Kirchheim

Von Kriegsopfern zum Sozialverband

Kirchheimer VdK-Ortsgruppe wird 70 Jahre alt

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg, kümmerte sich der VdK vor allem um Kriegsopfer. Heute steht der gesamte soziale Bereich im Fokus.

Kirchheim. Am 11. Juli 1946, also vor nunmehr 70 Jahren wurde die Ortsgruppe des VdK Kirchheim unter dem Namen „Körperbehinderte, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen“ als Selbsthilfegruppe, die die Interessen von Kriegsbeschädigten, Witwen und Waisen gegenüber der Verwaltung vertrat, neu gegründet. 1954 war die Ortsgruppe mit 686 Mitgliedern die größte im damaligen Kreis Nürtingen. Die Gründung des Landesverbands Baden-Württemberg folgte 1947. Im Jahr 1950 als Dachverband der Landesverbände unter dem Namen „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands“ in Düsseldorf entstanden, trägt der Verband seit 1994 offiziell den Namen Sozialverband VdK Deutschland.

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Für die Versorgung der Kriegsopfer wurde 1950, in einem ersten wichtigen Schritt das Bundesversorgungsgesetz (BVG) erkämpft. Um die Anerkennung als Kriegsbeschädigte zu erreichen, war die Bildung einer VdK-Sozialrechtsabteilung bald dringend notwendig. Galt also anfangs der Einsatz den Kriegsopfern, wurde es später für den VdK eine Selbstverständlichkeit, auch für Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten, für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige, für Rentner und Senioren oder auch für arme Menschen einzutreten. So wurden seit Ende der 1940er-Jahren nach und nach hauptamtliche Sozialreferenten eingestellt. Nach wie vor stellt der VdK-Sozialrechtsschutz eine ganz zentrale Verbandsaufgabe dar.

Allein in Baden-Württemberg gibt es derzeit 34 VdK-Servicestellen. Alljährlich werden rund 10 000 Verfahren allein im Südwesten erledigt. Die mittlerweile 50 VdK-Sozialrechtsreferenten im Ländle erzielen dabei jedes Jahr rund zehn Millionen Euro an Nachzahlungen für die rund 220 000 Mitglieder in Baden-Württemberg. Eng verbunden mit dem VdK-Engagement der letzten 25 Jahren ist der Kampf für eine gesetzliche Pflegeversicherung. Die Einführung einer umlagefinanzierten Pflegeversicherung war ein Meilenstein.

Ein weiterer Meilenstein soll 2017 folgen: Ab da werden die demenzkranken Menschen endlich in der Pflegeversicherung anderen Pflegebedürftigen gleichgestellt. Darum hat der VdK lang gekämpft, ebenso um die novellierte Landesbauordnungen und das Behinderten-Gleichstellungsgesetz im Land. Im Jahr 2014 machte sich der VdK für die Mütterrente stark, wobei nach seiner Ansicht nachgebessert werden muss. das heißt, sie soll unbedingt steuerfinanziert werden.

Seit Januar 2016 heißt die neue VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren“, gibt es doch nach wie vor unzählige Barrieren in Deutschland – ob für Rollstuhlfahrer oder für gehörlose oder für blinde Menschen. Aber auch viele Ältere und Eltern mit Kinderwagen profitieren von einer barrierefreien Gesellschaft. Heutzutage bietet der VdK-Ortsverband, in der Alleenstraße 92 in Kirchheim, jeden Donnerstag Beratung, Hilfe und rechtliche Vertretung im Sozialrecht an.pm