Kirchheim

Ein zwiespältiger Eindruck

Sommerserenade des Volkshochschulorchesters in der Kirchheimer Martinskirche

Das Volkshochschulorchester bietet ein volles Programm bei der Sommerserenade in der Martinskirche. Foto: Markus Brändli
Das Volkshochschulorchester bietet ein volles Programm bei der Sommerserenade in der Martinskirche. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Die alljährliche Sommerserenade des vhs-Orchesters in der Martinskirche war wieder einmal vollgepackt mit vertrauter Musik, aber auch Unbekanntem. So war

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Bernhard Moosbauer

für eine gespannte Erwartungshaltung des zahlreich erschienenen Pub­likums gesorgt.

Gleich zu Beginn eine zupackende Opernsinfonie, „La tempesta di mare“, des Mailänders Carlo Monza. Seine frühklassisch leichtfüßige, aber effektvolle Sinfonie, war das passende Stück zur Eröffnung des Konzertes, konnte sich das Orchester zusammenfinden und gelöst aufspielen. Dass der lyrisch angehauchte Mittelsatz etwas zu holzschnittartig geriet, schmälerte den guten Anfangseindruck kaum.

Als Pendant erklang zu Beginn des zweiten Teils ein Concerto für Streicher von Vivaldi. Es erforderte exakte Stimmenkoordination sowie differenzierte und deutliche Artikulation. Hier wäre, auch wegen der Akustik des Kirchenraumes, eine generell kürzere Artikulation von Vorteil gewesen, wodurch die fantasievoll und einfallsreich gestaltete Komposition an Transparenz gewonnen hätte.

Der Großteil des Abends war Konzerten für ein oder mehrere Instrumente mit Orchester vorbehalten, darunter selten gespielte Werke von Telemann und Krumpholtz. Der in Böhmen geborene Johann-Baptist Krumpholtz galt als der begabteste Harfenist seiner Zeit. Aus seinen zahlreichen Werken erklang der mit „Romance“ überschriebene langsame Satz eines Solokonzertes. Dass das Stück freilich nichts mit den im Deutschen in eine Romanze gewöhnlich hineininterpretierten süßlich-kitschigen Assoziationen zu tun hat, wurde schnell deutlich. Der Satz war klar gegliedert, Harfe und Orchester meist voneinander geschieden. So konnte das Publikum den zauberischen Harfenklängen von Andrea Ehrlich lauschen und auch das Orchester ließ sich davon inspirieren.

Die drei weiteren Konzerte waren sämtlich für mehrere Solisten gesetzt. Den Anfang machte das selten gehörte Werk für zwei Chalumeaux, einem Vorläufer der Klarinette, von Telemann. Hinzu kamen zwei Brandenburgische Konzerte von Johann Sebastian Bach. Die Darbietungen der Solisten waren aufs Ganze gesehen eher durchwachsen. So stießen die beiden Klarinettisten Gerhard Ehrlich und David de Soto und auch die Cembalistin Brigitte Schroth erkennbar an interpretatorische und teils auch technische Grenzen. Gerade der umfangreichen und höchst anspruchsvollen Solokadenz des Cembalos im Bachschen D-Dur-Konzert hätten mehr agogische Freiheiten an den passenden Stellen gut getan, was zudem über so manch technisch schwere Stelle hätte hinweghelfen können. Durchweg überzeugend und souverän dagegen die beiden Blockflöten, gespielt von Martin Hermann und Ingrid Gräbner. Der Violinistin Irina Hornung gebührt größter Respekt für ihre bewundernswerte Leistung in den beiden Bach-Konzerten, von denen das G-Dur-Konzert mit hochvirtuosen und heiklen Passagen aufwartet. Susanne Breckel war im D‑Dur-Konzert eine solide und verlässliche Partnerin für ihre Kolleginnen.

Für einen überzeugenden Auftritt der Solisten bedarf es auch einfühlsam und flexibel agierender Begleiter, die genau wissen, wann sie eigene Akzente zu setzen haben und wann sie lediglich als Unterfütterung dienen. Dazu braucht es, abgesehen von differenziertem Spiel, durchgehend hohe Aufmerksamkeit. Hier blieben dann doch Wünsche offen. Die Begleitstellen in den Konzerten gerieten häufig recht dominant, sodass besonders die beiden Blockflöten, in Teilen auch die Solovioline, im vierten Brandenburgischen Konzert, zu wenig zur Geltung kamen und manch reizvolle Passage überdeckt wurde. Sabine Bruns koordinierte das Zusammenspiel von Solisten und Orchester, freilich mit viel Bewegung und teils ausladenden Gesten. Das hatte jedoch den Effekt, dass sich das Tutti zu offensiverem Spiel ermuntert fühlte, mit dem oben erwähnten Resultat. Hier wären weniger und kleinere, aber präzise dirigentische Gesten hilfreich gewesen.

Ob es also eine gute Idee war, gleich vier Werke auf das Programm zu setzen, in denen das Orchester überwiegend Begleitfunktion hatte, ist fraglich. So blieb ein zwiespältiger Eindruck. Wahrscheinlich hätte man sich mit weniger Konzerten einen größeren Gefallen getan und lieber noch ein reines Orchesterstück aufs Programm gesetzt, in dem das Orchester sich hätte entfalten und sein Potenzial zeigen können. Die ansprechende Darbietung der Sinfonie von Monza mag beispielhaft dafür stehen.