Lokale Kultur

Bewegung ermöglicht Begegnung

33 Stipendiaten des Landkreises Esslingen zeigen ihre Werke in der israelischen Partnerstadt Givatayim

Kreis Esslingen. „Heute hier, morgen dort“ – diesen Titel singt der Liedermacher Hannes Wader seit Jahrzehnten. Der Kreis Esslingen hat ihn

Anzeige

Roland Kurz

nun entlehnt, um mit den Werken von 33 seiner Kunststipendiaten in die israelische Partnerstadt Givatayim zu ziehen. Nicht nur heute, sondern noch bis 31. Juli ist die Ausstellung im historischen Wasserwerk zu sehen.

Nicht gestern, sondern vor acht Jahren haben israelische Künstler in der Lehrerakademie in Esslingen-Zell ausgestellt. Seitdem schwebte die Idee einer gemeinsamen Ausstellung in Israel im Raum. Nun wurden alle 37 Künstler angeschrieben, denen der Landkreis Esslingen seit 1992 ein Stipendium im Dettinger Park in Plochingen gewährt hat. 33 lieferten ein Werk für die Ausstellung. Austausch bedeutet, Kontakte zu pflegen. Peter Keck, Pressesprecher im Landratsamt, kennt seit vielen Jahren Doron Polak, den Leiter der Städtischen Galerie Givatayim. Er war der Wegbereiter der Ausstellung. Polak hat auch den drei deutschen Künstlern, die jetzt zum Aufbau nach Israel geflogen sind, viele Begegnungen mit israelischen Künstlern ermöglicht.

Der Bildhauer Uli Gsell aus Kemnat – kürzlich durch seine Stuttgarter Mops-Skulptur einem größeren Kreis bekannt geworden – hat beim Kontakt mit seinen israelischen Kollegen festgestellt, „dass ihre Kunst oft oberflächlich heiter daherkommt, aber einen ernsten Hintergrund hat“. Seiner Ansicht nach wirkt der Holocaust in der Kunstwelt immer noch nach. Seine deutlich jüngere Kollegin Anike Joyce Sadiq, aktuelle Stipendiatin, hat eine andere Erfahrungen gemacht. Sie habe eine Ausstellung der jüngeren Generation besucht und dort sei der historische Ballast nicht mehr zu spüren gewesen.

Gefallen hat allen, dass das geschichtsträchtige Wasserwerk – in dessen Kellern wurden vor der Staatsgründung Israels Waffen produziert – von vielen Schülern besucht wird. Schon vor der Vernissage seien mehr als 200 Schüler durch die Ausstellung gegangen, berichtete Uli Gsell.

Die jüngeren Besucher fanden offenbar die Video-Installation von Anike Joyce Sadiq sehr attraktiv, denn durch das Bilderspiel auf dem Boden wurden sie aufgefordert, Tanzschritten zu folgen. Die Kunstfotografin Daniela Wolf, die dritte im Aufbauteam, hat diese Situationen in der Galerie gekonnt dokumentiert. Sadiq und Wolf hatten mit ihren Werken keine Probleme, die Auflagen zu erfüllen, die Mechthild Wilke, Organisatorin im Hintergrund, gemacht hatte: möglichst leicht und kompakt, denn der Transport von 50 Kilo Kunst war mit 10 000 Euro der größte Posten. Uli Gsell, der mit Stein arbeitet, musste sich etwas einfallen lassen. Er produzierte den Abdruck eines Steins, der dann über die Transportkisten drapiert wurde.

Neben dem begrenzten Budget waren für Wilke die Bürokratie und die Zollformalitäten die größten Hürden. „Da wird deutlich, dass Israel nicht in Europa liegt und man nicht einfach über die Grenze fahren kann.“ Sie sei schon kurz davor gewesen, die Sache aufzugeben.

Diesen Punkt und alle Hürden hat sie aber überwunden. So konnte ihr Chef, Landrat Heinz Eininger, am 10. Juni die Ausstellung eröffnen. Der kulturelle Austausch sei von Anfang wichtig gewesen, sagte er. Seit 31 Jahren bestehe die Partnerschaft mit der Stadt bei Tel Aviv. Anfangs habe die Folkloregruppe aus Givatayim den musikalischen Botschafter gespielt. Diese Rolle übernahm dann die Jazzband der Thelma Yellin Highschool. Sie wird diesen Sommer erneut in Esslingen auftreten.

Ein dauerhaftes Zeugnis der Ausstellung „Heute hier, morgen dort“ liefert der Katalog, der dreisprachig herausgegeben wurde: Deutsch, Englisch und Hebräisch. Sein Titel spiegle wider, so Daniela Wolf, dass sich Künstler stets in einem Bewegungszustand befänden. Für die nächste Ausstellung in Deutschland wünschen sich die Beteiligten, dass keine Kisten bewegt werden, sondern die israelischen Künstler herfliegen und vor Ort arbeiten.