Lokale Kultur

Schwarzer britischer Humor kommt an

Gelungene Premiere der Kriminalkomödie „Ladykillers“ auf dem Grötzinger Galgenberg

Die Ganoven sind aufgeflogen: Sie bedrängen Mitwisserin Margaret Wilberforth, ja nicht zur Polizei zu gehen. Andernfalls lande s
Die Ganoven sind aufgeflogen: Sie bedrängen Mitwisserin Margaret Wilberforth, ja nicht zur Polizei zu gehen. Andernfalls lande sie als (unfreiwillige) Komplizin ohnehin mit ihnen im Gefängnis.Foto: Katja Eisenhardt

Aichtal. Doppelte Premiere auf dem Galgenberg: Erstmals wurde am Samstagabend das neue Stück „Ladykillers“ vor nahezu ausverkauften

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Rängen aufgeführt – eine Kriminalkomödie. Das gab es in der 60-jährigen Geschichte des Naturtheaters Grötzingen bislang noch nicht. Der Genrewechsel ist gelungen.

England, gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Die Kapitänswitwe Margaret Wilberforth (sehr überzeugend: Angela Brock) lebt mit ihrem Papagei Mr. Gordon (Verena Mayer) in einem kleinen Häuschen nahe des Bahnhofs Kings Cross. Regelmäßig sucht die etwas schrullige ältere Dame die örtliche Polizeiwache auf, um Meldung über kurios anmutende Vorfälle zu erstatten. „Fünf bis sechs Ufos“ habe sie gesehen, beteuert sie so eines Vormittags aufgeregt dem Polizisten und Portwein-Trinkgenossen Mr. Thomp­son (Horst Matrohs) und dessen Kollegen (Siegfried Zuckriegel und Wolfgang Braun). Freundlich schicken sie die alte Dame wieder nach Hause. Über deren Geschichten wundert sich auf der Wache schon lange niemand mehr. Als bei Mrs. Wilberforth dann in Gestalt von Professor Marcus (Roland Theurer) endlich ein potenzieller und dringend herbeigesehnter Untermieter an der Tür klingelt, ahnt die Witwe noch nicht, welch wahrlich kuriose Wendung ihr bis dato recht beschauliches Leben nehmen soll.

Glücklich über den galanten und höflichen Zimmer-Anwärter, wundert sie sich auch nicht über dessen sehr detaillierte Fragen zur Lage der Zimmer, nach dem Zeitplan der direkt unter dem Balkon vorbeischnaufenden Güterzüge oder danach, ob seine vier „Musiker“-Freunde mit einziehen dürften, um dem gemeinsamen Hobby, der Hausmusik, nachzugehen. Was sie nicht weiß: Die mitgebrachten Instrumente dienen den fünf Herren nur zur Tarnung – in Wahrheit planen der Professor und seine Kumpane Dr. „Doc“ Courtney (Reinhold Oppermann), der etwas einfältige Willie Knoxton (Klaus Zenger) sowie die beiden hoch motivierten Jungspunde des Quintetts, Louis Harvey (Silas Kuhmann) und Harry Robinson (Thilo Metzger) einen Überfall auf einen Geldtransporter. Die gemieteten Zimmer werden für die Herren dabei zum „Basislager“. (Haus-)Musik kommt stattdessen nur von der Schallplatte, die übers Grammofon zuverlässig Boccherinis „Menuett“ erklingen lässt.

Weder Margaret Wilberforth, die die Planungen der Herren zu deren Leidwesen regelmäßig mit Tee und Löffelbiskuits unterbricht, noch deren drei Freundinnen Gwendolyn Livingstone (Hilda Oppermann), Harriet Plimshead (Sabine Maraval) und Constance Martin (Natalie Stooß) durchschauen das falsche Spiel. Im Gegenteil: Sie sind hingerissen vom musikalischen Ohrenschmaus, den die Herren hinter verschlossenen Türen zaubern, und planen einen gemeinsamen Auftritt zur anstehenden Jubiläumsfeier ihres Vereins. Doch dazu soll es nicht kommen. Am Ende ist die Bank um 420 000 Pfund erleichtert, fünf Leichen sind zu beklagen und nur eine Person darf sich letztlich über einen wahren Geldsegen freuen.

Zum ersten Mal in seiner 60-jährigen Geschichte hat das Naturtheater-Team eine Kriminalkomödie auf die Bühne gebracht. Ein Experiment, das geglückt ist. Der schwarze britische Humor, den das Stück – zu dem es zwei filmische Vorlagen aus dem Jahr 1955 und 2004 gibt – mit sich bringt, kam beim Publikum hörbar an.

Auch die Macher zeigen sich nach der gelungenen Premiere zufrieden: „Vor einer Premiere sind natürlich immer alle sehr aufgeregt. Man weiß ja nicht, wie das Publikum reagiert, vor allem, wenn es ein neues Genre ist, das gezeigt wird“, so Vorstandsmitglied Andreas Kleinknecht. Und auch Regisseurin Barbara Koch wirkt nach der Feuertaufe sichtlich entspannter, als sie es wohl noch bei der Generalprobe am Donnerstag gewesen sein dürfte: „Die war furchtbar. Da gab es auf einmal Texthänger, wo vorher keine waren. Vermutlich waren alle schlicht überprobt.“

Jetzt bleibt abzuwarten, wie das Stück im weiteren Verlauf der Spielzeit angenommen wird. Der Auftakt jedenfalls ist gelungen.

Info

Weitere Infos gibt es auf www.naturtheater-groetzingen.de im Internet.