Kirchheim

Die Arbeit trägt Früchte

Der Arbeitskreis Asyl Dettingen ist für den Ehrenamtspreis 2016 nominiert

Der Dettinger AK Asyl hat Flüchtlinge so schnell wie kaum ein anderer in Jobs vermitteln können. Dahinter steckt ein Team, das täglich dafür ackert.

Fototermin für Ehrenamtspreisserie: Amanuel Bereket möchte Zimmermann werden. Er macht diese Woche noch ein Praktikum bei Holzba
Fototermin für Ehrenamtspreisserie: Amanuel Bereket möchte Zimmermann werden. Er macht diese Woche noch ein Praktikum bei Holzbau-König. Heute sind sie in Kirchheim, Galgenberg 29, auf dem Dach beim Arbeiten.

Dettingen. Amanuel Bereket möchte gerne Zimmermann werden. Der 21-jährige Eritreer ist als Flüchtling vor etwa zehn Monaten nach Dettingen gekommen. Er ist in die Zelthalle eingezogen. Und wie so viele andere, musste er erstmal eines: Warten. Als er vor wenigen Wochen ein Praktikum bei der Dettinger Firma Holzbau König anfangen konnte, war es sein erster Job in Deutschland. Damit es überhaupt so weit kommen konnte, mussten im Hintergrund jede Menge Strippen gezogen werden.

Ursula Raichle hat sich darum gekümmert. Im Dettinger AK Asyl ist sie für den Bereich Arbeit zuständig: Sie baut Kontakte zu Unternehmen auf, koordiniert, telefoniert, versucht irgendwie, ihre „Schützlinge“ in der Arbeitswelt unterzubringen. Oft tut sie das bis zu fünf Stunden am Tag. Nicht umsonst. Die Arbeit, die sie seit Monaten beschäftigt, trägt schon lange Früchte: Einige Flüchtlinge im Ort haben inzwischen ihr zweites Ausbildungsjahr begonnen.

Raichle ist nur eine von etwa 50 Ehrenamtlichen, die sich im Arbeitskreis engagieren. Natürlich kann nicht jeder fünf Stunden täglich für den AK Asyl erübrigen. „Manche machen mehr, manche weniger. Wie es einem eben gerade passt“, erklärt Raichle. Denn trotz aller Verantwortung soll das Engagement nicht zur Last werden. „Selbst wenn jemand nur einmal im Monat etwas tut, hilft er uns allen“, sagt Raichle. Mit rund 50 Engagierten gilt der Dettinger AK Asyl als einer der größten in der Umgebung.

Oft stellt die Bürokratie den Ehrenamtlichen Hürden in den Weg. Gerade das Thema Arbeit ist heikel, da die Helfer viele rechtliche Aspekte beachten müssen, und es für Asylbewerber viele Vorschriften und Ausnahmeregelungen gibt. Die Genehmigungen brauchen oft lang. Laut Ursula Raichle funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Ausländerbehörde, Arbeitsagentur und den Freiwilligen aber immer besser. Das war nicht immer so.

Ein weiterer Faktor, der die Inte­gration in den Arbeitsmarkt für Flüchtlinge erschwert, ist die Sprache – Monika Sartores Bereich. Sie gibt in Dettingen ehrenamtlich Deutschkurse, um die Flüchtlinge auf den deutschen Alltag vorzubereiten. Vor allem, wenn diese oft Monate auf die offiziellen Integrationskurse warten müssen, springt Sartore ein. Sie hat früher als Lehrerin an einer Grundschule gearbeitet. Einige ihrer Erfahrungen kann sie heute anwenden. In den Stunden mit den Geflüchteten hat sie selbst vor allem eines gelernt: Wer die Sprache verstehen will, muss erstmal die Kultur verstehen. „Man kann nicht richtig lernen, wie man die Uhrzeit sagt, wenn man im Heimatland ein ganz anderes Zeitverständnis hat“, erzählt sie. Manchmal müsse sie im Unterricht also einfach ganz von vorne anfangen und erstmal die Uhr erklären.

Insgesamt hat der Arbeitskreis sechs Bereiche – darunter der Bereich Sprache und Arbeit von Ursula Raichle und Monika Sartore, der Bereich Freizeit, Alltag und Soziales, die Kleiderkammer, die Fahrradwerkstatt und das Internetcafé. Im Gegensatz zu einigen anderen Arbeitskreisen hat der Dettinger AK Asyl keine Tradition, die bis in die Neunzigerjahre reicht, als viele Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland gekommen sind. Die Dettinger Ehrenamtlichen haben sich erst im Herbst 2014 zusammengefunden und bahnen sich seitdem ihren Weg durch die Schwierigkeiten des Alltags.

Für Amanuel Bereket, den eritreischen Flüchtling, könnte das Praktikum in Dettingen vielleicht ein Happy End haben. Die Firma war sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Im Moment prüft sie, ob sie ihn in Zukunft einstellen kann. Für ihn würde damit der Traum in Erfüllung gehen, Zimmermann zu werden. Laut Ursula Raichle will er das schon, seit er in Dettingen angekommen ist.

Der Eritreer Amanuel Bereket möchte Zimmermann werden. Der AK Asyl Dettingen hat ihm ein Praktikum bei der Firma Holzbau König v
Der Eritreer Amanuel Bereket möchte Zimmermann werden. Der AK Asyl Dettingen hat ihm ein Praktikum bei der Firma Holzbau König vermittelt. Foto: Carsten Riedl
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