Kirchheim

Psychiatrie bekommt weitere Betten

Künftig gibt es in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Kirchheim 206 Betten

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Kreiskliniken Esslingen erhöht ihre Bettenzahl um 16. Statt derzeit 190 sogenannter Planbetten werden es nun in Kirchheim 206 sein.

Kirchheim/Kreis Esslingen. Der Landeskrankenhausausschuss hat einem Antrag der Kreiskliniken Esslingen auf Erhöhung der Bettenzahl in Psychiatrie und Psychotherapie in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt. Damit wird der großen Nachfrage nach stationärer Behandlung in der Psychiatrie Rechnung getragen. Thomas Kräh, Geschäftsführer der Kreiskliniken, freut sich über den Bescheid aus Stuttgart: „Das ist eine gute Nachricht, vor allem für unsere Patienten, deren Angehörige und die psychiatrischen Partner im ambulanten psychiatrischen Versorgungsnetzwerk im Landkreis Esslingen. Angesichts der Zunahme psychischer Erkrankungen brauchen wir diese Betten dringend.“

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Im Herbst 2014 ist die Psychiatrie von Plochingen nach Kirchheim umgezogen. Derzeit wird in Kirchheim gebaut und damit Platz geschaffen für die Psychiatrie Nürtingen, die nach Kirchheim verlegt wird. Dann wird die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit 206 Planbetten konzentriert. Alleine seit 2013 ist die Zahl der Belegungstage der Klinik insgesamt um vier Prozent auf über knapp 67 600 gestiegen. Als Richtwert für die Bettenauslastung gibt der Landeskrankenhausplan 90 Prozent an. 2015 lag die Auslastung bei den Kreiskliniken Esslingen bei 97,5 Prozent. Der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Professor Dr. Christian Jacob, ist deshalb erleichtert: „Die Patienten mussten teilweise lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Das sehe ich immer mit einem traurigen Auge, denn bei psychischen Erkrankungen ist langes Warten auf einen stationären Platz für die Patienten und deren Angehörige oft nicht zumutbar.“

Auch ein bundesweiter Vergleich spricht für das Aufstocken der Psychi­atrie. Das Statistische Bundesamt gibt eine Bandbreite von 0,64 bis 1,0 Betten je 1 000 Einwohner für die Psychiatrie an. Im Kreis Esslingen werden derzeit nur 0,371 Betten pro 1 000 Einwohner gezählt.

Kräh weist deshalb auf die Dringlichkeit der Erweiterung hin: „Derzeit ist eine medizinische Versorgung der Psychiatriepatienten nur mit großem Einsatz unserer Mitarbeiter sicherzustellen.“

Auch das Sozialministerium begrüßt die Entwicklung am Klinikum Kirchheim-Nürtingen, so Kräh, weil die Zusammenführung des Fachgebiets Psychiatrie und Psychotherapie – einschließlich der 18 tagesklinischen Plätze – an einen Standort im Landkreis Esslingen positiv zu bewerten ist. Dies kann zu einer qualitativen und wirtschaftlichen Verbesserung führen. Ebenso positiv ist aber auch die Verlagerung der 18 tagesklinischen Plätze an den Standort Kirchheim. Damit wird ein durchgehendes Behandlungssetting an einem Standort gewährleistet, so Dr. Jacob. Beide, Chefarzt Jacob und Geschäftsführer Kräh, sind sich einig, in den nächsten Jahren auch die ambulanten Versorgungsangebote in Form der psychiatrischen Institutsambulanzen regional in enger Abstimmung mit den Netzwerkpartnern auszubauen.

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie ist baulich direkt mit der Klinik Kirchheim verbunden. Fachleute sehen darin einen großen Vorteil, weil psychosomatische Faktoren zunehmend wichtig werden und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen der Akutklinik und der Psychiatrie daher geboten ist. Hinzu komme, dass der wissenschaftliche Fortschritt zu einer zunehmenden Spezialisierung mit differenzierten diagnostischen therapeutischen Angeboten für die verschiedenen psychischen Erkrankungen führt. Dies ist aber nur bei einer ausreichend großen Klinik möglich, die derartige Spezialisten auslasten kann. pm