Kirchheim

Eine Hommage an einen Kult-Imbiss

Konzert Hard-Bop-Beats und sanfte Balladen: Die Band „The Jakob Manz Project“ zeigte im Kirchheimer Club Bastion eine Mischung aus modernem Jazz, Funk und Soul. Von Bernhard Fischer

Die Band „The Jakob Manz Projekt“ mit Hannes Stollsteimer, Jakob Manz, Frieder Klein und Paul Albrecht im fein abgestimmten Zusa
Die Band „The Jakob Manz Projekt“ mit Hannes Stollsteimer, Jakob Manz, Frieder Klein und Paul Albrecht im fein abgestimmten Zusammenspiel (von links).Foto: Bernhard Fischer

Schon das Auftaktstück „Come on“ von der Band „The Jakob Manz Project“ entfaltet mächtig Druck im Kirchheimer Club Bastion. Der furiose Einstieg in Hard-Bop-Manier mit treibenden Bassriffs, präzisen Breaks, stimmungsvoll gespielten lyrisch-melodiösen Teilen sorgte für erste Höhepunkte. Dieses Stück - die einzige Fremdkomposition des Abends - ist eine Würdigung für Klaus Graf, Förderer des jungen Altsaxofonisten Manz.

Alle anderen Kompositionen des Abends stammen von den jungen Künstlern. Immer wieder geht der musikalische Blick zurück in Zeiten, in denen der Jazz noch ein breites Publikum erreichen konnte: Die Großen des von Soul beeinflussten Hard-Bop und des beginnenden Rock-Jazz finden Eingang in die Musik des Quartetts - so etwa in den vom Pianisten Hannes Stollsteimer komponierten „Barber-Shop-Blues“ mit Anklängen an die 70er-Jahre.

Ruhige Töne und funkige Beats

Auch der „Brunnenwirt“ Kultimbiss, zwischen den beiden Jazzklubs der Stuttgarter Altstadt gelegen, wurde kompositorisch verewigt. Jakob Manz steuert nachdenkliche, sanft als Balladen beginnende Stücke bei, die oft zu hymnischer Intensität gesteigert werden. Die bedrückende Atmosphäre der Obdachlosenszene am Frankfurter Hauptbahnhof verarbeitet Manz in einer geräuschhaften Einleitung zum Stück „Desperation in Town“. Der Bassist Frieder Klein hingegen ist für die funkigen Kompositionen verantwortlich, oft als kurze skizzenhafte Bassriffs konzipiert.

Im Mittelpunkt des Konzertes steht der schlaksige Namensgeber Jakob Manz. Von den leisesten, gehauchten Tönen bis zur größten Intensität entfaltet sein Spiel eine große Ausstrahlung. Paul Albrecht am Schlagzeug zuzusehen und zuzuhören ist ein Genuss. Leicht, durchsichtig und trotzdem druckvoll begleitet er die Band, immer wieder überraschende Akzente setzend. In langen Soloeinlagen verbindet er Präzision mit Steigerungen zu großer Dichte. Hannes Stollsteimer spielt am Piano sparsam, differenziert und einfallsreich, der Synthesizer übernimmt die Rolle des E-Pianos, in anderen Stücken lässt Stollsteimer die Soundexperimente der 70er-Jahre wieder aufleben. Frieder Klein spielt die sechssaitige Bassgitarre trocken und präzise, beinahe in der Manier eines klassischen Gitarristen.

Alle vier Künstler haben als besonders begabte Musiker schon während der Schulzeit als sogenannte Jungstudenten an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart die Arbeit mit hochkarätigen Lehrern begonnen, entsprechend hoch ist das technische Niveau aller Beteiligten, das sich sowohl im präzisen Zusammenspiel als auch in den ausgiebigen Soli der jungen Instrumentalisten zeigt. Hinzu kommt die Freude und Begeisterung am gemeinsamen Spiel. Der Rückgriff auf die packende Intensität des Jazz in den 70er-Jahren und dessen vorsichtige Erneuerung begeistert nicht nur die Musiker selbst, sondern auch das Publikum, das dem Jazz eher vorsichtig zugewandt ist.

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