Kirchheim

„Das Bürokratiemonster EU ist gescheitert“

Matthias Weik und Marc Friedrich sehen im Brexit einen historischen Wendepunkt

Die Bestseller-Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich, auch in Kirchheim durch Auftritte bekannt, haben den Brexit vorhergesagt. Jetzt erklären sie, was das für Europa bedeutet.

Sie glauben, dass Europa auch ohne die EU leben kann: Marc Friedrich (links) und Matthias Weik bei ihrem Vortrag anlässlich des
Sie glauben, dass Europa auch ohne die EU leben kann: Marc Friedrich (links) und Matthias Weik bei ihrem Vortrag anlässlich des Kirchheimer WUD-Unternehmertages.Archiv-Foto: Peter Dietrich

Sie haben den Brexit prophezeit und auch darauf gewettet. Wie legen Sie das gewonnene Geld an?

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FRIEDRICH: Jetzt wette ich auf den Dexit. Spaß beiseite. Selbstverständlich investiere ich nach wie vor in Sachwerte wie Edelmetalle, schottischen Whisky sowie in eine tolle Reise nach England, um zu schauen, ob die Insel noch steht.

Das Votum der Briten hat ein Erdbeben ausgelöst. Die Börsen brechen ein, das Pfund ist im Keller. Auf was müssen wir uns noch gefasst machen?
FRIEDRICH. Das war definitiv ein historischer Wendepunkt. Unserer Ansicht nach ist das der Anfang vom Ende der EU – definitiv in seiner jetzigen Form – und des Euros. Die politischen Beben und Verwerfungen an den Finanzmärkten werden massiv zunehmen. Das wird leider auch extreme Parteien weiter befeuern. Aus diesem Grund wäre es wichtig, dass die Politik die notwendigen Schlüsse zieht.

Was bedeutet der Brexit für deutsche Anleger?
WEIK: Wer an der Börse ist, hat ein sattes Minus eingefahren. Die Aktienmärkte werden volatil bleiben. Für alle anderen Anleger ändert sich kurzfristig nichts. Die Auswirkungen werden mittelfristig erst zur Geltung kommen. Diejenigen die unseren Ratschlägen gefolgt sind, haben einen ordentlichen Gewinn zu verzeichnen. So ist Gold und Silber beispielsweise stark gestiegen und beweist mal wieder seine Wertankerqualitäten.

Wird der Austritt Großbritanniens aus der EU Schule machen?
WEIK: Ja. Wir werden in weiteren Ländern Referenden sehen, und der Unmut der Menschen gegen die EU wird zunehmen. Die Bürger fühlen sich von Brüssel nicht mehr abgeholt. Sie quittieren viele Entscheidungen mit Kopfschütteln. Spätestens seit der Flüchtlingskrise sehen wir, dass in Europa nur noch gegeneinander, anstatt miteinander gearbeitet wird. Die Zerfallserscheinungen sind nicht mehr zu übersehen. Wir fordern auch ein Referendum in Deutschland zur EU. Wir sollten auch abstimmen dürfen wie die Briten. Wir wurden weder zur EU noch zum Euro oder TTIP gefragt. Wieso nicht? Hat man Angst vor dem eigenen Volk? Erschreckend ist das Demokratieverständnis einiger Politiker, wenn zum Beispiel Volker Kauder (CDU) die britische Regierung mit der Aussage kritisiert:  „In Deutschland wäre eine solche Entscheidung nicht möglich.“

Sie sind der Meinung, Europa ist gescheitert. Mit dem Referendum sehen Sie sich sicher bestätigt.
FRIEDRICH: Nicht Europa ist gescheitert, sondern das Bürokratiemonster EU mit seiner Fassadendemokratie. Das ist ein essenzieller Unterschied. Ich bin überzeugter Europäer und glaube auch daran, dass Europa auch ohne die EU leben kann – sogar besser. Wir brauchen eine starke Wirtschaftsunion und kein Währungs- und Politikzwangskorsett.

Bleiben Sie bei Ihrer Ankündigung, dass in vier Jahren der Euro ausgedient hat?
WEIK: Mehr denn je. Wer jetzt die Zerfallserscheinungen nicht erkennt, dem ist nicht mehr zu helfen. Wir sollten den Warnschuss ernst nehmen. Leider werden die Verantwortlichen noch mehr in die Rettung des Währungsexperiments investieren – dadurch wird aber nur Schadenmaximierung betrieben. Niemals in der Geschichte der Menschheit haben Währungsunionen funktioniert – wir sehen das momentan in Europa und vor allem im bankrotten Süden.

Die EU tritt gerade als zerstrittener Haufen auf. Die einen wollen den Austritt ziemlich schnell, die anderen haben Geduld. Wer hat recht?
FRIEDRICH: Das ist recht absurd und zeigt, was für ein Tollhaus die EU ist. Erst wollte man die Briten auf keinen Fall gehen lassen, und nun sollen sie sich so schnell wie möglich vom Hof machen. Völlig ambivalent. Man sollte dieses historische und demokratische Ereignis als Chance sehen und endlich die notwendigen und längst überfälligen Reformen in der EU initiieren, um die europäische Idee zu retten. Ich denke, man sollte es lieber gründlich machen, um eine Blaupause zu haben für die nächsten Länder, die den Verein verlassen werden. Da ist man gut beraten, eine schon angewendete und bewährte Herangehensweise parat zu haben. Ich bin mir sicher, dass die EU sich als schlechter Verlierer zeigen und nachtreten wird.

Gibt es vielleicht noch eine Hintertür, den Austritt abzuwenden? Eine zweite Abstimmung?
WEIK: Das wäre krass, ich würde es aber den verzweifelten Protagonisten in Brüssel, Berlin, Paris und London zutrauen. Immerhin kämpfen sie um ihre Daseinsberechtigung, ihr äußerst attraktives Einkommen und ihre satten Pensionen. Man darf auch nicht vergessen: In Irland, Frankreich und den Niederlanden hat man damals so lange abstimmen lassen, bis das Ergebnis genehm war und gepasst hat. Wenn es zum Exit aus dem Brexit kommen würde, wäre das das Ende der Demokratie.

Sie sind schon oft als Propheten aufgetreten und haben recht behalten – mit dem Brexit, mit der Niedrigzinsphase. Was kommt noch?
FRIEDRICH: Negativzinsen, Bargeldabhebungsbeschränkungen, noch höhere Kontogebühren, noch mehr EU, noch mehr finanzielle Repression gegen die Sparer und Bürger, das Ende der Lebensversicherungen, das Platzen der Staatsanleihen- und Immobilienblase – summa summarum einen Crash, der 2008 alt aussehen lassen wird. Mit den Lottozahlen oder wer Fußballeuropameister wird, können wir leider nicht dienen – noch nicht!

Die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich

Matthias Weik befasst sich seit über zehn Jahren mit der globalen Wirtschaft und ihren Finanzmärkten. Arbeits- und Studienaufenthalte in Südamerika, Asien und Australien ermöglichten ihm Einblicke in das Wirtschaftsleben fremder Nationen. Seit Jahren ist der Querdenker als unabhängiger Honorarberater tätig. Der 40-Jährige lebt im Remstal.

Marc Friedrich studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre und beschäftigte sich intensiv mit der Wirtschaft und den Finanzmärkten. In Argentinien erlebte er 2001 einen Staatsbankrott und dessen verheerende Folgen. In Großbritannien, der Schweiz und den USA sammelte er Arbeitserfahrungen. Mit Weik hält er Seminare und Fachvorträge. Friedrich ist 40 Jahre alt und wohnt ebenfalls im Remstal.pm