Serie Bahnprojekt

Luftiger Transport

Großbaustelle Das Schneidrad der Tunnelbohrmaschine „Sibylle“ ist startklar zum Transport in die Tiefe. Zunächst schwebte es gestern aber noch in den stahlblauen Himmel. Von Iris Häfner

Die Bohrmaschine wächst Stück für Stück im Tunneltrog. Gestern war das Schneidrad mit der Margerite an der Reihe.Fotos: Jean-Luc
Die Bohrmaschine wächst Stück für Stück im Tunneltrog. Gestern war das Schneidrad mit der Margerite an der Reihe.Fotos: Jean-Luc Jacques

Fast 200 Tonnen hängen am Haken, schwebt eine Margeriten-Blüte im stahlblauen Himmel - Catwalk nach Art der Deutschen Bahn. Das zweite Schneidrad der großen Bohrmaschine muss in den Tunneltrog der ICE-Baustelle beim Kirchheimer Industriegebiet Bohnau, das erste mit dem DB-Logo ist schon versenkt. Nun also ist Nummer zwei dran. Eine Margerite ziert dieses Rad, das Emblem der Baufirma Implenia.

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Es dauert, der große Kran mit seinem 90-Meter-Ausleger schwächelt. Mit der Hydraulik gibt es Probleme, doch das Ersatzteil ist immerhin schon da. Seine Ausmaße nehmen sich äußerst bescheiden aus im Vergleich zu dem Riesen-Gerät, das es wieder flottzumachen gilt. Ein Leitz-Ordner liegt auf dem Boden, und ein großer Plan hängt am orangefarbenen Unterbau des Krans. Eifrig sind die Mechaniker bemüht, den Fehler so schnell wie möglich zu beheben.

Die nicht eingeplante Pause nutzen die Gäste und tauchen in den Trog ein. Ein Großteil des mehrere Stockwerke zählenden Nachläufers der Tunnelbohrmaschine ist dort unten schon zusammengebaut. Eine komplette Fabrik entsteht hier.

Irgendwann beginnt in der prallen Sonne Phase eins des luftigen Transports. Maßarbeit, perfekte Koordination und gute Nerven bei den Kranführern sind gefragt. Das Schneidrad mit einem Durchmesser von knapp elf Metern muss von zwei Kränen gleichmäßig in die Höhe gehoben werden. Um die Scheibe schadlos senkrecht an den Haken zu bekommen, ist Fingerspitzengefühl im wahrsten Sinn des Wortes gefragt, zudem ein gutes Zusammenspiel der Kranführer und dem dritten Mann am Boden. Sie alle sind per Funk verbunden. Als die „Blume“ senkrecht am großen Kran hängt, reinigen Arbeiter auf dem Hubsteiger den Innenring, damit später nach der Montage im Trog die Maschine rund läuft. Jeder Handgriff wird dabei von zahlreichen Zaungästen beobachtet.

Bahn erwartet kein Debakel

Einen Fehlschlag wie in Rastatt, wo es beim Bau des Tunnels einen Erdrutsch gab, wird es nicht geben - da sind sich die Ingenieure der Bahn sicher. Ein Sprecher nennt gleich drei Gründe: „Hier haben wir weder Kies noch einen hohen Grundwasserspiegel und deutlich mehr Überdeckung zur Autobahn.“ Etwa zehn Meter natürliches Gestein liegen zwischen Tunnel und Straße, in Rastatt sind es teilweise weniger als fünf Meter bis zum Gleis. Von Kirchheim nach Wendlingen bohren sich die Maschinen durch Schiefer, die Geologen sagen Schwarzer Jura. Das Einfrieren des Bodens ist hier nicht nötig, da das Material weitaus stabiler ist.

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Neugierige Besucher. Foto: Jean-Luc Jacques