Lokale Wirtschaft

Geriatriebetten bald im Christophsbad

Nach Schließung der Esslinger Aerpah-Klinik Ende März 2014 ist Göppingen zuständig

Die geriatrische Rehabilitation für alte Bürger aus dem Kreis Esslingen wird ab Frühjahr 2014 im Kreis Göppingen stattfinden. In monatelangen Gesprächen ist es nicht gelungen, für die Aerpah-Klinik in Esslingen-Kennenburg eine Nachfolge-Regelung innerhalb der Kreisgrenzen zu finden. In die Bresche springt das Christophsbad Göppingen, das seine geriatrische Rehaklinik um 40 Betten aufstockt. Offen ist noch, ob es in Göppingen oder Bad Boll erweitert.

Esslingen. Seit Juni ist bekannt, dass die 1983 eingerichtete Aerpah-Klinik zum 31. März 2014 schließen wird. Seit zehn Jahren habe man „keine kostendeckende Vergütung“ dieses Reha-Angebots mehr erhalten, erklärte Gisela Rehfeld, Geschäftsführerin des diakonischen Altenhilfeträgers Dienste für Menschen (DfM). Auf 104 Betten ausgelegt, hatte die Klinik ihre Belegung auf durchschnittlich 50 Patienten reduziert.

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Um die geriatrischen Betten und die Fachkompetenz des Personals im Landkreis zu halten, führte AOK-Chef Dieter Kress in den vergangenen Monaten viele Gespräche mit Klinikgeschäftsführern, mit dem Landrat und dem Esslinger OB. Am Ende erfolglos. Die Idee, eine leer stehende Abteilung im städtischen Krankenhaus zu nutzen, zerstob.

Das halb leer stehende Plochinger Krankenhaus oder das auf Verkleinerung programmierte Ruiter Haus wollte der Landrat nicht anbieten. Er werde sich hüten, sich diesen Klotz

Landrat Eininger: Diesen Klotz nicht ans Bein binden

ans Bein zu binden, solange die Landesregierung nicht für eine auskömmliche Finanzierung der Geriatrie gesorgt habe, reagierte Heinz Eininger mehr als zurückhaltend.

Von Anfang an Interesse zeigte dagegen das Christophsbad Göppingen, das seit 1998 eine Geriatrische Rehabilitationsklinik mit 55 Betten führt. Sogar innerhalb einer Esslinger Kreisklinik hätte sich Geschäftsführer Bernhard Wehde einen Betrieb vorstellen können – Landrat Eininger nicht.

Kress und Wehde haben nun eine Vereinbarung getroffen, nach der das Christophsbad „für die Region Mittlerer Neckarraum“ zusätzliche Kapazitäten schafft. Für die AOK Neckar-Fils, die beide Landkreise umfasst, ist das eine praktikable Lösung. Jedenfalls besser, als wenn Bad Urach das Bettenkontingent aus Esslingen übernommen hätte. AOK-Chef Dieter Kress betonte: „Ich bin Herrn Wehde sehr dankbar, dass er kurzfristig in die Bresche springt und die Anschlussversorgung übernimmt.“ Damit sei wenigstens die Zeit überbrückt, bis der Landkreis Esslingen bei seiner Klinikstruktur klarer sehe. Das heißt, Dieter Kress hofft, dass die Betten eines Tages wieder nach Ruit oder Plochingen kommen.

Ob die 40 Betten in Bad Boll oder in Göppingen eingerichtet werden, weiß Wehde noch nicht. Die Idee, die Geriatrie in der alten Boller Kurklinik unterzubringen, hat er fallen gelassen, weil dort der Denkmalschutz mitspielt. Man müsse nun entscheiden, wo man geschickter einen Modulbau ansetzen könne. Bis zum April werde das kaum zu schaffen sein, frühestens im Mai.

Die AOK Baden-Württemberg wird den Versorgungsvertrag mit dem Christophsbad anpassen und dessen Geriatrie-Kapazität auf 95 Betten erhöhen. Laut Vereinbarung sollen Patienten mit Schlaganfall und neurologischen Problemen schwerpunktmäßig in Göppingen rehabilitiert werden, Senioren mit orthopädischen Diagnosen in Bad Boll.

„Ich freue mich für die Esslinger Bürger“, sagt DfM-Geschäftsführerin Rehfeld, dass das Christophsbad die Geriatrie anbiete. Es sei aber ein

Freude und Schmerz in der Esslinger Aerpah-Klinik

„schmerzhafter Prozess“ für die 90 Beschäftigten. Nur bei einem „Betriebsübergang“ hätte Göppingen das Aerpah-Personal übernehmen können. Dann hätten aber weiterhin die relativ guten Tarife und die Altersversorgung der Diakonie gegolten. Die Mitarbeiter im Pflegedienst haben überwiegend akzeptiert, dass sie eine andere Stelle in der Diakonie erhalten. Die Therapeuten lehnten die Ersatzangebote ab. Sie erhalten Abfindungen. Qualifizierte Kräfte seien im Christophsbad willkommen, sagt Wehde. Die Aerphah-Klinik werde ihren Betrieb bis Ende März aufrechterhalten, sagte Rehfeld, Anfang März nehme man die letzten Patienten auf.