Lokale Kultur

Tiefe Einfühlung ins Wesen der Landschaft

Sabine Fleischmann zeigt im Weilheimer Rathausfoyer 100 Ansichten der Limburg

"Die Limburg", 100 Ansichten eines Zeugenberges, …lgemŠlde von Sabine Fleischmann, Vernissage im Rathaus Foyer Weilheim
"Die Limburg", 100 Ansichten eines Zeugenberges, …lgemŠlde von Sabine Fleischmann, Vernissage im Rathaus Foyer Weilheim

Weilheim. Ein Motiv immer wieder zu malen, kann zu mechanischer Routine und kreativer Erlahmung führen. Oder aber der Künstler entzündet sich daran und erfindet das Vielgesehene auf seiner Leinwand

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immer wieder neu. Letzteres ist der Holzmadener Künstlerin Sabine Fleischmann geglückt, die derzeit im Weilheimer Rathaus hundert gemalte Blicke auf die Limburg ausstellt.

Die imposante Frucht einer gut eineinhalbjährigen Arbeit ist vor Ort zu einem wandfüllenden Tableau arrangiert. Den Weilheimer Hausberg findet man darin mal in naturalistischer Manier eingefangen und den Wechsel der Jahreszeiten abbildend. Ein anderes Mal spiegelt sich die Limburg – ästhetisch wie irritierend – in einem großen Gewässer. Auch eine Hochgebirgsansicht ist in der hundertteiligen Serie zu entdecken.

Ebenso scheint der Baumbestand am Fuße des Berges Metamorphosen unterlegen: auf einigen Leinwänden souverän als abstrakte, grafische Kürzel ins Bild gebracht, kommt er in anderen Werken als überbordende organische Figuration daher.

Rasch wird klar, dass es der gelernten Grafikerin und Absolventin der Freien Nürtinger Kunstschule nicht um ein idyllisches Abbilden äußerlicher Gegebenheiten geht. Sabine Fleischmann hat sich tief in das Wesen der Landschaft eingefühlt. Ihre in Öl und Graphit ausgeführten Arbeiten leben von atmosphärischer Dichte, die auch situativ gegriffene Stimmungen eindrücklich transportiert.

Wendet sich der Betrachter der quantitativen Fülle des Limburg-Tableaus immer wieder bewusst zu, stößt er auch bald zur qualitativen Substanz der hundert einzelnen Werke vor. In ihrem Mit- und Nebeneinander entfaltet sich eine beeindruckende ausdrucksstarke Vielfalt, offenbart sich ein künstlerischer Erfindungsreichtum, der seine Inspiration auf einem soliden handwerklichen Fundament gegründet weiß.

Es ist eine eigene Form der Virtuosität, wie Sabine Fleischmann das vertraute Motiv einem ergebnisoffenen, stets aber zielführenden künstlerischen Spiel unterwirft. Unweigerlich denkt man an die Aussage Pablo Picassos, wonach man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen könne, wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe.

So tritt dem Ausstellungsbesucher die Limburg aufgefächert und einhundertfach verwandelt in bunter Vielfalt entgegen. Aus ihrem konkreten Dasein als Zeugenberg der Schwäbischen Alb wird sie ins Archetypische gehoben: die Limburg als Ur-Berg, aus dem die künstlerische Kraft alle erdenklichen Situationen und Zustände herausziehen und malerisch vor Augen stellen kann.

Qualitäten, die auch in den übrigen Exponaten zum Tragen kommen. Hier hat sich Sabine Fleischmann mit einzelnen, wesenhaft und prägnant eingefangenen Bäumen, ebenso mit dem Teckberg und seinem Umland beschäftigt. Arbeiten, die dem Betrachter Landschaft als einen seelisch zu erlebenden Innenraum erschließen.

Den besonderen Reiz der Ausstellung machte bereits der rege Publikumsandrang zur Vernissage im Weilheimer Rathaus deutlich, die mit einem Grußwort von Bürgermeister Johannes Züfle und einer geschmackvollen musikalischen Umrahmung durch Bratschist Johannes Rolfs und Ernst Leuze am E-Piano für einen vielversprechenden Auftakt sorgte.

Die Ausstellung „Die Limburg – 100 Ansichten eines Zeugenberges“ ist bis Sonntag, 11. Dezember, im Weilheimer Rathaus zu den üblichen Öffnungszeiten des Bürgerbüros zu sehen.

Die 100 Werke des Limburg-Tableaus entfalten eine beeindruckende ausdrucksstarke Vielfalt. Foto: Deniz Calagan