Kirchheim

Hüntelmann verlässt die Arbeitsagentur

Wirtschaft In den nächsten Monaten leitet Bettina Münz kommissarisch die Behörde. Im Juli stieg die Arbeitslosigkeit in den Kreisen Göppingen und Esslingen saisonal bedingt leicht an. Von Heike Siegemund

Wilfried Hüntelmann, Chef der Göppinger Arbeitsagentur, zu der die Kreise Esslingen und Göppingen gehören, sucht eine neue Herausforderung: Zum 1. September wechselt der 52-Jährige an die Agentur für Arbeit in München. Das gab er gestern bei einer Pressekonferenz in Göppingen bekannt. Wer Hüntelmanns Nachfolge antritt, steht noch nicht fest. Die Stelle sei intern ausgeschrieben; es werde wohl zwei bis drei Monate dauern, bis sie wieder besetzt sei, sagte Hüntelmann. Bis dahin übernimmt die kommissarische Leitung seine Stellvertreterin Bettina Münz - die Frau von Volker Münz, des AfD-Bundestagskandidaten im Kreis Göppingen.

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AfD-Verbindung kein Problem

Diese Tatsache stelle kein Problem dar, betonte Hüntelmann. „Wir gehen professionell damit um.“ Es sei nie im Raum gestanden, die kommissarische Leitung in andere Hände zu übergeben. „Ich kenne Frau Münz schon sehr lange, und wir haben ein sehr gutes persönliches Verhältnis“, verdeutlichte der Agenturchef. Die Aufgaben seien klar geregelt, „und die nächsten Wochen nehmen ganz normal ihren Lauf“.

Fast fünf Jahre lang hatte Hüntelmann die Geschicke der Göppinger Agentur gelenkt. „In diesen fünf Jahren hatten wir einen extrem stabilen Arbeitsmarkt“, blickte er zurück. Außerdem habe er immer gut mit allen Partnern in beiden Landkreisen zusammenarbeiten können, freute er sich. In der Göppinger Agentur sind in der Vermittlung und Beratung knapp 300 Mitarbeiter beschäftigt; in München sind es „deutlich mehr“, sagte der 52-Jährige, der sich auf die neue Herausforderung als Leiter „einer der größten Agenturen Deutschlands“ freut. In den vergangenen Jahren habe ihn besonders die Tatsache bewegt, dass es im Göppinger Agenturbezirk noch zu viele Menschen gebe, die keinen Abschluss vorweisen können. Hier könne man nur mit nachhaltiger Qualifizierung Abhilfe schaffen - „ein wichtiges Thema, das mir am Herzen liegt und das ich schon seit den 90er-Jahren auf der Agenda habe“, sagte der aus dem niedersächsischen Lathen stammende Hüntelmann.

Bei der Pressekonferenz ging es aber nicht nur um Hüntelmanns Abschied: Der Agenturchef und Pressesprecherin Kerstin Fickus stellten darüber hinaus den Arbeitsmarktbericht für Juli vor. „Wir haben weiterhin eine gute und stabile Lage auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Hüntelmann. Dass die Arbeitslosigkeit saisonbedingt leicht gestiegen ist, sei kein Grund zur Sorge.

Über 15 000 Menschen ohne Arbeit

Diese Entwicklung sei jedes Jahr im Sommer zu beobachten. „Im Juli und August melden sich vermehrt junge Menschen nach Ausbildung, Schule oder Lehrgängen arbeitslos“, sagte Hüntelmann. Außerdem enden jetzt Meisterschulen, Technikerlehrgänge, Fortbildungen und Umschulungen, ergänzte er. Diese Arbeitslosigkeit dauere aber oft nur kurze Zeit, weil im September Ausbildungen beginnen und die Betriebe wieder verstärkt einstellen. Vor allem ausgebildete Arbeitskräfte seien in fast allen Bereichen gesucht.

Insgesamt waren im Juli 15 239 Menschen ohne Arbeit; das waren 0,6 Prozent mehr als im Juni, aber 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,5 Prozent (Vorjahr: 3,6 Prozent). Im Kreis Esslingen betrug die Arbeitslosenquote 3,4 und im Kreis Göppingen 3,7 Prozent. Während im Kreis Esslingen 10 031 Menschen arbeitslos gemeldet waren (1,2 Prozent mehr als im Juni und 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr), waren es im Kreis Göppingen 5 208 Frauen und Männer (0,5 Prozent weniger als im Juni und 4,7 Prozent weniger als im Vorjahr). Erfreulich sei, dass die Arbeitslosigkeit bei den über 50-Jährigen im Vergleich zum Juni um 2,3 Prozent auf 5 090 Menschen und bei den Langzeitarbeitslosen um 1,1 Prozent auf 4 286 Personen gesunken sei.

Der Stellenpool ist voll

„Im Juli haben uns die Betriebe kräftig Stellen gemeldet. Der Stellenpool ist voll“, informierte Hüntelmann weiter. Insgesamt registrierte die Agentur 3 176 neue Stellen (11,9 Prozent mehr als im Juni und 0,1 Prozent mehr als im Vorjahr). „Deshalb dürfen wir einen guten Herbst am Arbeitsmarkt erwarten“, verdeutlichte Hüntelmann. Diese Chancen gelte es zu nutzen.

Die Lage am Ausbildungsmarkt

Wilfried Hüntelmann, Leiter der Göppinger Arbeitsagentur, informierte bei der Pressekonferenz auch über die Lage am Ausbildungsmarkt: „Wir biegen in die Zielgerade ein. Im September beginnen die Ausbildungen“, sagte er. Insgesamt gebe es mehr Stellen als Bewerber. So wurden der Arbeitsagentur seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober vergangenen Jahres 5 218 Ausbildungsstellen gemeldet; das sind 4,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dem gegenüber stehen fast 5 Prozent mehr Bewerber: insgesamt 4 925. Hüntelmann betonte aber auch: „Wer jetzt noch nichts hat, muss die Beine in die Hand nehmen.“

Zur Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt sagte der Agenturchef: „Dies braucht längere Zeit, als wir zu Beginn angenommen hatten.“ Das hänge damit zusammen, dass der Erwerb der deutschen Sprache ein langer Prozess sei. „Diese Arbeit ist im Prozess. Wir haben Erfolge, aber es ist nicht die Menge“, räumte er ein. Bei der Beratung und Vermittlung von Flüchtlingen gelte es, zunächst viele Hürden aus dem Weg zu räumen und mit unterschiedlichen Partnern, zum Beispiel dem Regierungspräsidium, zusammenzuarbeiten. hei