Serie Weihnachtsaktion

Lebensschule auf vielen Ebenen

Weihnachtsaktion Im Kirchheimer Café Hope gibt es genau das – Hoffnung: Für Junge und Alte, Familien wie Alleinstehende, Einheimische und Geflüchtete. Von Nicole Mohn

Rund 100 Essen geben die Mitarbeiter beim Café Hope an einem Tag aus.Foto: Markus Brändli
Rund 100 Essen geben die Mitarbeiter beim Café Hope an einem Tag aus. Foto: Markus Brändli

Dienstagvormittag, 11 Uhr. In der Küche des Zentrums der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kirchheim (EFK) geht es betriebsam zu. Die bunten Salatteller warten bereits aufgereiht auf die hungrigen Gäste, auf den Tischen sorgen frische Blumen für Gemütlichkeit.

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Während der mittägliche Ansturm noch auf sich warten lässt, herrscht in der Küche Hochbetrieb. Kein Wunder: Zwischen 70 und 100 Essen gehen hier pro Öffnungstag über die Theke, an Spitzentage auch schon mal bis zu 130. Köchin Anette Jauß schaut deshalb, dass jeder der Helfer aus ihrem Team von Ehrenamtlichen mit den Vorbereitungen auch im Zeitplan ist.

Etwa 15 bis 18 Leute braucht Tagesleiterin Martina Rieker, damit der Laden läuft. Die Ehrenamtlichen sind bunt gemischt: Flüchtlinge, Berufstätige, Arbeitslose, Hausfrauen und Rentnerinnen packen mit an, damit hier niemand hungrig nach Hause gehen muss.

"Wir freuen uns über jeden, der mitarbeiten möchte"

Gerne würde Martina Rieker ihr Team noch etwas aufstocken. So kommt es derzeit immer wieder vor, dass die Teamchefin selbst mit anpacken muss. „Wir freuen uns über jeden, der mitarbeiten möchte“, lädt sie ein, doch mal vorbeizuschauen. Einzige Voraussetzung: „Wir müssen verlässlich miteinander arbeiten können“, bringt es Martina Rieker auf dem Punkt.

Foto: Markus Brändli

Für viele, die hier schon mitgearbeitet haben, hilft das Café Hope beim Neuanfang. Die vielen Flüchtlinge lernen hier zum Beispiel quasi nebenher Deutsch - und wie die Deutschen so ticken. „Mit viel Humor und viel Lachen“, sagt Martina Rieker. Zeit nimmt sie sich aber auch, wenn einmal Sorgen auf der Seele drücken oder die Sehnsucht nach den Lieben, die in der fernen Heimat bleiben mussten, übermächtig wird. Oder auch ein Brief in Amtsdeutsch zu erklären ist. „Aktives Integrieren“ sei das, sagt Kerstin Kaden-Brendel, die seit wenigen Monaten die Gesamtleitung des Café Hope innehat.

Café macht fit für den Arbeitsmarkt

Café Hope vermag so als Lebensschule auf vielen Ebenen helfen. So bietet die Einrichtung beispielsweise Menschen, die lange Zeit ohne Job waren, über die ehrenamtliche Arbeit die Chance, sich wieder an Strukturen zu gewöhnen und sich fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

Draußen trudeln die ersten Gäste ein. Schüler der nahen Berufsschulen haben den Mittagstisch für sich entdeckt, auch Mitarbeiter der umliegenden Firmen sind regelmäßig zu Gast. Dazwischen mischen sich Bewohner des benachbarten Seniorenstifts und Mütter mit ihren Kindern. Selbst Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer nutzt das Café regelmäßig für Besprechungen und gemeinsame Essen mit seinem Team. „Das ist das Schöne am Café Hope: Hier muss niemand allein am Tisch sitzen“, sagt Martina Rieker.

Produkte aus der Region

Drei Tage die Woche bietet das Café Hope derzeit einen warmen Mittagstisch an. Täglich wird dafür frisch gekocht. „Und das möglichst mit Produkten aus der Region“, betont Kerstin Kaden-Brendel. Auch auf Geschmacksverstärker wird verzichtet.

Foto: Markus Brändli

Finanzierbar ist dies für das als Verein eingetragene Projekt nur über Spenden, sagt Kerstin Kaden-Brendel, beim Café Hope für das Sponsoring und Fundraising zuständig. Umso dankbarer ist sie, dass das Projekt in diesem Jahr von der Weihnachtsaktion des Teckboten partizipieren kann. „Ein echtes Glück für uns“, bringt es die engagierte Kirchheimerin auf den Punkt. Denn neben dem Mittagstisch und dem Donnerstags-Café möchte das Team noch so einiges mehr auf die Beine stellen. Vor allem stellt der immens gestiegene Zulauf von Geflüchteten das Team vor neue Herausforderungen. Inzwischen sind mehr als die Hälfte der Helfer Flüchtlinge, berichtet die Gesamtleiterin. Seit März unterstützt deshalb Martina Rieker als Tagesleiterin die anderen Hauptamtlichen des Vereins. Mit der Unterstützung aus der Weihnachtsaktion will der Verein die Strukturen und auch die Ausstattung verbessern.

Info Der Mittagstisch im Café Hope im Steingau-Zentrum, Steingaustraße 28 in Kirchheim, ist jeweils dienstags bis donnerstags von 11.45 bis 13.15 Uhr. Kaffee, Tee und Kuchen gibt es immer donnerstags von 14 bis 16.30 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 01 57/50 38 57 65 oder im Internet unter www.efg-kirchheim.de.

Das Café Hope

Im Januar 2006, knapp zwei Jahre nach dem Umzug der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kirchheim von der Jesinger Straße ins Steingau-Zentrum, startete das „Café Hope“. Ziel war es, Arbeitssuchenden, die in die Agentur kommen, zu Kaffee und Kuchen einzuladen und in persönlichen Gesprächen Hoffnung zu geben.

Seit 2012 bietet das Team um Wolfgang Schuler jeden Donnerstag zusätzlich ein vollwertiges Mittagessen im Steingau-Zentrum an. Der große Zulauf ermöglicht schließlich die Ausweitung des Angebots auf drei Tage.

Im Juni 2013 wurde der gemeinnützige Verein Café Hope gegründet. zog