Kirchheim

Die Orgel erhält ein neues Innenleben

Martinskirchengemeinde muss ihr musikalisches Prunkstück für 26 000 Euro reparieren lassen

Ein Unglück kommt selten allein. Das merkt derzeit die Kirchheimer Martinskirchengemeinde: Parallel zur Außensanierung muss sie jetzt auch die Orgelreparatur finanzieren.

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Die Orgel der Martinskirche muss repariert werden. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Schon vor acht Jahren war die Werkstätte für Orgelbau Mühleisen aus Leonberg mit einer Instandsetzung der Martinskirchenorgel beschäftigt. Etliche Arbeiten, die damals aufgeschoben worden waren, sind inzwischen mehr als überfällig. Kirchenpfleger Bernd Kemmner beschreibt die Lage dramatisch: „Wenn wir jetzt nichts machen, kommt der Zeitpunkt x, an dem die Orgel nicht mehr bespielbar ist.“

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Auch Eberhard Schweizer, der Erste Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde, betont: „Es geht bei den Arbeiten, die gleich nach Ostern begonnen haben, um eine reine Reparatur und nicht um weitere Ausbaustufen.“ Nur durch die aktuellen Ar­beiten sei es zu gewährleisten, dass sich die 50 Jahre alte Orgel der Martinskirche auch weiterhin nutzen lässt. Noch eine weitere Schwierigkeit spricht er an: „Von außen sieht man eigentlich gar nichts. Da wird sehr viel im Inneren ausgetauscht.“

Im Zusammenhang mit der Martinskirche klingen solche Aussagen seltsam vertraut: Bei der Außensanierung war ebenfalls die Rede davon, dass die Kirche zusammenbrechen könnte, nähme man jetzt nicht viel Geld in die Hand, um gegenzusteuern. Und auch dabei hatte es geheißen, dass sich von außen nicht sehr viel erkennen lasse. Ein großer Unterschied besteht allerdings bei der Höhe der Kosten: Sind für den neuen „Mantel“ des Gebäudes 1,6 Millionen Euro veranschlagt, kommen die Arbeiten an der Orgel auf die vergleichsweise bescheidene Summe von rund 26 000 Euro. Trotzdem sieht der Kirchenpfleger ein Dilemma: „Für die Orgelreparatur gibt es keine Zuschüsse von offizieller Seite. Wir müssen das aus Eigenmitteln aufbringen – die natürlich nicht vorhanden sind.“

Eine Hilfe immerhin gibt es, und die stimmt den „Kämmerer“ hoffnungsfroh: Der Förderverein Kirchenmusik unter Teck hat eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 7 500 Euro zugesagt. Der Verein kehrt damit zu seinen Anfängen zurück: Die 1967 gegründete Vorgängerorganisation hieß „Verein zur Förderung des Orgelbaus in der Martinskirche“.

Zur weiteren Finanzierung der Reparatur, die am 7. Mai abgeschlossen sein soll, muss die Kirchengemeinde zunächst in Vorleistung gehen und darauf vertrauen, genügend Spender zu finden. Naheliegend sind in diesem Fall natürlich Orgelkonzerte. Eberhard Schweizer zufolge ist die Gemeinde in Gesprächen mit namhaften Organisten, die auch einen Bezug zur Martinskirche haben – allen voran KMD Ernst Leuze und der heutige Dresdner Frauenkirchenorganist Samuel Kummer. Auch die „Or­gelmusik zur Marktzeit“ soll im Sommer Geld für die Reparatur „einspielen“. Ein besonderes Konzert geben Ludwig Güttler und Friedrich Kirch­eis bereits am Freitag, 29. April, in der Martinskirche. Die Reparatur ist bis dahin zwar noch nicht abgeschlossen. Aber Orgelbauer Peter Weimer achtet darauf, dass die Orgel zu diesem Termin bespielbar sein wird.

Zu den jetzt anstehenden Arbeiten sagt er, dass manche Materialien in den vergangenen 50 Jahren einfach porös geworden sind. Instandsetzen muss er unter anderem zwei „Schwimmerbälge“, die für den Wind zuständig sind, aber auch 336 von 448 Winkeln der „Wiener Mechanik“. Außerdem werden Kunststofflagerbuchsen ausgetauscht und Fußspitzen sowie Fußklötze zahlreicher Pfeifen bearbeitet oder gar ersetzt. Schwierig ist zudem der Zugang: „An vielen Stellen kommt man gar nicht ran“, sagt Peter Weimer. Aber für diese Probleme wird er ähnlich flexible Lösungen finden müssen wie die Kirchengemeinde für die Finanzierung.

Auf der Empore der Martinskirche präsentiert sich die Orgel als Baustelle. Das Bild unten zeigt Peter Weimer und seine Mitarbeit

Auf der Empore der Martinskirche präsentiert sich die Orgel als Baustelle. Das Bild unten zeigt Peter Weimer und seine Mitarbeiterin beim Ausbau eines "Schwimmerbalgs". Foto: Markus Brändli