Kirchheim

Publikumsmagnet Orgelnacht

Mitreißende Ensembles begeistern das Publikum auch noch zu später Stunde

Bei Orgel plus Männerstimmen war die „Männersache“ des Ludwig-Uhland-Gymnasiums zu hören. Foto: Markus Brändli
Bei Orgel plus Männerstimmen war die „Männersache“ des Ludwig-Uhland-Gymnasiums zu hören. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Die Königin der Instrumente stand bei der 16. Kirchheimer Orgelnacht in der Kirchheimer Kirche Sankt Ulrich wieder im Vordergrund. Dekanatskirchenmusiker

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Thomas Specker, der Initiator der Veranstaltung, erklärte das Prinzip der Veranstaltung: Vier Konzerte in angenehmer Atmosphäre loten die Vielfalt der Orgel als Solo- und Begleitinstrument aus. Die Rezension der beiden ersten Konzerte haben wir in unserer gestrigen Ausgabe abgedruckt.

Paul Theis, auch ein regelmäßiger und gern gesehener Gast bei der Orgelnacht, hatte diesmal zwei Chöre „im Gepäck“. Der Organist, Sänger und Chorleiter hat sich seit Jahren um die Chorarbeit und insbesondere die Nachwuchsarbeit verdient gemacht. So präsentierte er sich mit der „Männersache der Liederlust Ohmden“ einem ambitionierten, erst 2010 gegründeten Männerchor sowie der „Männersache des Ludwig-Uhland-Gymnasiums“ (LUG). Eingeleitet beziehungsweise kontrapunktiert wurden die Chorstücke durch Werke unbekannter Meister. Giacomo Stachelbeer wird überraschend häufig von Theis aufgeführt, seine Opera leben vom großen improvisatorischen Wurf und haben in Paul Theis bestimmt ihren idealen Interpreten gefunden. Die Mitglieder des Männerchors ließen einen erstaunlich runden Chorklang hören, eine gute Durchmischung der Register und klare Textverständlichkeit – Belege für eine sehr gute Vorarbeit. Die Stücke waren abwechslungsreich und demonstrierten die Stärken der Sänger, vor allem bei Werken mit kräftiger Stimmgebung. Arcadelts „Ave Maria“ und ein „Pater Noster“ ließen auch zarte Farben erscheinen. Die „Männersache“ des LUG war nach Ansage von Thomas Specker „ersatzgeschwächt“, hinterließ aber dennoch einen starken Eindruck. Die acht Jungen sangen sich mit glockenhellen, klaren Stimmen, sauberer Intonation sowie deutlicher Aussprache bei natürlicher Ausstrahlung sofort in die Herzen der immer noch sehr großen Zuhörerschar. Besonders glückte „For the beauty of the earth“ von John Rutter. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung und weiter so! Die Männer der Liederlust zelebrierten nach einem „March ­heroique“, von Paul Theis zupackend virtuos musiziert – Cesar Franck stand etwa Pate –, „Die verlorene Rippe“ aus den ernsten und heiteren Festgesängen von Albert Lortzing und konnten sowohl in den wuchtigen Unisono-Stellen als auch bei den leichtfüßigen Parlando-Stellen gut gefallen. Beruhigend, dass es wieder oder immer noch sehr guten Sängernachwuchs gibt!

Die letzte Runde gehörte nun der Kammermusik. Keine einfache Aufgabe, nach all den musikalischen Funkenflügen nochmals – zu vorgerückter Stunde – die Aufmerksamkeit und Konzentration aller zu erreichen. Dem Bläserquintett Lingeno, in der Besetzung mit Annegret Martin (Flöte), Elke Karner-Funk (Oboe), Akiko Arakaki (Klarinette), Eduard Funk (Horn) sowie Dorothea Stelzer (Fagott), gelang der Spagat. Das En­semb­le stellte interessante Kammermusik von Milhaud, Danzi und Farkas vor. Die Musiker eröffneten mit einer schwungvollen Bearbeitung der Ouvertüre des „Il Barbiere di Siviglia“ von Gioacchino Rossini und gaben dabei ihre musikalischen Visitenkarten vortrefflich ab. Die „Suite La cheminee du roi Rene“ von Darius Milhaud bot allen gute Gelegenheit, ihre stupende Spieltechnik und Musikalität zu zeigen. Die Interpreten traten immer wieder solistisch in den Vordergrund, nie dominierend, dann wieder klanglich geschlossen als Ensemble auf, eine reife „Mannschaftsleistung“. Franz Danzi, ein Mitglied der „Mannheimer Schule“, sorgte nochmals für ruhige Kantilenen und interessante Wechselspiele zwischen Klarinette, Horn und Flöte. Kirchenmusikdirektor Thomas Gindele, jetzt am Tübinger Stift, brachte die Orgel mit einem Werk von Claude Balbastre sowie einer Toccata des leider nur selten zu hörenden belgischen Komponisten Flor Peeters eindrucksvoll und virtuos zum Klingen. Mit spritzig heiteren, spieltechnisch anspruchsvollen „Early hungarian dances“ des modernen ungarischen Komponisten Ferenc Farkas klang ein musikalisch erfüllter Abend aus. Ad multos annos – auf viele Jahre.