Kirchheim

Aus vier mach’ sechs

Wohnungsbau Gemeinderat schlägt vor, dass die Stadt in Ötlingen selbst aktiv wird und ein Sechs-Familien-Haus erstellt.

Kirchheim. Eine Grünfläche, auf der ein Spielplatz untergebracht ist, soll der Wohnbebauung weichen. Das war der Plan. Dazu haben die Kirchheimer Stadtverwaltung und der Gemeinderat eine Änderung des Bebauungsplans „Berg West I“ auf den Weg gebracht. Die Grünfläche liegt zwischen zwei Stichwegen der Straßen „Zum Hinteren Berg“ und „Hohe Straße“ in Ötlingen, in der Nähe der Eduard-Mörike-Schule. Vorgesehen hätte der Bebauungsplan zwei Doppelhaushälften mit jeweils zwei Wohnungen. Insgesamt hätten also vier neue Wohnungen im größten Kirchheimer Teilort entstehen können.

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Eigentlich fehlte nur noch der Satzungsbeschluss, als plötzlich eine ganz andere Idee im Gemeinderat auftauchte: SPD-Stadtrat Peter Bodo Schöllkopf machte den Vorschlag, das Grundstück nicht auf den freien Markt zu bringen. Stattdessen solle die Stadt dort selbst bauen - und zwar statt der Doppelhaushälften ein Fünf- bis Sechs-Familien-Haus. „Äußere Hülle und Erscheinung des Gebäudes würden dieselben bleiben“, meinte er. „Unser Ziel sind sozial geförderte Wohnungen an dieser Stelle, keine Anschlussunterbringung.“

Günstiger Wohnraum ist gefragt

Die Stadt will diese Idee tatsächlich weiterverfolgen: „Angesichts der Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist das eine Alternative“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Die Kirchheimer Sozialbauverpflichtung alleine reiche nicht aus, um dem Bedarf gerecht zu werden: „Auch die Stadt muss bauen.“

Allerdings konnte der Gemeinderat auf die Schnelle nicht gleich einen solchen städtischen Bau beschließen. Das Thema wird aufbereitet und in einer der nächsten Sitzungsrunden diskutiert.

Die Frage war aber, ob der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan trotzdem schon gefasst werden kann - auch wenn jetzt ganz andere Ziele im Raum stehen. Für den Geschmack des CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Thilo Rose ging das etwas zu schnell: „Wir sind die ganze Zeit über davon ausgegangen, dass dort ein Doppelhaus mit vier Wohnungen entstehen soll.“ Mit „wir“ meinte er dabei nicht nur den Kirchheimer Gemeinderat, sondern auch den Ötlinger Ortschaftsrat.

Die Verwaltungsspitze zeigte sich aber überzeugt davon, dass der Beschluss ohne weitere Auslegung möglich ist, auch wenn der Satz „zulässig sind Wohngebäude mit nicht mehr als zwei Wohnungen“ gestrichen wird. Die Mehrheit des Gemeinderats sah das genauso. Damit bleiben vorerst alle Optionen offen - wobei die Tendenz wohl in die Richtung eines eigenen Sechs-Familien-Hauses gehen dürfte.Andreas Volz