Kirchheim

„Papa Klinger“ gibt seinen Posten als „coolster Rektor der Welt“ auf

Die Kirchheimer Raunerschule verabschiedet ihren langjährigen Schulleiter in den Ruhestand – Nachfolger ist noch nicht in Sicht

Leicht nachdenklich scheint Gerhard Klinger hier seiner Zukunft als Ruheständler entgegenzublicken. Lautstark und zugleich wehmü
Leicht nachdenklich scheint Gerhard Klinger hier seiner Zukunft als Ruheständler entgegenzublicken. Lautstark und zugleich wehmütig verabschiedete sich die Kirchheimer Raunerschule von ihrem Rektor. Auf dem kleinen Bild rechts sagt gerade die Trommelgruppe „Auf Wiedersehen“.Fotos: Markus Brändli

Nach beinahe 20 Jahren musste sich die Kirchheimer Raunerschule von ihrem „Chef“ verabschieden: Gerhard Klinger wechselt in den Ruhestandsmodus.

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Andreas Volz

Kirchheim. Konrektorin Annette Wolf sprach allen aus dem Herzen, als sie Gerhard Klinger dafür dankte, dass er nicht nur Kapitän war, sondern auch verlässlicher Fels in der Brandung, wegweisender Leuchtturm und „unser Sonnenschein“. Er sei „ein wunderbarer Chef“ gewesen, aber auch ein geschätzter Pädagoge und Ratgeber. Stets war die Tür zu seinem Büro offen, und allen Ideen aus dem Kollegium stand er aufgeschlossen gegenüber. „Wir können uns ein Leben ohne ihn an dieser Schule noch gar nicht vorstellen.“

Er selbst bezeichnete den Eintritt in den Ruhestand als „Großereignis“. Immer wieder habe er sich in letzter Zeit dafür rechtfertigen müssen. Dabei handle es sich beileibe nicht um eine „Flucht aus der Schule“. Mit dem ihm eigenen Humor nannte er zwei Beweggründe: „Die Raunerschule ist so alt wie ich – eingeweiht im Oktober 1953. Und in wenigen Tagen wird sie teilweise abgerissen.“ Der andere „Grund“ für den Abschied war eine Parallele zum VfB Stuttgart: „1978 habe ich als Lehrer angefangen. Da war der VfB gerade wieder aufgestiegen, und ich habe mir gedacht, dass ich so lange in der Schule bleibe, wie der VfB in der Bundesliga.“

In den nahezu 20 Jahren, die er an der Raunerschule gewirkt hat, habe sich die Aufgabe eines Schulleiters enorm verändert: „Wir sind nicht mehr Pädagogen, sondern Multimanager.“ Nicht verkneifen konnte er sich deshalb einen deutlichen Seitenhieb auf die Personalpolitik des Landes. Ein Erstklässler habe ihn gefragt: „Wer wird eigentlich der neue Herr Klinger?“ Auf diese einfache Frage gab er die einfache Antwort: „Vorläufig die Frau Wolf.“ Ganz so einfach sei die Sache aber nicht. Nachdem er vor beinahe einem Jahr seinen Rückzug angekündigt hatte, sei immer noch kein Nachfolger in Sicht. Für Gerhard Klinger ist das ein Unding: „Es kann nicht sein, dass in so schwierigen Zeiten eine Konrektorin erst einmal alles alleine schaffen soll.“ Dennoch wünschte er seiner Stellvertreterin für die kommenden Wochen und Monate wichtige Eigenschaften, die alle Redner zuvor ihm selbst bescheinigt hatten: „Kraft, Kampfgeist, Durchhaltevermögen und Humor.“

Über Gerhard Klingers berufliches Durchhaltevermögen hatte Dr. Corina Schimitzek vom Staatlichen Schulamt Nürtingen berichtet: 1978 hatte er seine Berufslaufbahn an der Nürtinger Ersberg­schule begonnen, an der ersten von lediglich zwei Dienststellen. 1991 war er dort Konrektor geworden, bevor Anfang 1997 der Wechsel erfolgte: an die Raunerschule und an den Schreibtisch des Rektors. Außerdem war er tätig in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften sowie in der Mentorenausbildung. Als Verbindungslehrer habe er über viele Jahre hinweg das Vertrauen der Schüler besessen. Dabei habe es ihm stets geholfen, „mit einer natürlichen Autorität ausgestattet zu sein.“

Für die Stadt Kirchheim sprach Almut Cobet davon, dass Gerhard Klinger sich „einen besonderen Ehrenplatz im Stadtarchiv“ gesichert habe: nicht als fünfter Rektor der Raunerschule, wohl aber als erster Rektor der ersten Kirchheimer Gemeinschaftsschule. Gleich im ersten Schuljahr sei die Gemeinschaftsschule mit 90 Schülern in vier fünften Klassen an den Start gegangen. chuldekanin Dorothee Moser zollte ihm gerade dafür großen Respekt: „Noch zwei Jahre vor dem Ruhestand haben Sie sich daran gemacht, die Gemeinschaftsschule auf den Weg zu bringen“. Clemens Großmann sprach als geschäftsführender Schulleiter von den „vielen kleinen Baustellen“, die Gerhard Klinger auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule zu bearbeiten hatte. Aber auch sonst sei er – wegen der vielen Bauarbeiten an der Raunerschule während seiner Dienstzeit – zum Kirchheimer „Bauschulleiter“ avanciert. An eines dieser Bauwerke erinnerte die Elternvertreterin Regina Müller-Walzok: an die neue Sporthalle. „Alles braucht seine Zeit“, habe Gerhard Klinger stets gesagt, und in der Tat habe ihn diese Sporthalle von 2003 an beschäftigt – bis zur Fertigstellung 2011.

Höchstes Lob kam schließlich noch von den Lehrern, die ihn als den stets verlässlichen „Papa Klinger“ bezeichneten, und von den Schülern, für die er „der coolste“, ja sogar „der beste Rektor der Welt“ ist. Was kann sich ein Schulleiter noch mehr wünschen am Tag des Abschieds? Nur eins: Sich ans Schlagzeug setzen und den Lehrerchor begleiten, wenn der gerade die „Magie des Augenblicks“ beschwört. Ein letztes Mal hat Gerhard Klinger auf diese Weise seinem Kollegium den Takt vorgegeben.

Verabschiedung von Rektor Gerhard Klinger, Raunerschule
Verabschiedung von Rektor Gerhard Klinger, Raunerschule