Kirchheim

Vom Landarbeiter zum Künstler

Der international renommierte Bildhauer Pinuccio Sciola ist tot – Mächtigen Trachyt der Stadt Kirchheim geschenkt

Pinuccio Sciola schuf diese Skulptur, die auf der Grünfläche bei der Kirchheimer Martinskirche zu finden ist. Foto: Jean-Luc Jac
Pinuccio Sciola schuf diese Skulptur, die auf der Grünfläche bei der Kirchheimer Martinskirche zu finden ist. Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Im Alter von 74 Jahren ist der international renommierte Bildhauer Pinuccio Sciola in seiner sardischen Heimat Cagliari verstorben. Bis zu seinem 18. Lebensjahr

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arbeitete Sciola als einfacher Landarbeiter in seinem Geburtsort San Sperate, bis er 1959 „entdeckt“ wurde und sofort einen ersten Kunstpreis samt Stipendium an der Kunstakademie in Cagliari erhielt.

Weitere Studien erfolgten in Florenz und Salzburg. Zahlreiche Reisen führten ihn durch europäische Metropolen und später um die ganze Welt und boten ihm Gelegenheit, Künstlerpersönlichkeiten wie Oskar Kokoschka, Luciono Minguzzi oder Henry Moore kennenzulernen. Nach Sardinien zurückgekehrt, legte er in San Sperate den Grundstein für eine internationale Bildhauer-Kolonie. 1976 nahm Sciola für Italien an der Biennale Venedig teil, 1983 beim Festival dei Due Mundi in Spoleto. Nicht zuletzt seine an sardischen Menhiren orientierten „pietre sonore“, klanglich zu erlebende Steinskulpturen, machten ihn weltweit bekannt.

In Deutschland darf sich Kirchheim – neben Städten wie München, Duisburg oder Leverkusen – zu denjenigen Orten zählen, die in ihrem öffentlichen Raum mit Kunstwerken von Pinuccio Sciola aufwarten können. Eine Skulptur als kulturelles Bindeglied und als Verkörperung des europäischen Gedankens fungieren zu lassen, war Sciolas Idee, als er am 31. März 1979 seinen mächtigen Trachyten der Stadt Kirchheim zum Geschenk machte.

Damals noch vorläufig zwischen Kornhaus und Max-Eyth-Haus platziert, hat der über zwei Tonnen schwere Stein etwa ein Jahr später seinen endgültigen Standpunkt auf der Grünfläche nordwestlich der Martinskirche gefunden. Anlass dieser Schenkung war seinerzeit die feierliche Wiedereröffnung des Kornhauses sowie die erste Wahl zum Europäischen Parlament.

Den aufwendigen, von Sardinien in die Teckstadt führenden Transport dieser in jeder Hinsicht gewichtigen Skulptur begleitete der damalige Stadtrat E. O. Kröger, der zeitgleich weitere Werke Sciolas in seiner Galerie präsentierte.

Auch dem Kirchheimer Club Bastion war Pinuccio Sciola von Beginn an eng verbunden. Zur Eröffnung des Clubs im September 1968 schuf er eine Holzskulptur, die seither im Gewölbe der Bastion präsent ist. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Bastion fertigte Sciola 40 handkolorierte Drucke als Sammlergaben, deren Erlös dem Verein zugutekam.

In seinem Nachruf würdigte der „Corriere della Sera“ Pinuccio Sciola als bedeutenden Protagonisten der internationalen zeitgenössischen Kunst. In diesem Sinne wird sein Schaffen auch im Kirchheimer Stadtraum weiterhin geschätzt werden.