Kirchheim

Statements zum Pflegenotstand

Gesundheit Das Land steckt in der Pflegemisere. In Kirchheim schilderten Experten ihre Eindrücke. Von Thomas Zapp / Fotos: Jean-Luc Jacques

Symbolbild. Foto: Markus Brändli
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Johannes Bauernfeind glaubt nicht, dass es mit einer besseren Bezahlung der Pflegekräfte allein getan ist. „In der Vergangenheit war das ein Anreiz, Stunden zu reduzieren“, sagt er. Mehr Personal sei wichtiger, dann kämen viele zurück in den Beruf, die wegen hoher Belastung ausgestiegen seien.
Sabine Hartmann-Müller sitzt als Pflegeexpertin für die CDU im Landtag. Sie sagt: „Wir brauchen flexible Lösungen, müssen Nachbarschaftshilfe stärken, damit Leute so lange wie möglich zu Hause bleiben. Dazu muss es weniger Bürokratie geben. Wir müssen in alle Richtungen denken.“
Pfleger Dennis Wenzel sagt: „Ich bin ein Freund davon, sich mit den Menschen, die ich pflege, zu unterhalten. Das habe ich so gelernt.“ Aber dafür fehlt es ihm zu oft an Zeit. „Wir werden alle einmal alt. Ich habe ehrlich gesagt Angst vor dem Tag, ab dem ich gepflegt werden muss.“
Rico Hann leitet das Asklepia-Seniorenzentrum Kirchheim. Einen Flächentarifvertrag für Pflegekräfte hält er für kontraproduktiv. „Das nimmt den Pflegeeinrichtungen die Flexibilität.“ Die Suche nach neuen Leuten gestaltet sich schwierig. „Anzeigen in Zeitungen können Sie vergessen.“
Cornelia Zink vom Vorstand der Frauen-Union Esslingen: „Sie haben in der stationären Pflege morgens zehn Minuten Zeit, um einen Bewohner nach dem Aufstehen zu waschen und zu frisieren. Überlegen Sie mal, wie lange Sie selbst brauchen. In der Ausbildung lernt man, dass es 45 Minuten sind.“