Kirchheim

Solidarität mit CAP-Märkten ist gefragt

Einzelhandel Die Märkte in Notzingen und Ötlingen stehen unter Druck, aber 2019 „ist gesichert“. Bürgermeister Haumacher sieht Gesprächsbedarf. Von Thomas Zapp

Der CAP-Markt in Kirchheim-Ötlingen soll die Nahversorgung sichern.Foto: Jean-Luc Jacques
Der CAP-Markt in Kirchheim-Ötlingen soll die Nahversorgung sichern.Foto: Jean-Luc Jacques

Die Zukunft der CAP-Märkte in Ötlingen und Notzingen steht auf der Kippe. „Es ist ein schwieriges Pflaster“, räumt der Geschäftsführer der Filderwerkstatt, Klaus Korschinek, auf Nachfrage des Teckboten ein. Die Filderwerkstatt, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, betreibt zusätzlich zu diesen beiden Märkten zwei weitere Geschäfte in Stetten und Neuhausen. Was Notzingen und Ötlingen betreffe, sei das Jahr 2019 gesichert, so Korschinek. Das beweise auch eine aktuelle Stellenanzeige: Für Notzingen wird eine stellvertretende Marktleitung gesucht, ebenso in allen vier Geschäften der Filderwerkstatt Auszubildende als Einzelhandelskaufleute.

In Notzingen gibt es den CAP-Markt im ehemaligen „Lädle“ seit 2015. Die notwendige Anschubfinanzierung von 50 000 Euro kam damals mithilfe der „Initiative Notzinger Lädle“ zustande. Die private Initiative sammelte 22 000 Euro, die Katholische Kirche und der Krankenpflegeförderverein 3 000 und 5 000 Euro. Dann legte der Gemeinderat noch 20 000 Euro aus der Gemeindekasse dazu. Diese Tatsache ist Bürgermeister Sven Haumacher bis heute ein Dorn im Auge. „Nach meiner Auffassung war der Zuschuss rechtswidrig“, sagt er. Schließlich werde ein privates Unternehmen mit öffentlichen Mitteln gefördert. Das hätte man dann auch mit anderen Geschäften des Ortes machen müssen. „Ich habe auch bis heute keinen Nachweis darüber gesehen, wofür das Geld genau verwendet wurde“, sagt er.

Ungeachtet dessen hält er den Laden an sich aber für wichtig. „Ich habe das Gefühl, dass er gut angenommen wird und fände es schade, wenn er schließen würde“, sagt er. Das sieht auch der Ortsvorsteher von Kirchheim-Ötlingen so. „Der CAP-Markt ist extrem wichtig für die Nahversorgung. Und das wird in Zukunft immer bedeutsamer“, sagt Hermann Kik. Es gebe immer mehr Ältere und die seien nicht so mobil. Seine Frau kaufe dort regelmäßig ein und er habe das Gefühl, dass viele Menschen das Angebot annehmen. Allerdings glaube er auch nicht, dass die Leute ihren Wocheneinkauf dort erledigen.

Die Trockenware kommt vom Handelsriesen Edeka, ansonsten gibt es Bio-Artikel und regionale Produkte. Deshalb habe ihnen in Kirchheim auch die Eröffnung des Denn‘s Biomarktes geschadet, sagt Geschäftsführer Klaus Korschinek. Auch wenn dieser 3,5 Kilometer entfernt liegt.

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker betrachtet die Situation ebenso mit „großer Sorge“. Mit 150 000 Euro hat die Stadt damals den Ötlinger CAP-Markt unterstützt, als es nach der Schließung des Plus-Marktes eine Versorgungslücke im größten Kirchheimer Stadtteil gab. „Ich sorge mich nicht nur wegen des Geldes, sondern wegen der Bedeutung des Marktes für den Stadtteil“, sagt sie.

Die Solidarität der Bürger ist nun gefragt, nicht nur mit den Betreibern ihres Nahversorgers, sondern auch mit behinderten Menschen. Denn die 2004 in Bietigheim gegründete Kette mit nach eigenen Angaben mehr als 100 Filialen in ganz Deutschland hat sich einen sozialen Gedanken auf die Fahnen geschrieben. „Unser Grundgedanke ist die Verbesserung der Arbeitsplatzsituation und die Erweiterung der Möglichkeiten für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung“, ist auf der Webseite zu lesen. Wer im CAP-Markt einkauft, tut also etwas für den Bestand der Nahversorgung und die Inklusion. Mit einem ausgeglichenen Ergebnis wäre Geschäftsführer Klaus Korschinek schon zufrieden. „Unser Ziel ist es nicht, Riesengewinne zu machen“, sagt er. Das wäre auch utopisch, nicht ohne Grund haben die Einzelhandelsketten kein Interesse an den Lagen in Ötlingen und Notzingen, alleine schon wegen fehlender Parkplätze. Der Wille aller Beteiligten ist also da, trotz schwieriger Umstände das Angebot zu erhalten. Ausbaufähig ist aber noch die Kommunikation. „Ich würde mich über ein Gespräch mit den Verantwortlichen freuen“, sagt Bürgermeister Sven Haumacher.

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