Lokale Kultur

Musik unter Freunden

Schüler der Musikschule Kirchheim waren auf Orchesterreise unterwegs in Spanien

Kirchheim. Auf dem Placa de Vila, dem Marktplatz von Sta. Coloma de Gramenet, herrschte reges Treiben und die umliegenden Cafés waren übervoll. Da staunten die Leute nicht schlecht, als ein Tross mit Ins­trumenten, angeführt von der riesigen Harfe, die auf der Rollkiste der Tuba liegend transportiert wurde, an ihnen vorbeizog. Was das war? Ein Orchester mit zahlreichen jungen Musikern auf dem Weg zu seiner Partnermusikschule.

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Der Jugendaustausch zwischen den Musikschulen Kirchheim und Sta. Coloma de Gramenet, einem Vorort von Barcelona, besteht bereits seit 2003, initiiert durch eine Anfrage der katalonischen Schule nach einem deutschen Partner über den Verband. Der damalige Leiter der Musikschule Kirchheim, Thomas Arnold, horchte auf und handelte – und es entstand über die Brücke der Musik eine tiefe Verbundenheit zwischen den katalanischen und den schwäbischen Musikern, die durch abwechselnde Besuche immer wieder neu befruchtet wurde.

Zum mittlerweile fünften Treffen hatten die Katalanen eingeladen, und so machte sich die 55-köpfige Gruppe mitsamt Betreuern und Dolmetscherinnen auf den Weg. Die meisten traten den Weg nach Spanien per Bus an und hielten 18 Stunden durch, nur einige wenige reisten mit dem Flugzeug. Herzlich war die Begrüßung der spanischen Freunde bei der Ankunft.

Doch an Schlaf war anfangs nicht zu denken: Zuerst mussten alle Ins­trumente in die Musikschule gebracht werden, dann luden die Gastgeber zu einem kleinen Begrüßungssnack und einer Führung durch die Musikschule ein. Es folgte noch die offizielle Begrüßung der Leiterin des Kulturamts im Namen der Stadt, dann endlich konnten alle von ihren Gastfamilien in Empfang genommen werden und dort den restlichen Tag verbringen.

Am nächsten Tag ging es ganz um die Musik. Der Auftakt der musikalischen Begegnung war das Kammerkonzert, das traditionell von den Gästen einstudiert wird. So boten das Ensemble Teckbrass unter der Leitung von Johannes Stortz, die Cellofoniker, ein Streichquartett, Solist Thilo Adam (Schlagzeug) sowie die Duos Annika Möller (Cello) mit Julia Lorenz (Klavier) und Katharina Henß­ler (Flöte) mit Kathrin Lachenmaier (Harfe) ein anspruchsvolles und interessant zusammengestelltes, mit viel Beifall honoriertes Programm vom Frühbarock bis in die Moderne.

Ein Ausflug in das Technikmuseum Cosmocaixa, das mit allerlei spannenden Experimenten zum Ausprobieren lockte, war der erste Programmpunkt für den zweiten Tag. Der Nachmittag wurde bei sonnigem Wetter mit den Gastfamilien verbracht und für Ausflüge in die nahe Metropole Barcelona oder zum Strand benutzt.

Traditioneller Höhepunkt des vom Goethe-Institut beziehungsweise dem Bundesfamilienministerium unterstützten internationalen musikalischen Jugendaustauschs war schon immer das gemeinsame Konzert der Orchester, die sowohl einzeln und als auch am Ende des Programms zusammen auf die Bühne treten. Es wurde dem im Vorjahr verstorbenen ehemaligen Leiter der Kirchheimer Musikschule Thomas Arnold gewidmet. Bevor Jesús Llado, der Leiter des Orchesters Sta. Coloma mit Bildern und Worten an seinen Freund Thomas Arnold erinnerte, betonten die Schulleiter Maite Folque und Urs Läpple in ihren Reden, wie wichtig ihnen die Partnerschaft zwischen den beiden Musikschulen ist und hoben die Bedeutung des Austauschs für die Schülerinnen und Schüler hervor. Selbstredend lud Urs Läpple die katalanischen Freunde für 2014 zum Gegenbesuch nach Kirchheim ein.

Das folgende Konzert eröffnete das Gastorchester aus Kirchheim mit dem Programm, das auch schon eine Woche zuvor beim Frühlingskonzert im Lindorfer Bürgerhaus zu hören war. Auch im mediterranen Spanien überzeugten die Solistinnen Annika Möller (Violoncello), Laura Mück und Juliane Ziegler (Violinen) sowie Evi Käßbohrer (Horn) mit ihren Interpretationen von Max Bruchs Kol Nidrei, dem Doppelkonzert a-Moll von J. S. Bach und dem Hornkonzert in Es-Dur von W. A. Mozart. Das Orchester begleitete behutsam, den Solisten genügend Freiraum lassend, gekonnt geführt von Johannes Stortz. Der Beifallsturm am Ende des ersten Teils galt auch den vorzüglich dargebotenen und mit südamerikanischer Verve gespielten Danzas Cubanas von Robert Sheldon.

Der zweite Teil war den Gastgebern vorbehalten. Jesús Llado und sein Orchester bestachen bei ihren Werken von Mendelssohn (Marsch aus Athalie), Mixons „Dark Visions“ und den Variationen über „What shall we do with a drunken sailor“ von R. Stephan mit voluminösem, fein abgestuftem und intonationssicherem Streicherklang.

Schließlich vereinigten sich die beiden Orchester im dritten Teil des Konzerts und fanden mit Mühe und Not allesamt Platz auf dem Podium. Zu Gehör kamen die Filmmusiken aus „Amadeus“ dirigiert von Johannes Stortz und „Inglourious Basterds“ unter Orchesterleiter Jesús Llado. Die Spielfreude der Musiker übertrug sich zunehmend auf das begeisterte Pub­likum. Die Zugaben daraufhin wurden diesmal von beiden Orchesterleitern mit Freude im Wechsel dirigiert, bevor man den restlichen Abend am üppigen Buffet der spanischen Gastgeber genoss.sw