Kirchheim

Riemer kündigt „schöne neue Ortsmitte“ an

Straßenbau Nach 50 Jahren wird die Stuttgarter Straße in Kirchheim umgebaut und das Stadtbild des Ortsteils Ötlingen verändern. Von Peter Dietrich

Diese Buchten wird es an der Stuttgarter Straße künftig nicht mehr geben. Busse sollen nach dem Umbau an sogenannten „Buscaps“ a
Diese Buchten wird es an der Stuttgarter Straße künftig nicht mehr geben. Busse sollen nach dem Umbau an sogenannten „Buscaps“ auf der Fahrspur halten. Archiv-Foto: Carsten Riedl

In der Ötlinger Eduard-Mörike-Halle wäre viel Platz gewesen, sechs Experten saßen bereit und es war extra eine Beschallungsanlage aufgebaut. Doch dann kamen zur öffentlichen Informationsveranstaltung zum Umbau der Stuttgarter Straße nicht einmal 20 Zuhörer. Ob es daran lag, dass dieser Termin, wie mehrfach kritisiert wurde, nicht genügend angekündigt wurde? Es lag wohl auch daran, dass es vorab eine zweite Veranstaltung speziell für direkt betroffene Anwohner gab, zu der rund doppelt so viele Interessenten gekommen waren.

Der Erste Bürgermeister Günter Riemer warb vor der kleinen Versammlung zunächst um Verständnis: Die letzten großen Bauarbeiten in der Stuttgarter Straße lägen rund 50 Jahre zurück. Seit Tempo 30 gelte, gebe es weniger Durchgangsverkehr und weniger Lkw. „Wenn Menschen bei der Durchfahrt behindert werden, suchen sie sich einen anderen Weg.“ So wie Hermann Bauer, der ehemalige Bürgermeister von Weilheim: „Er hat mir gesagt, seit Tempo 30 gelte, fahre er nicht mehr durch die Stadt. Das ist genau richtig.“

Riemer versprach eine „schöne neue Ortsmitte“. Die Bauabschnitte 2A und 2B auf beiden Seiten des Rathauses seien gestalterisch anspruchsvoll. Der Radverkehr bekomme ein höheres Gewicht und werde auf die Fahrbahn geholt. Den Autofahrern werde durch Gestaltung und Belag signalisiert, dass sie sich in der Ortsmitte befinden und entsprechend anständig zu verhalten hätten. Allerdings wird es nur einen Kreisverkehr geben - an der Einmündung der Straße „Am Wasen“. Gerne hätten die Planer auch an der Hauptkreuzung mit der Lindorfer Straße und Isolde-Kurz-Straße einen Kreisel vorgesehen. „Wir haben alles probiert, ein Kreisverkehr wäre uns die liebste Lösung gewesen“, sagte Stephan Eurich vom Planungsbüro Eurich und Gula, das auch die Jesinger Ortsdurchfahrt gestaltet hat. Es ging aber aus mehreren Gründen nicht: Die Einmündungen der Lindorfer Straße und Isolde-Kurz-Straße sind versetzt, ein reiner Kreisel wäre nicht zulässig gewesen, es hätte eine Ellipse sein müssen. Dafür fehlen der Stadt aber die Grundstücke. Außerdem sollte bei einem Kreisel der Verkehr aus den verschiedenen Richtungen in etwa ausgewogen sein. Das ist aber nicht der Fall.

Was sich deutlich verändert: Aus den Busbuchten werden Buscaps, der Bus bleibt in der Fahrspur. „Es ist nur eine Linie, die Haltezeit beträgt im Schnitt 20 bis 30 Sekunden“, sagte Riemer. Damit sei die Zeit vorbei, in der Autofahrer den Bus nach seinem Halt nicht mehr reinlassen. So habe es der Gemeinderat mehrheitlich entschieden. Halte auch der Relax-Bus zum Flughafen künftig in Ötlingen? „Wir kämpfen dafür.“

Im Untergrund verlegt die Stadt Leerrohre für die Breitbandversorgung. Davon sieht der Bürger später nichts, wohl aber von der Umgestaltung vor dem Gebäude Silberne Rose: Dort fällt die parallele Autospur zur Stuttgarter Straße weg, alles wird verkehrsfrei und ebenerdig, Stephan Eurich versprach „Aufenthaltsqualität“. Die vielen geschädigten Bäume werden durch neue Bäume ersetzt, die mit dem veränderten Klima langfristig zurechtkommen sollen. Die Parkplätze werden direkt von der Stuttgarter Straße aus angefahren. Die Busbucht gegenüber entfällt für das Buscap, daher kann dieser Platz zum Parken genutzt werden.

Die Bauarbeiten im westlichen Teil beginnen am 13. Mai, dafür wird die Straße „Am Wasen“ in eine Richtung gesperrt. Die Stuttgarter Straße wird weiterhin in beide Richtungen befahren. „Da geht die Umleitung für die Autobahn durch“, betonte Günter Riemer. Im September und Oktober wird dann aber die Stuttgarter Straße gesperrt. Aus Wendlingen kommend, führt die Umleitung am Bahnhof vorbei, in die andere Richtung durch das Gebiet Warth. Im November und Dezember kann dann zwischen Wasen und Rathaus nur in Richtung Kirchheim gefahren werden. Fürs Parken werden Ersatzparkplätze eingerichtet, unter anderem bis zum Durchgang zum katholischen Gemeindehaus.

Richtung Kirchheim wird dann im Jahr 2020 weitergebaut, bis zur Wielandstraße. Baubeginn soll im Herbst 2020 sein, die Arbeiten erneut rund 15 Monate dauern. Insgesamt verbaut die Stadt in der Stuttgarter Straße rund 4,5 Millionen Euro, wobei ein großer Teil als Zuschüsse von Bund und Land wieder zurückkommt.

Was macht der Pizzaservice während der Bauarbeiten? „Die Stadt kauft gerade ein E-Lastenrad mit Thermobox“, sagte Günter Riemer. Auch andere Gewerbetreibende sollen dieses Rad nutzen können. „Das wurde positiv aufgenommen“, sagte Ortsvorsteher Hermann Kik.

Einige Zuhörer wollten wissen, ob es Baustellenführungen geben werde. Den Bürgern solle gut vermittelt werden, was da gebaut werde, sagte Günter Riemer. Die erste Gelegenheit gibt es am Samstag, 11. Mai, ab 10.30 Uhr. Dann ist in der Straße „Am Wasen“ der Spatenstich geplant und es gibt einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet.

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