten werden. Ihre Bedeutung für die Naherholung und die Produktion regionaler Lebensmittel, den Schutz der Artenvielfalt und zur Klimaregulierung sei von unschätzbarem Wert. Verantwortungsbewusstes und zukunftsorientiertes Handeln gelinge nur mit der Natur, und nicht gegen sie. Deshalb fordern die Naturschützer den Erhalt des Hungerbergs in seiner jetzigen Form.pm

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